Löwenzahn auf Wiese

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Dr. Jürgen Fisahn, Landwirtschaftskammer Niedersachsen | am

Wie Sie gegen Grünlandunkräuter und -gräser vorgehen sollten

Grünlandwirte brauchen ebene, trittfeste, dichte Narben. Die LWK Niedersachsen gibt Tipps gegen Grünlandunkräuter und -gräser.

Auch Niedersachsens Grünlandwirte profitieren von einer ebenen, dichten und trittfesten Narbe. Hohe Ertragsleistungen auf intensiv genutztem Grünland werden maßgeblich von der Zusammensetzung des Pflanzenbestandes bestimmt. Leistungsstarke Grünlandbestände sind regelmäßig

  • zu mindestens 80 % aus wertvollen Gräsern,
  • zu 10 bis 20 % aus Kräutern und
  • zu 5 bis 10 % aus Weißklee zusammengesetzt.

Der Grasbestand wiederum sollte

  • etwa 60 % Deutsches Weidelgras und
  • 20 % der Komponenten Wiesenlieschgras, Wiesenrispe bzw. Wiesenschwingel enthalten.

Anzustreben sind ebene, trittfeste, dichte Narben ohne Lücken. Nachfolgend zeigen wir eine wichtige Auswahl an Grünlandunkräutern und -ungräsern. Außerdem erhalten Sie Tipps zur Bekämpfung.

Löwenzahn: Dichten Narbenschluss gewährleisten

Löwenzahn auf Wiese

Löwenzahn wird gerne gefressen, ist aber ertragsschwach. Die Mahd vor der Blüte und Mähweidenutzung reichen zur Bekämpfung nicht aus. Wichtig sind alle Maßnahmen, die einen dichten Narbenschluss gewährleisten.

  • Verätzung mit Perlkalkstickstoffgabe von 3 dt/ha auf taunasses Grünland,
  • Herbizideinsätze im Spätsommer bzw. Frühjahr vor dem ersten Schnitt und kurz vor dem Aufbrechen der Blütenknospen mit Ranger (1,3 l/ha), Simplex (1,5 l/ha), Banvel M (4 l/ha) oder Mischung aus U 46 D- und U 46 M-Fluid (je 1 l/ha).
  • Taipan (1,4 l/ha) gegen Ampfer bekämpft auch Löwenzahn.

Hahnenfuß: Langfristig durch Wasserregulierung reduzieren

Hahnenfuß
  • Hahnenfuß ist langfristig nur durch Wasserregulierung (Dränage, Bodenverdichtungen) zu reduzieren.
  • Ein rechtzeitiges Ausmähen vor der Blüte verhindert inselartige Ausbreitung.
  • Der seltene Scharfe Hahnenfuß ist giftiger als Kriechender Hahnenfuß. Die Pflanze verliert sich über die Heugewinnung. In Silagen dauert die Entgiftung zwei Monate. Bekämpfung chemisch sicher und preiswert mit U 46 M-Fluid (2 l/ha) im Spätsommer nach mehrmaligem Schnitt vor der Blüte.

Sumpfschachtelhalm: Gefährliche Giftpflanze

Der Sumpfschachtelhalm (Duwock) ist eine gefährliche Giftpflanze, die Hinweise auf staunasse Böden gibt.

  • Regelung der Wasserverhältnisse kombiniert mit mechanischer Bekämpfung drängt die Pflanze zurück.
  • Zurückdrängen durch mehrmaliges Walzen im Mai bis Juni sowie frühes und häufiges Mähe.
  • Alternativ mechanische Unterschneidung der gesamten Fläche in einer Tiefe von 30 bis 40 cm unter Flur.
  • Gute Narbenpflege, dichte Grasbestände helfen vorbeugend.
  • Bekämpfung mit 2 l/ha U 46 M-Fluid muss regelmäßig wiederholt werden: günstigster Bekämpfungstermin zur Entfaltung der Wedel, beste Wirkung bei wärmerem Wetter mit hoher Luftfeuchtigkeit, auf Wiesen Spritzung vier Wochen vor der Mahd (28 Tage Wartezeit), die Duwockwedel bei der Spritzung bis unten gut benetzen.

Wiesenkerbel, Schafgarbe und Bärenklau

Wiesenkerbel

Wiesenkerbel, Schafgarbe und Bärenklau kommen bei starker Gülle- und Jauchedüngung vor. Mögliche Bekämpfung durch

  • Frühes Abmähen,
  • intensive Beweidung verhindert ihre Ausbreitung,
  • gute Ergebnisse gegen Bärenklau mit Ranger 2,0 l/ha, günstig Zeitpunkt der Rosette in der Hauptvegetationsperiode von Mai bis August, Anwendung zum zweiten Aufwuchs erfahrungsgemäß besser,
  • chemische Bekämpfung des Wiesenkerbels ein Problem.

Binsen: An nassen Standorten

Flatterbinsen

Binsen zeigen einen nassen Standort an.

  • Günstigster Spritztermin nach einem Schnitt bei 20 bis 30 cm Neuaustrieb, gute Wirkung mit U 46 M-Fluid (2 l/ha). Zwei bis drei Wochen nach der Behandlung Binsen unbedingt mähen!
  • Bei Wiederaustrieb ist Wiederholung nötig, bei starker Vernässung des Bodens Beweidung unterlassen.

Gemeine Rispe: Verdrängt wertvolle Gräser

Gemeine Rispe besiedelt schnell Lücken und verdrängt wertvolle Gräser. Dichter Wuchs und Verfilzung der Narbe sind die Folge. Futterqualitäten sind unterdurchschnittlich. Leider wird die Ausbreitung häufig nicht erkannt.

  • Durch aggressives Striegeln Ungras herauskämmen,
  • beste Wirkung mit Striegel auf trockenem Boden im Sommer,
  • Lücken sind durch Nachsaaten umgehend zu schließen.       

Quecke: Behandlung mit Glyphosathaltigen Mitteln

  • Bei Queckenbesatz von 30 bis 40 % ist Flächenbehandlung mit Glyphosat-haltigen Mitteln wie Dominator 480 TF, Roundup PowerFlex, Glyphos Supreme u.a. im Rahmen einer Grünlanderneuerung angebracht,
  • letzter Schnitt in der ersten Julidekade, zur Monatswende Juli/August Bestand abtöten, zwei bis drei Wochen danach Neuansaat durchführen,
  • wird umgebrochen, nicht fräsen, sondern überkreuz grubbern.

Rasenschmiele: Mit Roundup im Dochtstreichgerät

Rasenschmiele

Die Rasenschmiele ist eine Einzelpflanze.

  • Mit Roundup im Dochtstreichgerät bzw. mit Perlkalkstickstoff (1 Handvoll je Pflanze) bekämpfen,
  • ist die Schadschwelle überschritten, Vorflutverhältnisse verbessern und Ganzflächeneinsatz von Glyphosat-haltigen Mitteln, z.B. Roundup Powerflex (3,75 l/ha mit 200 l Wasser).
  • 14 Tage nach dem Glyphosateinsatz Fläche aggressiv mulchen (Schlegelmulcher), Grassoden und Bülten der Rasenschmiele mit der Fräse fein zerschlagen und optimal mit dem Boden vermischen, 
  • flache Pflugfurche (nicht auf Moor) im Anschluss an den Fräsgang vergräbt sowohl organisches Material als auch bodenbürtige Ungras- (Rasenschmiele) und Unkrautsamen, 
  • Flächen in der Etablierungsphase durch Beweidung kurzhalten, schnellen Narbenschluss durch früh Nutzung anstreben. 

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst 8/19.

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