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Frerich Wilken, LWK Niedersachsen | am

Grünland-Düngung unter zusätzlichen Auflagen

Die Düngegesetzgebung unterlag bisher einigen Änderungen. Aktuell befindet sich die Landesdüngeverordnung erneut in der Anpassung. Rechtliche Vorgaben passen dabei nicht immer zu pflanzenbaulichen Aspekten.

Die 2017 bundeseinheitlich eingeführte Düngebedarfsermittlung ist für Grünland unverändert geblieben. Sie muss vor der ersten Gabe erstellt und dann eingehalten werden. Entscheidend für den Stickstoff-Düngebedarf sind neben der Berücksichtigung des Ertragsniveaus und des Rohproteingehaltes vor allem entsprechende Abschläge für die Nachlieferung aus dem Boden, der Organik des Vorjahres und der Stickstofffixierungsleistung der Leguminosen.

Neue Vorgaben aus 2020

Neu hinzugekommen sind im Jahr 2020 die Vorgaben für die nitratsensiblen (rot) und phosphatsensiblen (grau) Gebiete. Diese hat Niedersachsen im November 2019 ausgewiesen. Aktuell werden auf Grundlage der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift des Bundes vom September 2020 die Gebiete neu ausgewiesen. Im derzeitigen Entwurf zu den Roten Gebieten ist der Grünlandanteil deutlich geringer als bisher. Somit sind kaum noch Grünlandflächen von der Reduzierung des Düngebedarfes um 20 % betroffen.

Grünlandtechnik

Bei der Ausbringtechnik hat sich mittlerweile auf vielen Betrieben der Einsatz des Schleppschuhs bewährt. Hierdurch können die gasförmigen Verluste erheblich reduziert werden. Trotzdem sollte die Ausbringung möglichst bei bedecktem Wetter oder besser noch vor oder zu Niederschlägen erfolgen. Als Faustregel kann gelten: Je besser die Wäsche an der Leine trocknet, desto mehr Ammoniak kann die Luft aus der frisch ausgebrachten Gülle aufnehmen. Dies kann also auch bei Kälte mit Sonnenschein und Wind der Fall sein.

Schwierig ist die Ausbringung mittels Schleppschuh im Sommer bei fehlenden Niederschlägen. Die bekannten „Güllewürste“ können bei der nachfolgenden Schnittnutzung im Futter für Verunreinigungen sorgen. Die einzig wirkungsvolle Möglichkeit ist hier der Einsatz sehr dünner (separierter) Gülle, die sehr viel schneller in den Boden infiltriert.

Grunddüngung

Ertragreiche Grünlandbestände entziehen dem Boden 250 bis über 300 kg Kali je ha. Hier kann insbesondere auf leichten Sandstandorten eine mineralische Ergänzung zu den oft überschätzten Kaligaben aus der Gülle sinnvoll sein. Hierzu ist die Kenntnis des Kaligehaltes der eigenen Gülle Voraussetzung. Auch daher sollte eine regelmäßige Analyse der wirtschaftseigenen Dünger zum Standard gehören.

Die Vorgaben zur Probennahme sollten dabei unbedingt beachtet werden. Bei heutigen Milchkuhgüllen ist von einem Kaligehalt von gut 4 kg je m³ Rindergülle auszugehen. Bei Stickstoffgehalten von knapp 4 kg N je m³ befindet sich somit kaum mehr Kali als Stickstoff in der Gülle. Werden je ha 170 kg N ausgebracht, ist damit lediglich eine Kaligabe von circa 200 kg/ha verbunden. Sollte der mineralische Ergänzungsbedarf beim Kali 150 kg/ha überschreiten, empfiehlt sich eine Aufteilung auf zwei Gaben.

Magnesium, Schwefel, Kalk

  • Die Magnesiumversorgung ist besonders bei jungem, eiweißreichem Weidegras von Bedeutung, um der Tetaniegefahr bei Weidehaltung vorzubeugen. Da Magnesium in einigen Mineraldüngern (zum Beispiel KAS) sowieso enthalten ist, werden häufiger sehr hohe Versorgungsstufen (D bis E) in den Bodenanalysen der Grünlandschläge beobachtet.
  • Eine Schwefeldüngung ist im Grünland zurzeit nur dort gezielt zu empfehlen, wo ein hohes Intensitätsniveau (> 240 kg N/ha) zur Erreichung von überdurchschnittlichen TM-Erträgen (> 110 dt TM/ha) angestrebt ist. Besonders auf leichten und humusarmen Böden kann sich unter diesen Bedingungen eine Schwefelzufuhr in Höhe von 20 bis 30 kg S/ha lohnen. Spurennährstoffe sind auf Grünland selten im Mangel, sodass entsprechende Düngungsmaßnahmen nicht erforderlich sind. Die Versorgung der Tiere wird in der Regel durch Mineralfutter (Leckschalen) sichergestellt.
  • Kalkgaben dienen insbesondere der Verbesserung des Futterwertes. Dies geschieht einerseits direkt über eine Erhöhung des Calciumgehaltes im Futter, andererseits indirekt über eine verbesserte Bestandszusammensetzung. Positive Effekte einer guten Bodenstruktur und Grundnährstoffversorgung sind zum Beispiel für Leguminosen vorteilhaft, wodurch einem Stickstoffmangel teilweise entgegengewirkt werden kann.
  • Mittlere und schwere Lehmböden sollten regelmäßig, auch im Hinblick auf eine günstige Bodenstruktur, gekalkt werden. Die erforderliche Kalkmenge weist der Bodenuntersuchungsbefund beziehungsweise die korrespondierende Düngeempfehlung aus.

Fazit

  • Auf Grünland in ausgewiesenen Roten Gebieten ist es künftig schwieriger, hohe Erträge und gleichzeitig hohe Futterqualitäten zu erzielen.
  • Auch wenn alle Düngeempfehlungen umgesetzt werden, fehlen 20 % des Bedarfs.
  • Das lässt sich auf Grünland nicht kompensieren und ist künftig mit Mindererträgen verbunden.

Den ausführlichen Fachartikel mit Berücksichtigung von Moorstandorten lesen Sie in der digitalen Ausgabe der LAND & FORST.

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