Salat im Container-Gewächshaus

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Angelika Sontheimer | am

Gemüse, das im Container wächst

Pflanzen aus dem Container ernten ist längst keine Utopie mehr. Andreas Ulbrich, Professor für Gemüseproduktion und -verarbeitung an der Hochschule Osnabrück, hat ein Projekt dazu durchgeführt.

Regionales Gemüse erzeugen und dabei vorhandene Energiequellen nutzen - das sind die beiden Ziele eines Forschungsprojektes, das an der Fakultät für Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur der Hochschule Osnabrück durchgeführt wird.

Prof. Ulbrich, was genau wird in Ihrem Zukunftsprojekt untersucht?

Wir haben eine mobile Kultureinheit in einem Container entwickelt, mit der wir regional erzeugte Nahrungsmittel vorantreiben wollen. Die Container sollen an vorhandene Energieangebote angegliedert werden, wie z.B. Biogas- und Windkraftanlagen oder Umspannwerke, im ländlichen Bereich oder an große Büro- und Hotelkomplexe mit Klimaanlagen im urbanen Bereich, um deren Energiedepots zu nutzen. Erprobt haben wir bisher den Anbau von Rote Beete, Pflücksalat und Grünkohl sowie einer neu entwickelten geschmacksorientierten Tomatensorte mit einer dünnen, weichen Schale sowie Süßkartoffeln.

Wie sind die Chancen, wo die Grenzen einer solchen Container-Produktion? Wie hoch schätzen Sie das Potenzial für diese Art von Erzeugung?

Es kann im Moment noch niemand verlässlich abschätzen, welches Volumen oder Marktanteil die Container-Produktion zukünftig haben wird. Die Chancen einer solchen Produktion liegen in der Regionalität und der Erzeugung der Nahrungsmittel vor Ort.

Nehmen wir z.B. die neue Tomatenzüchtung. Deren Qualitätsmerkmal ist das geruchs- und geschmacksintensive Aroma. Dieses geht unter anderem mit der dünnen Schale einher. Normalerweise sind Tomaten heute so gezüchtet, dass sie eine harte Schale haben, um gut transport- und lange lagerfähig zu sein. Das brauchen wir aber bei einer Tomate nicht, die regional verzehrt wird.

Die Chancen der Containerproduktion sehe ich vor allem in Metropolregionen. Dort kann der Produzent Obst und Gemüse frisch und transparent direkt vor Ort anbieten. Die Herausforderung besteht allerdings im hohen Energiebedarf. Wenn ich es an einem Kopfsalat festmache, der aus dem Freiland stammt und sagen wir mal einen Euro kostet, dann würde er zurzeit in einer Indoorfarm produziert zwei Euro kosten. Doch durch die Forschungsaktivitäten wird sich dieses Missverhältnis schnell reduzieren. Das bedeutet, wir brauchen schlaue Konzepte, die vorhandene Energie nutzen und so den Energiebedarf reduzieren.

Welche Möglichkeit gibt es für unsere Landwirte, an diesem Verfahren zu partizipieren? Brauchen wir zukünftig keine Produktion in der Fläche mehr?

Da kann ich die Sorge der Agrarbetriebe entkräften: Containerproduktion ist keine Konkurrenz zur bestehenden klassischen Gemüseproduktion. Die Mengen sind überschaubar. Den Eissalat wird es weiterhin vom Feld geben. Ich sehe viele Möglichkeiten, Stadt und Land zu verknüpfen. So können Gemüseanbauer ihr Sortiment um „ausgefallene“ Gemüsesorten, wie eben die Geschmacks-tomate oder Süßkartoffeln ergänzen, die sich in unseren Breiten nur schwer auf dem Acker anbauen lassen.

Wie sieht die Zukunft für den Containeranbau aus?

Er muss auf jeden Fall noch preiswerter werden. Mit Strom aus der Steckdose ist er nicht wirtschaftlich. Mein Ziel ist ein durchdachtes Konzept in Ergänzung zur klassischen Agrarwirtschaft. So lassen sich regional tolle Gemüse- und Obst-Produkte erzeugen.

Inhalte der Ausgabe

  • Messerückblick EuroTier
  • Amtsantritt von Miriam Staudte
  • Biogasanlagen droht Insolvenz
  • Schlepper-Lichterfahrt: Infos zu Führerschein & Co.
  • Adventsrezepte mit Walnüssen

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel suchen und merken

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
Produkte entdecken
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Messerückblick EuroTier
  • Amtsantritt von Miriam Staudte
  • Biogasanlagen droht Insolvenz
  • Schlepper-Lichterfahrt: Infos zu Führerschein & Co.
  • Adventsrezepte mit Walnüssen

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen