Feldmausplage: Geschädigtes Grünland
Edith Kahnt-Ralle | am

Grünland: Strategien bei Düngeverordnung und Mäusen

Viele Grünlandwirte haben allen Grund, sorgevoll in die Zukunft zu blicken. Die Grünlandtage in Harsefeld und Aurich standen ganz unter dem Eindruck von Mäuseplage, Futtermangel und Düngeverordnung. Aber es gibt Lösungsansätze.

In vielen Futterbaubetrieben wird der erste Grünlandschnitt in diesem Jahr entweder ganz fehlen oder nicht ausreichen, um die Futterbasis der Betriebe nach den beiden Trockenjahren 2018 und 2019 zu entspannen. Davon gehen Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), und die Futterbau- und Grünlandberater der LWK aus. Durch die starken Mäuseschäden, die regional und punktuell zum Totalausfall auf Grünland führen, stehen die Betriebsleiter vor drängenden Fragen:

  • Bekomme ich meine Tiere noch satt?
  • Wo kann ich Futter zukaufen?
  • Was kostet der Futterzukauf?
  • Muss ich meinen Tierbestand abstocken?

Die Landwirte können eine Düngeverordnung verkraften, wenn sie fachgerecht ist. Aus Niedersachsen kommt nun der Vorschlag, einen emissionsbasierten Ansatz zu wählen. Durch die Meldepflicht über das Programm ENNI (Elektronische Nährstoffmeldung Niedersachsen) hat Niedersachsen als einziges Bundesland ein Instrument geschaffen, mit dem der Düngebedarf pro Betrieb niedersachsenweit erfasst wird.

Betriebe gezielt filtern

Durch den Abgleich mit den gemeldeten Tierdaten und dem Wirtschaftsdüngeranfall bzw. der meldepflichtigen Verbringung von Wirtschaftsdünger, lassen sich zukünftig Betriebe gezielter herausfiltern, die ihr Nährstoffmanagement noch nachbessern müssen. Betriebe, bei denen alles in Ordnung ist, könnten dann von Verschärfungen der Düngeverordnung ausgenommen werden.

Dieser Ansatz wird auch von den Ministern Barbara Otte-Kinast und Olaf Lies unterstützt. Doch, ob die anderen Bundesländer, geschweige denn Brüssel, von diesem Ansatz überzeugt werden können, ist fraglich.

Stimmen aus der Landwirtschaft: "Erträge genau erfassen"

Carsten Wist, Milchviehhalter aus Niedersachsen

Carsten Wist, Milcherzeuger aus Wischhafen, Landkreis Stade, brachte es als Praktiker auf den Punkt:

„Mit der neuen Düngeverordnung müssen wir stramm am Ball bleiben“. Die Zeiten für Ausreden seien jetzt vorbei. Für den Betriebsleiter, der als Prüfbetrieb der Feldversuchsstation für Futterbau und Rindviehhaltung der LWK Niedersachsen tätig ist, heißt das: Die Grünlanderträge genau messen. Jeder Betrieb sollte sich deshalb mit der Anschaffung einer Waage beschäftigen.

Wer genau weiß, was er erntet, kann auch die Düngung genauer planen. Auch im Trockenjahr 2019 erzielte Wist auf seinem Grünland vergleichbar hohe Erträge wie 2017. Um seine eigenen Fruchtfolgen und die des Nachbarbetriebes erweitern zu können, kauft er von diesem Gras und Mais zu. Bessere Fruchtfolgen wirken sich auf den Ertrag positiv aus.

Als Betreiber einer kleinen Güllebiogasanlage verfügt er über gut zu handelnden Gärrest. Sehr wichtig sei, das knappe Zeitfenster zwischen den Grasschnitten für die Düngung zu nutzen. „Das Güllefass sollte schon fahren, wenn der Häcksler gerade fertig ist“, so Wist. Gülle sollte aber nur bei optimalen Bedingungen gefahren (bedeckt, feucht) werden, sonst besser Mineraldünger einsetzen. Wists Optimierungsansätze: Leguminosenanteil erhöhen, Grundfutterleistung der Kühe steigern, regelmäßig neuansäen und Lagerraum schaffen.

Beschleunigte Genehmigungsverfahren für Grünlandumbruch

Meike-Backes-LWK-Niedersachsen

In den Gebieten mit starken Mäuseschäden soll es beschleunigte Genehmigungsverfahren nach „höherer Gewalt“ für den Grünlandumbruch geben. Laut Meike Backes, Leiterin des Grünland- und Futterbaureferates der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, ist vorgesehen, in einer noch festzulegenden Kulisse „normales Dauergrünland mit Futterknappheit durch Mäuseschäden“ die normalen Genehmigungsverfahren aufgrund „höherer Gewalt“ zu beschleunigen.

In den Gebietskulissen „geschütztes Dauergrünland“ (Vogelschutz, Naturschutz) ist ein zweigliedriges Genehmigungsverfahren vorgesehen, an dem die Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise und die Bewilligungsstelle der LWK beteiligt sind. Die Landwirtschaftskammer wird rechtzeitig informieren.

Mäuseplage: Neusaat und Grünlandumbruch

Gerd Lange, Grünlandreferent der LWK Niedersachsen

Drängender als die Düngeverordnung ist auf vielen Grünlandbetrieben zurzeit die Mäuseplage. Gerd Lange vom Grünland- und Futterbaureferat der LWK sprach über Gegenmaßnahmen.

  • Schwere Narbenschäden von über 30 % erfordern eine Neuansaat.
  • Generell muss ein Grünlandumbruch genehmigt werden.

Abwarten heißt aber nicht, tatenlos zuzusehen. Sobald es geht, sollten befallene Flächen gestriegelt oder geschleppt werden. Die Mäuse müssen in Stress versetzt werden, das erhöht ihre Mortalitätsrate.

Der Grünlandexperte empfiehlt die Grünlanderneuerung in drei Schritten:

  1. Umbruch der zerstörten Altnarbe 15 bis 25 cm tief (je nach Nestertiefe, Spatenprobe); problematisch, wenn Weißtorf hochgepflügt wird (pH-Wert, aufdüngen)
  2. Wenn immer noch Mäuseaktivität festgestellt wird, zweite Störung durch Bodenbearbeitung (Grubber, Fräse) nachschieben, um neue Nester zu zerstören.
  3. Neuansaat mit schnellwachsendem Futter (einj. Weidelgras als Ammengras, Ackergras als Mischungspartner, Hafer als Deckfrucht nur im pDGL ohne Sanktionen möglich) einsäen.

Große Probleme sehen die Grünlandberater aber in diesem Jahr auch durch den sehr hohen Befall mit Tipula-Larven. Eine Bodenbearbeitung wird gegen diesen Schädling nicht helfen. Es ist eine Ausnahmeregelung für das Mittel Steward beantragt worden.

 

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