Junge Pflanzen auf dem Acker
Christel Grommel | am

Gen-Schere im Ökolandbau?

Für mehr Nachhaltigkeit auf globaler Ebene sollte die EU-Gesetzgebung geändert und der Einsatz der Gen-Schere im Ökolandbau erlaubt werden, fordert ein Forscherteam.

Das internationale Forscherteam unter Beteiligung der Universitäten Bayreuth und Göttingen ist überzeugt, dass die Nachhaltigkeitsziele der Farm-to-Fork-Strategie und des Green Deals der EU-Kommission ohne Nutzung der modernen Biotechnologie nicht zu erreichen sein werden.

Der Anteil des ökologischen Landbaus an der Agrarwirtschaft soll innerhalb der EU bis 2030 auf 25 Prozent erhöht werden, so sieht es die EU-Strategie Farm-to-Fork vor. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler monieren jedoch, dass diese Steigerung bei derzeitiger EU-Rechtslage nicht mehr Nachhaltigkeit gewährleiste. Der Grund liege in den geringeren Erträgen im ökologischen Anbau.

EU-Gesetzgebung steht im Weg

Zahlreiche Anwendungen neuer biotechnologischer Verfahren werden durch das geltende EU-Recht stark beschränkt oder sogar verboten. Dies gilt insbesondere für die Genom-Editierung, bei der die sogenannte Gen-Schere zum Einsatz kommt. "Den Ökolandbau unter den gegenwärtigen rechtlichen Beschränkungen der Biotechnologie weiter auszudehnen, könnte leicht zu weniger anstatt zu mehr Nachhaltigkeit führen. Dabei bietet gerade die Gen-Schere vielversprechende Potenziale für eine nachhaltige Agrarwirtschaft", so Kai Purnhagen, Professor für Lebensmittelrecht an der Universität Bayreuth.

Der Ökolandbau liefere, verglichen mit den konventionellen Anbau, niedrigere Erträge: Das bedeutet mehr Flächen für die Produktion der gleichen Menge hochwertiger Lebensmittel. "Da die weltweite Nachfrage nach Lebensmitteln steigt, würde mehr Ökolandbau in der EU zu einer Ausdehnung der Ackerfläche anderswo in der Welt führen. Dadurch könnten leicht Umweltkosten entstehen, die den lokalen Umweltnutzen in der EU übersteigen, denn die Umwandlung von Naturflächen in Ackerland ist einer der größten Treiber des globalen Klimawandels und Artenschwunds", sagt Matin Qaim, Professor für Agrarökonomie an der Universität Göttingen. 

Ökolandbau und Gen-Schere könnte Dilemma lösen

Die Kombination von Ökolandbau und neuen biotechnologischen Verfahren könnte ein Weg sein, um dieses Dilemma aufzulösen. "Die Gen-Schere bietet uns einzigartige Möglichkeiten, die Produktion von Nahrungsmitteln nachhaltiger zu gestalten und die Qualität, aber auch die Sicherheit von Nahrungsmitteln weiter zu verbessern. Mit Hilfe der Gen-Schere können robustere Pflanzen entwickelt werden, die auch mit weniger Dünger hohe Erträge liefern", sagt Stephan Clemens, Professor für Pflanzenphysiologie an der Universität Bayreuth. Darüber hinaus ließen sich pilzresistente Pflanzen züchten, die im Ökolandbau ohne kupferhaltige Pflanzenschutzmittel gedeihen.

Um Gentechnik im Ökolandbau einsetzen zu können, bedarf es aber rechtlicher Änderungen auf EU-Ebene. 

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