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Dr. Olaf Zinke | am

Getreidepreise steigen in neue Dimension: Neue Ernte über 430 Euro

Die Getreidepreise steigen steil an: Die neue Woche beginnt, wie die alte endete. Die neue Ernte kostete am europäischen Terminmarkt am Freitag 417 Euro je Tonne. Am Hamburger Großmarkt wurden am Freitag für Brotweizen 420 Euro geboten. Und am Montag steigen die Preise im vorbörslichen Handel in Übersee und an den globalen Handelsplätzen erneut steil an. Die MATIf startet bei 430 Euro - für die neue Ernte.

Preistreiber für die neue Rallye ist das am Samstag (14. Mai) verhängte Exportverbot Indiens. Analysten und Händler waren zuvor davon ausgegangen, dass das Land dieses Jahr Rekordmengen an Weizen exportieren würde und damit den Ausfall der Ukraine etwas kompensieren würden.  

Doch zuletzt hatte eine extreme Hitzewelle die Produktion in den wichtigen indischen Produktionsregionen gedrückt und die Inlandspreise auf ein neues Rekordhoch getrieben. Die indische Regierung sicherte jedoch zu, sie würde weiterhin Exporte zulassen, die durch bereits abgeschlossene Verträge abgesichert sind, vor allem in Länder, die das Getreide brauchen, „um ihren Bedarf zur Ernährungssicherheit zu decken“.

Der Schritt, Exporte zu verbieten, sei nicht auf Dauer und könne auch wieder revidiert werden, sagten hochrangige Regierungsbeamte, nach Informtionen der Nachrichtenagentur Reuters.

Große Importeure setzten jedoch auf die Lieferungen des mit rund 110 Millionen Tonnen, nach der Europäischen Union mit 138 Millionen Tonnen und China mit 137 Millionen Tonnen, drittgrößten globalen Weizenproduzenten der Welt. Hintergrund ist der Ausfall der Ukraine als wichtiger Lieferant nach der russischen Invasion in der Ukraine am 24. Februar.

Indien stoppt Exporte wegen Hitze und Preisexplosion

Vor dem Exportstopp hatte Indien das Ziel, im noch laufenden Wirtschaftsjahr eine Rekordmenge von 8 bis 10 Millionen Tonnen zu exportieren. Für die neue Saison hatte das USDA die bevorstehende Weizenernte trotz der Hitzewelle auf 108,5 Millionen Tonnen geschätzt und die Exporte auf 8,5 Millionen Tonnen.

Die indischen Behörden teilten mit, dass sie (trotz Hitzewelle) ebenfalls keinen dramatischen Rückgang der Weizenproduktion erwarten, aber die unregulierten Exporte zu einem steilen Anstieg der lokalen Preise geführt hätten. „Die indische Regierung will nicht, dass der Weizenhandel auf unregulierte Weise stattfindet oder dass es zum Horten großer Mengen kommt“, sagte Handelsminister Subrahmanyam gegenüber Reportern in Neu-Delhi, berichtet Reuters.

Obwohl Indien nicht zu den größten Weizenexporteuren der Welt gehört, hat das Export-Verbot die globalen Preise auf neue Höchststände getrieben, was die Verbraucher in Asien und Afrika besonders hart treffen würde, befürchten Händler.

Im vorbörslichen Handel am Montag steigen die Preise in den USA bereits steil an und zeigen wie der Markt die Sache bewertet. Die Chicagoer Weizen-Futures schossen am Montag um ihre 6%-Tages-Limit nach oben, nachdem Indien den Export verboten hatte und die Inlandspreise ein Rekordhoch erreichten.

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Neue Ernte in der Ukraine dramatisch kleiner

Der Ausfall Indiens als Exporteur wird die durch das Fehlen der ukrainischen Exporte entstandene Versorgungkrise nochmals deutlich verschärfen. Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) geht seiner ersten Prognose für die neue Ernte 2022/23 davon aus, dass die Ukraine aufgrund der Kriegsfolgen ein Drittel weniger Weizen ernten wird und die Maisproduktion um 54 % einbricht.

Gleichzeitig soll die russische Weizenproduktion um mehr als 6 % steigen. Damit würde Russland nach Einschätzung des USDA seine Position als weltweit führender Weizenexporteur mit rund 39 Millionen Tonnen oder 19 % des globalen Handelsvolumens ausbauen. Für die Europäische Union wird bisher eine Ausfuhrmenge von 36 Millionen Tonnen bzw. 17,5 % des globalen Handelsvolumens erwartet.

Das Ergebnis dieses ersten USDA-Berichts zur neuen Ernte „zeigt erhebliche Spannungen am Getreidemarkt, insbesondere beim Weizen“, sagt der Analyst Gautier Le Molgat von Agritel gegenüber dem französischen Onlineportal terre-net. So sieht das USDA die weltweiten Weizenvorräte am Ende der jetzt zu Ende gehenden Kampagne mit 279 Millionen Tonnen 4,1 % kleiner als im Vorjahr und bis zum Ende der nächsten Saison nochmals um 4,3 % auf 267 Millionen Tonnen schrumpfen.

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Europas Ernte auch auf der Kippe?

Neben der Ukraine rechnet das US-Landwirtschaftsministerium mit einer Reduzierung der letzten Rekordernte in Australien, die teilweise durch einen sehr starken Produktionsanstieg in Kanada ausgeglichen wird. Dort wird nach einer dürrebedingt extrem schlechten Ernte von knapp 22 Millionen Tonnen Weizen im vorigen Jahr, ein Anstieg der Weizenproduktion auf 33 Millionen Tonnen erwartet.  

Außerdem erwartet das USDA eine sehr gute Ernte von 80 Millionen Tonnen Weizen in Russland und einen Produktionszuwachs um 2,5 Millionen Tonnen auf 47 Millionen Tonnen in den Vereinigten Staaten. Was Indien betrifft, schätzt Gautier Le Molgat die jetzige Prognose des USDA als zu optimistisch ein.

Das gilt möglichweise auch für die Europäischen Union, wo Trockenheit den Bauern in Frankreich und Deutschland weiter zu schaffen macht. Konditionen und Ranking der französischen Weizen- und Gerstenpflanzen haben sich vorige Woche noch einmal deutlich verschlechtert, berichtet das französische Landwirtschaftsamt FranceAgriMer.

Für die Europäische Union gehen die US-Analysten bislang von einem moderaten Rückgang der Produktion (Hart- und Weichweizen) von 138,4 Millionen Tonnen auf 136,5 Millionen Tonnen aus.

Kritisch sehen viele Analysten auch die vom USDA erwartete Steigerung der Weizenproduktion in den Vereinigten Staaten, wo die jüngste Umfrage, die in der vorigen Woche veröffentlicht wurde, berichtete, dass 39 % der Bestände von Winterweizen in „schlechtem“ oder „sehr schlechtem“ Zustand waren, und damit doppelt so viele wie im letzten Jahr.

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