Feld mit Weizen kurz vor der Ernte

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Dr. Olaf Zinke | am

Getreidepreise stürzen dramatisch ab: Weizen fällt auf Vorkriegsniveau

Die Getreidepreise fallen immer weiter. Mittlerweile haben die Preise für Weizen, Mais und Gerste fast wieder das Niveau von vor dem Ukrainekrieg erreicht. Wie so oft, dürften das wohl Übertreibungen sein, bevor der Markt erkennt, wie klein die Ernte wirklich ist.

Die Weizen-Preise stürzten am Freitag auf ein Niveau, das nicht mehr gesehen wurde, seit die russische Invasion in der Ukraine begann und die Getreidepreise in eine neue Dimension gestiegen waren. Der Markt hatte damals gewissermaßen den Verlust der alten und neuen ukrainischen Ernte und deren Export von den blockierten Schwarzmeerhäfen eingepreist.

Jetzt zeichnen sich mit internationaler Hilfe offenbar verschiedene Exportmöglichkeiten für ukrainisches Getreide ab und auch Russland ist scheinbar bereit, ukrainisches Getreide auf die Märkte lassen. Russland sagte erneut, das man bereit sei, mit den Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten, um die Risiken einer globalen Ernährungskrise zu bekämpfen und auch seinen Verpflichtungen zum Export von Lebensmitteln und Düngemitteln nachzukommen. Die Zusagen seien in einem Gespräch zwischen dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und dem UN-Generalsekretär Antonio Guterres erfolgt, teilte Lawrows Ministerium in einer Erklärung mit.

Die Weizenpreise für die neue Ernte fielen allein am vorigen Freitag (01.07) um knapp 16 Euro auf 334,50 Euro je Tonne. Seit dem Preishöhepunkt Mitte Mai sind die europäischen Weizenpreise damit um 105 Euro je Tonne bzw. 25 % abgestürzt – auf ein Niveau das es zuletzt Ende März/Anfang April gab.

Damit sind nach Einschätzung von Analysten fast sämtliche Risiko-Prämien, die sich aus dem Ukrainekrieg ergeben haben, aus den Preisen „eliminiert“. Auch die Maispreise fielen am Terminmarkt am Freitag um weitere 10 Euro auf nur noch 288,25 Euro je Tonne. Das ist der niedrigeste Maispreis seit Ende Februar – als der Krieg in der Ukraine begann.  

Europa will ukrainisches Getreide weiterverkaufen

Die Europäische Union könnte mehrere Millionen Tonnen ukrainisches Getreide kaufen und es als Nahrungsmittelhilfe an gefährdete Länder weiterleiten, sagte der Leiter der französischen Industriegruppe Intercereales. Diplomaten versuchen seit Monaten, einen Seekorridor an den Häfen der Ukraine am Schwarzen Meer auszuhandeln, während sie sich gleichzeitig mit der Entwicklung alternativer Exportrouten befasst haben, bevor die neue ukrainische Ernte eintrifft.

In Frankreich hat die Regierung Gespräche mit Industrievertretern, darunter dem Handesunternehmen Intercereales, geführt, um Lösungen vorzuschlagen, berichtete in der vorigen Woche die Nachrichtenagentur Reuters. Die EU könnte möglicherweise 2 bis 3 Millionen Tonnen Getreide zur vorübergehenden Lagerung in den Mitgliedstaaten kaufen, die an die Ukraine grenzen, sagte Jean-Francois Loiseau, Präsident von Intercereales. Eine solche Menge würde die Lagerbestände der Ukraine von fast 20 Millionen Tonnen verringern, wäre aber nicht so groß, dass sie die internationalen Märkte destabilisieren würde, sagte er.

„Dies würde es der Europäischen Kommission ermöglichen, ukrainische Landwirte zu bezahlen, und so hätten ukrainische Landwirte Geld, um ihr Saatgut, Düngemittel und Treibstoff zu kaufen, und dies würde vielen Ländern, die sich in einer katastrophalen Situation befinden, ermöglichen, Lebensmittelspenden von der Europäischen Union zu erhalten Union im großen Stil", sagte Loiseau gegenüber Reuters.

Die Getreideexporte der Ukraine waren im Juni im Jahresvergleich um 43 % kleiner als im Vorjahr und lagen bei 1,41 Millionen Tonnen, teilte das ukrainische Landwirtschaftsministerium am Freitag mit.

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Russland senkt Exportsteuer drastisch – hohe Ernteprognosen

Russland hat aktuell seine Getreideexportsteuern stark gesenkt, nachdem es die Formel geändert hatte, um Lieferungen in der Vermarktungssaison von Juli bis Juni 2022/23 anzukurbeln, teilte das Landwirtschaftsministerium am Freitag mit. Es wird erwartet, dass die russischen Landwirte in diesem Sommer eine rekordhohe Weizenernte einbringen werden, was für die Saison 2022/23 für einen gewaltigen Exportüberschuss in Rekordhöhe sorgen würde.

Der Versand wurde zuletzt jedoch durch die hohen Exportsteuern, einen überraschend starken Rubel und durch die wegen der Sanktionen stark erhöhte Fracht- und Versicherungskosten erschwert. Russland könnte in der Marketingkampagne 2022/23 eine Rekordmenge von 41 Millionen Tonnen Weizen für den Export zur Verfügung haben: Das wären 25 % mehr als in der zurückliegenden Saison, ergab eine Umfrage von Reuters in der vorigen Woche unter Analysten und Händlern.

Danach wird erwartet, dass die russische Weizenernte 2022 um 14 % auf 86,9 Millionen Tonnen steigen wird (Vorjahr 81 Millionen Tonnen). Analysten sagen jedoch auch, dass die Exporte einer Reihe von Schwierigkeiten ausgesetzt sein würden. Wenn die erwartete Größenordnung erreicht würde, bleibt Russland der weltweit größte Weizenexporteur.

In der zurückliegenden Saison 2020/21 schätzt das USDA die russische Ausfuhrmenge auf 33 Millionen Tonnen Weizen. Die tatsächlichen Ausfuhren sind aber noch nicht bekannt. Der russische Zoll hatte im April die Veröffentlichung von Import- und Exportdaten ausgesetzt, um "Spekulationen" zu vermeiden. "Wir wissen es noch nicht, niemand weiß es jetzt", sagte Dmitry Rylko von der Landwirtschaftsberatung IKAR.

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