Mähdrescher erntet Weizen

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Dr. Olaf Zinke | am

Getreidepreise fallen nach der Ernte: Die Stunde der Wahrheit

Die Getreidepreise sind vorige Woche deutlich gefallen. Die Gründe sind komplex, hauptsächlich geht es jedoch um die höheren Exporte vom Schwarzen Meer und um eine rekordhohe Weizenernte in Russland. Doch der Markt könnte schnell wieder drehen.

Diese Woche starten die Weizenpreise im vorbörslichen Handel schwächer, nachdem es in der vorigen Woche um rund 30 Euro je Tonne auf rund 315 Euro je Tonne nach unten ging. Das sind die niedrigsten Weizenpreise seit Februar, als der Krieg in der Ukraine die globalen Getreidemärkte komplett durcheinanderwirbelte und die Preise auf immer neue Rekordhöhen trieb. Die Maispreise fielen zeitweise sogar unter 310 Euro je Tonnen – obwohl die Mais-Ernte in Europa katastrophal wird.

Derzeit drücken der wieder begonnene Getreide-Export vom Schwarzen Meer und die Erwartung eines größeren globalen Angebots mächtig auf die Preise für Weizen, Mais und Gerste. Am heutigen Montag beginnt der vorbörsliche Handel in den USA wieder etwas schwächer. Das dürfte auch hierzulande zum Wochenstart eher für nachgebende Getreidepreise sorgen.

Am Großmarkt und Exporthafen Hamburg notierte der Weizen am vorigen Freitag bei 314 Euro je Tonne. Für Gerste wurde den Lieferanten nur noch 288 Euro je Tonne geboten. Die Preise für Brotroggen lagen in Hamburg am Freitag bei 295 Euro je Tonne.

Am wichtigsten französischen Exporthafen Rouen werden am heutigen Montagmorgen für Brotweizen 315 Euro je Tonne geboten – immerhin 4 Euro mehr als am Freitag. Für Futtergerste bekommen die Lieferanten in Rouen am heutigen Montagmorgen 276 Euro Tonne – ebenfalls 4 Euro mehr als am Freitag.

Schwarzmeerexporte drücken Getreidepreise – Skepsis bleibt

Marktbeobachter blieben aber weiterhin skeptisch, dass der Schwarzmeerkonflikt in naher Zukunft gelöst wird, obwohl die laufende Verschiffung von Getreide am Schwarzen Meer mächtig auf die Preise drückt. „Im Allgemeinen entwickeln sich die Angebotsaussichten positiv, obwohl sie weiter mit erheblichen Unsicherheiten behaftet sind, was gegen einen weiteren deutlichen Rückgang der Weizenpreise spricht“, sagen Analysten die Commerzbank in einer Mitteilung gegenüber Reuters.

Andere Analysten erwarten hingegen, dass die laufenden Ernte- und Exportaktivitäten in Russland und der Ukraine das globale Angebot deutlich verbessern, was weiter negativ auf die Preise auswirken könnte. Ende Juli wurden drei Schwarzmeerhäfen im Rahmen eines von den Vereinten Nationen und der Türkei vermittelten Abkommens zwischen Moskau und Kiew freigegeben.

Die Daten des ukrainischen Landwirtschafts-Ministeriums zeigen, dass im August bislang 1,29 Millionen Tonnen Getreide exportiert wurden. Im gleichen Zeitraum im August 2021 waren es 3,14 Millionen Tonnen. Zwei weitere Getreide-Schiffe haben den Hafen von Chornomorsk in der Ukraine verlassen, teilte das türkische Verteidigungsministerium am Samstag mit, womit sich die Gesamtzahl der Schiffe auf 27 erhöht.

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Ukrainische Weizenernte fast abgeschlossen

Die ukrainische Regierung sagte, dass das Land in diesem Jahr mindestens 50 Millionen Tonnen Getreide ernten könnte, verglichen mit einem Rekord von 86 Millionen Tonnen im Jahr 2021. Die ukrainische Weizenernte 2022 ist trotz der anhaltenden Kampf-Handlungen in den östlichen und südlichen Regionen mit 17,4 Millionen Tonnen zu 91 % abgeschlossen, teilte der Verband der ukrainischen Getreidehändler UGA am Freitag mit.

Weiter heißt es, dass die Landwirte bisher insgesamt 25,7 Millionen Tonnen Getreide und Ölsaaten geerntet hätten. Darunter waren 5,3 Millionen Tonnen Gerste und 3 Millionen Tonnen Raps.

Die Ukraine hat im Jahr 2021 eine Rekordernte von 86 Millionen Tonnen Getreide eingebracht, darunter 42,1 Millionen Tonnen Mais und 32,2 Millionen Tonnen Weizen und 9,9 Millionen Tonnen Gerste.

Dürre in China und Ernteschäden

Chinesische Regierungsbeamte kündigten am Wochenende den ersten landesweiten Dürrealarm für 2022 an, da Flüsse austrocknen und erhebliche Ernteschäden gemeldet werden. Der Alarm wurde als „gelb“ eingestuft, was bedeutet, dass er nur zwei Kategorien von der gefährlichsten Warnstufe für Chinas Wettersystem entfernt ist.

Laut dem chinesischen Staatssender CCTV sind mindestens 66 Flüsse in 34 Bezirken in der chinesischen Provinz Chongqing im Südwesten des Landes ausgetrocknet. Beamte in Chongqing entsenden bereits Teams, um Ernteschäden zu bewerten und den Landwirten eine Entschädigung für ihre Verluste aufgrund der Hitze zu zahlen.

Während Chinas Mais- und Sojabohnenkulturen hauptsächlich in den nördlichen Regionen des Landes angebaut werden, wird aufgrund der Dürre dennoch mit Schäden an der Mais-, Sojabohnen- und Weizenernte gerechnet das könnte Chinas Abhängigkeit von Importen in den kommenden Monaten erhöhen.

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