on_Gebeiztes Getreidesaatgut
Petra Henze, LWK Niedersachsen | am

Getreidebeizung: Der erste Schritt zum sicheren Ertrag

Flugbrand, Steinbrand und weitere samenbürtige Krankheiten beeinflussen den Pflanzenaufgang negativ und können lückige Bestände, Mindererträge und Qualitätseinbußen hervorrufen. Das kann verhindert werden.

Wichtige samen- und bodenbürtige Schaderreger können schon bei der Aussaat des Getreides durch eine Saatgutbeizung effektiv, gezielt, kostengünstig und umweltschonend mit geringen Wirkstoffmengen bekämpft werden.

Was ist neu in 2020?

In den letzten Jahren wurden neben bewährten Wirkstoffen auch Wirkstoffe aus der Gruppe der Strobilurine und Carboxamide zusätzlich in die Beizmittel integriert, um die Leistungsfähigkeit abzusichern. Diese Wirkstoffe besitzen eine andauernde und breite Wirksamkeit.

Beispiele für diese Beizen sind Vibrance Trio, Rubin plus und Baytan 3. Baytan 3 steht durch den Widerruf des Wirkstoffs Triadimenol nur noch für die kommende Gerstenaussaat 2020 zur Verfügung. Die Aufbrauchfrist endet am 28. Februar 2021. Die Gerstenbeize Zardex G wird nicht mehr produziert; Restmengen im Markt müssen bis zum Zulassungsende am 31. Dezember 2021 aufgebraucht werden. Das neu zugelassene Difend extra weist als einzige Beize neben Landor CT eine Zwergsteinbrandwirkung aus.

Vibrance Trio und Rubin

Die Beizen Vibrance Trio und Rubin plus dürfen ab Januar 2021 nur noch in „professionellen Beizanlagen“ angebeizt werden. Die zu Grunde liegenden Bestimmungen NT 699 und NT 715 beschränken die Anwendung auf Saatgutbehandlungseinrichtungen mit geprüftem Qualitätssicherungssystem. Dadurch soll sowohl die Beizqualität gesichert als auch der Abrieb begrenzt werden. Eine Listung als professionelle Saatgutbehandlungseinrichtung kann aktuell entweder über eine Zertifizierung nach SeedGuard oder direkt über eine Prüfung des Julius-Kühn-Instituts erreicht werden. Außerdem müssen ab dem 31.Dezember 2020 alle Beizgeräte in Deutschland amtlich kontrolliert sein.

Die sogenannte „Windauflage“ NH 681, nach der gebeiztes Saatgut nur bei Windgeschwindigkeiten von weniger als 5 m/sec ausgebracht werden darf, gilt bei den Getreidebeizen derzeit nur für Latitude XL.

Beizung Wintergerste

on_Flugbrandaehre-Wintergerste

Seit 2019 erreichen uns immer wieder Meldungen zum Flugbrandbefall in Gerstenbeständen, die jedoch nicht auf einzelne Beizmittel zurückgeführt werden konnten. Offensichtlich spielen hier trockene Bedingungen bei der Aussaat eine Rolle für den unzureichenden Schutz des Saatgutes. In der Gerste sollte der Flugbrand ebenso wie die Streifenkrankheit sicher bekämpft werden. Die Gerstenbeizen Baytan 3 und Zardex G werden nur noch kurzfristig verfügbar sein. Für Gerste stehen auch die Beizen EfA, Landor CT, Rubin plus, Rubin TT, Orius Universal und Vibrance Trio zur Verfügung, die alle gegen Flugbrand und Streifenkrankheit zugelassen sind. Mit Rubin plus kann auch die Typhulafäule bekämpft werden.

Roggen und Triticale

In Roggen und Triticale sollte auf eine sichere Wirkung gegen Fusarien und Schneeschimmel (Microdochium nivale) geachtet werden. Desweiteren sind Septoria nodorum in Triticale sowie Stängelbrand in Roggen von Bedeutung. Eine gute Wirkung haben die Präparate Landor CT, Rubin TT, Rubin plus, Arena C, Celest und Orius Universal. Difend extra hat auch in Triticale eine Zulassung gegen Zwergsteinbrand.

Beizung Winterweizen

on_Steinbrand im Weizenbestand

Bei Winterweizen ist insbesondere Wert auf eine ausreichende Wirkung gegen Steinbrand, aber auch Flugbrand und Fusarienarten zu legen. Schneeschimmel ist vor allem bei späteren Saatterminen von Bedeutung. Beizen mit entsprechendem Wirkungsspektrum sind EfA, Landor CT, Rubin TT, Rubin plus, Orius Universal und auch Arena C sowie das neue Vibrance Trio. Diese decken das Erregerspektrum vollständig ab. Versuche des Pflanzenschutzamtes mit künstlicher Infektion zeigten sehr gute Wirkungsgrade bei Vibrance Trio und Rubin plus gegen Schneeschimmel und Fusarium culmorum. Celest sollte im Rahmen der Saatgutvermehrung nicht zum Einsatz kommen, da die Wirkung gegen Flugbrand fehlt.

Der Weizensteinbrand (Tilletia caries) tritt in den letzten Jahren wieder häufiger auf, insbesondere dort, wo mehrjährig eigenes ungebeiztes Saatgut verwendet wird. Das trifft besonders im Ökolandbau zu. Nicht erkannter Befall im Nachbausaatgut kann über Jahre zu einem erheblichen Krankheitsausmaß führen. Befallene Partien ziehen Vermarktungsprobleme nach sich und sind auch in der Fütterung mit gewissem Risiko zu sehen.

Brandbutten ausgebildet

Statt Körnern werden in den Ähren „Brandbutten“ ausgebildet, die eine schwarze Masse aus vier bis fünf Millionen Brandsporen enthalten und stark nach Fisch riechen. Bei stark befallenen Beständen können nach der Ernte überdauernde Sporen in den Folgejahren zu bodenbürtiger Infektion führen. Hauptsächlich erfolgt die Infektion jedoch über das Saatgut.

Daher ist insbesondere bei Nachbau eine Saatgutuntersuchung auf Sporenbesatz unbedingt anzuraten. Ab einem Besatz von 300 Sporen pro Korn raten wir von einer Aussaat ab. Der Zwergsteinbrand (Tilletia controversa) tritt vorwiegend in kühl-feuchten Höhenlagen auf. Die Infektion findet im Gegensatz zu Weizensteinbrand hauptsächlich über den Boden statt. Die jungen Pflanzen werden früh von den an der Bodenoberfläche keimenden Sporen befallen. Die Einkürzung der Halme fällt stärker aus als bei Weizensteinbrand.

Eine sichere Unterscheidung zwischen den beiden Arten ist allerdings nur anhand der Sporenform unter dem Mikroskop möglich. Alle im Weizen zugelassenen Beizmittel verfügen über hohe Steinbrandwirkungsgrade gegen Weizensteinbrand. Der Zwergsteinbrand kann ausschließlich mit Landor CT und mit Difend extra bekämpft werden.

Alternative Beizmittel

  • Die Elektronenbeizung ist ein physikalisches Verfahren, bei dem die Krankheitserreger am Saatgut mittels Elektronenbeschuss abgetötet werden, die Keimfähigkeit jedoch erhalten bleibt. Da die Wirkung auf den Beizvorgang beschränkt bleibt, werden bodenbürtige Erreger nicht erfasst, Flugbrand kann ebenfalls nicht bekämpft werden, da der Erreger tief im Embryo sitzt und dieser beim Elektronenbeschuss zerstört werden würde.
  • Biologische Saatgutbeizen: Mit Cerall und Cedomon haben zwei biologische Beizen eine Pflanzenschutzmittelzulassung. Cerall ist eine wasserbasierte anwendungsfertige Bakteriensuspension aus Pseudomonas chlororaphis-Stämmen, die an das Bodenleben im Wurzelraum angepasst sind. Die biologische Beize ist in Weizen gegen Steinbrand, Fusarium culmorum und Septoria nodorum, in Roggen und Triticale gegen Fusarium culmorum zugelassen.

Gerste und Dinkel

Für Gerste und Dinkel gibt es mit Cedomon ein auf Rapsöl basierendes Pseudomonas-Präparat, das gegen Streifenkrankheit, Netzflecken und Fusarium sowie im Dinkel gegen Steinbrand zugelassen ist. Im ökologischen Landbau kann Steinbrand mit den Präparaten Cerall und Tillecur bekämpft werden. Das Pflanzenstärkungsmittel Tillecur (etwa 13,00 €/dt Saatgut) besteht vorwiegend aus Gelbsenfmehl und kann trocken oder feucht angewendet werden.

Aufgrund der großen Bedeutung von Steinbrandbefall führen wir seit dem Jahr 2013 Feldversuche zur Bekämpfung der Krankheit mit künstlicher Infektion (Weizensteinbrand) durch.

Beide biologischen Produkte zeigten in den Versuchen des Pflanzenschutzamtes gute Wirkungen gegen den Steinbrand, wobei die Wirkungsgrade bei Tillecur deutlich höher lagen, als bei Cerall und das Niveau der chemischen Vergleichsmittel erreichten. Auch die Elektronenbeizung zeigt gegen den Steinbrand eine gute Wirkung.

Fazit

  • Samenbürtige Krankheiten wirken sich negativ auf den Pflanzenaufgang auf.
  • Lückige Bestände, Mindererträge und Qualitätseinbußen sind die Folge.
  • Zielgerichtete Beizen schützen das Saatgut davor.
  • Für manche Beizen gelten ab 2021 strengere Auflagen.
  • Weizensteinbrand (Tilletia caries) tritt bei Verwendung von ungebeiztem Saatgut wieder vermehrt auf.
  • Typisch: Brandbutten riechen stark nach Fisch.
  • Elektronenbeizung erfasst nur Krankheitserreger am Saatgut.
  • Zwei biologische Beizen erweitern das Angebot.

Inhalte der Ausgabe

  • Agrarpolitik: Klöckner fordert bessere Tierhaltung
  • Betrieb: Initiative Tierwohl - Anmeldung für die dritte Runde
  • Technik: Gut abwägen - Gründe für den Traktorkauf
  • Tierhaltung: Vorgaben für den Sauen-Deckstall
  • Pflanzenbau: Silphieanbau als Biotopvernetzung
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