Grünland

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Dr. Jürgen Fisahn | am

Grünland: Welche Auflagen gelten beim Pflanzenschutz?

Es wird schwieriger, eine Grünlandnarbe unkrautfrei zu halten. Aktuelle Auflagen schränken die Landwirte beim Pflanzenschutz weiter ein. Wo gilt jetzt was? Wir geben einen aktuellen Überblick.

Die Regulierung der Bestandszusammensetzung einer Grünlandnarbe erfolgt hauptsächlich durch eine sachgerechte Bewirtschaftung und regelmäßige Pflege. Narbenlücken müssen durch eine Nachsaat schnell geschlossen werden. Anzustreben sind ebene, trittfeste, dichte Narben ohne Lücken. Der Grünlandbestand sollte zu mindestens 80 bis 90 % aus wertvollen Gräsern, zu 10 bis 15 % aus Kräutern und zu 5 bis 10 % aus Weißklee bestehen. Der Grasbestand wiederum sollte zu etwa 60 % aus Deutschem Weidelgras und zu etwa 20 % aus den Komponenten Wiesenlieschgras, Wiesenrispe bzw. Wiesenschwingel bestehen.

Stellen Sie auf Ihrem intensiv genutzten Grünland eine Zunahme von unerwünschten Pflanzen fest, sollten Sie einer Ausbreitung frühzeitig entgegenwirken. Neben vorbeugenden Maßnahmen sind mechanische und chemische Pflanzenschutzmaßnahmen erforderlich, um den Pflanzenbestand wieder zu sanieren.

Richtig nachsäen

Wählen Sie den für die Etablierung von Gräsern günstigsten Nachsaatzeitpunkt abhängig von der Altnarbenkonkurrenz und Wasserverfügbarkeit des Standortes.

Bei einer Frühjahrsnachsaat fallen die Grassamen nach Einsatz eines Striegels auf offenen Boden, was bei gegebener Bodenfeuchte zu hohen Auflaufraten führt. Andererseits ist im Frühjahr die Konkurrenz der Altnarbe stark ausgeprägt, wodurch die Entwicklung der jungen Gräser gebremst werden kann.

Die Monatswende Juli/August liefert als alternativer Aussaatzeitpunkt oftmals ein zweites Niederschlagsmaximum, während gleichzeitig die Altnarbenkonkurrenz schwächer ausgeprägt ist.

Bei starker Verunkrautung

Liegt eine starke Verunkrautung vor, kann es sinnvoll sein, die Nachsaat vor dem Herbizideinsatz im zeitigen Frühjahr, wenn die Unkräuter den Boden noch nicht abschirmen, durchzuführen. Die in den Unkrautnahen Bereichen etablierten Gräser können dann später, nach erfolgter Herbizidmaßnahme, die entstehenden Lücken schnell schließen.

Setzen Sie das Herbizid aus Verträglichkeitsgründen dann jedoch nicht vor dem Vier-Blattstadium der jungen Gräser ein. Kleenachsaaten sollten ausschließlich nach einer Herbizidmaßnahme erfolgen. Um eine Schädigung auszuschließen, sollten nach Einsatz von Simplex 16 Wochen und nach dem Einsatz anderer Grünlandherbizide vier bis sechs Wochen abgewartet werden.

Neue Vorgaben

Zum 1.1.2021 sind Änderungen u.a. im Niedersächsischen Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz (NAGBNatSchG) in Kraft getreten.

Gemäß § 25a NAGBNatSchG gilt auf Dauergrünland in Naturschutzgebieten und Landschaftsschutzgebieten, soweit sie Natura-2000-Gebiete sind (= FFH- und Vogelschutzgebiete), ein Verbot der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln.

Ausnahmen von dem Verbot sind möglich, bei Verwendung von Mitteln, die im ökologischen Landbau zugelassen sind, sowie auf Flächen, auf denen die „Bekämpfungsschwellen nach § 25a NAGBNatSchG“ (Tab. 1) überschritten sind. Dabei ist zu beachten, dass der Schutzzweck des Gebietes dem Einsatz nicht entgegenstehen darf, die Ausbringung der Pflanzenschutzmittel maßvoll erfolgen muss und eine zumutbare praxistaugliche Alternative nicht besteht. 

Wird nach überschrittener Bekämpfungsschwelle der Einsatz von Herbiziden in einem Naturschutzgebiet erwogen, muss das bei der Unteren Naturschutzbehörde des zuständigen Landkreises mindestens zehn Arbeitstage (Einspruchsfrist der Behörde) vor der Durchführung formlos angezeigt werden. Anwendungen in Naturschutzgebieten und Landschaftsschutzgebieten, sofern sie Natura2000-Gebiete sind, sind nachvollziehbar zu dokumentieren und auf Verlangen dem Prüfdienst der LWK Niedersachsen vorzuzeigen.

Was gilt für den Glyphosateinsatz?

Mit dem Inkrafttreten der Änderungen der Pflanzenschutzanwendungsverordnung (PflSchAnwV) zum 8.9.2021 sind übergangslos auch Einschränkungen beim Glyphosateinsatz wirksam geworden. Ein grundsätzliches Anwendungsverbot für Glyphosat besteht für:

  • Anwendungen in Wasserschutzgebieten,
  • Heilquellenschutzgebieten und Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten
  • sowie für Anwendungen in Naturschutzgebieten, Nationalparks, nationalen Naturmonumenten, Naturdenkmälern und gesetzlich geschützten Biotopen (§ 3b PflSchAnwV).

Ausnahmegenehmigungen werden nicht erteilt.

Erlaubte Teilflächenanwendungen von Glyphosat

Teilflächenanwendungen außerhalb dieser Gebiete sind erlaubt, wenn aufgrund von starker Verunkrautung eine wirtschaftliche Nutzung des Dauergrünlandes nicht mehr möglich ist. Der in der Schutzgebietsverordnung formulierte Schutzzweck des Gebietes darf dem Glyphosatzeinsatz dabei nicht entgegenstehen. Das Vorhandensein einer „starken Verunkrautung“ ist vom Bewirtschafter zu ermitteln und mit den bestehenden Bekämpfungsschwellen abzugleichen. Nur wenn die Bekämpfungsschwellen überschritten werden, ist die Glyphosatanwendung erlaubt.

Teilflächenanwendungen sind ferner erlaubt, wenn die Futternutzung wegen eines Risikos für die Tiergesundheit (z.B. flächendeckender Besatz mit Jakobskreuzkraut) nicht mehr möglich ist.

In Landschaftsschutzgebieten, die gleichzeitig Natura 2000-Gebiete (= FFH- und Vogelschutzgebiete) sind, gelten die Bekämpfungsschwellen nach § 25a NAGBNatSchG. Für Dauergrünland außerhalb dieser Gebiete gelten hingegen weiterhin die allgemeinen Bekämpfungsschwellen.

Ganzflächenanwendungen von Glyphosat sind erlaubt auf Flächen, die einer CC-Erosionsgefährdungsklasse zugeordnet sind (CCWind, CCWasser1 oder CCWasser2 gemäß Agrarzahlungen-Verpflichtungsverordnung) und auf Flächen, auf denen eine wendende Bodenbearbeitung auf Grund anderer Vorschriften nicht erlaubt ist.

Einzelpflanzen- und Horstbehandlung

Die Einzelpflanzen- oder Horstbehandlung ist eine preiswerte Möglichkeit, eine oft schnelle Ausbreitung von Ampfer, Distel und Brennessel zu verhindern. Geeignete Geräte hierfür sind die Rückenspritze sowie der Streichstab.

Zur Vermeidung von Doppelbehandlungen kann der Spritz- bzw. Streichlösung eine Markierfarbe zugefügt werden. Bei bereits größerer Verbreitung einzelner Unkrautarten, wie Löwenzahn, Hahnenfuß und Vogelmiere, ist eine Flächenbehandlung unter Berücksichtigung der Bekämpfungsschwellenwerte meist unumgänglich. Sie erfolgt mit selektiv wirkenden Herbiziden.

Bei allen selektiven Herbizidmaßnahmen ist nach Herausnahme der Unkräuter die Gefahr einer Neubesiedlung durch Unkräuter gegeben. Die entstandenen Lücken müssen umgehend durch Nachsaat geschlossen werden, sonst leidet die Narbenqualität. Grundsätzlich sind beim Einsatz der Grünlandherbizide die optimalen Einsatztermine (Unkrautgröße, Witterung, zulassungsbedingter Einsatzzeitraum), die Abstände zu Gewässern (NW-) und Saumbiotopen (NT-Auflagen) sowie die festgelegten Wartezeiten zu beachten.

Altnarben

Gegen eine breite Mischverunkrautung kann Simplex (2 l/ha) oder die Kombination Ranger (2 l/ha) + U 46 M (1,5 l/ha) eingesetzt werden (Wartezeit der Kombination: 14 Tage).

Neuansaaten

Gegen Sämlingsampfer können 1,3 l/ha Ranger oder 1,5 l/ha Simplex eingesetzt werden, Vogelmiere, Löwenzahn und Nachtschatten werden dabei mitbekämpft. Bei Mischverunkrautung mit Gänsefuß, Melde und Knötericharten eignet sich die Kombination aus Ranger (1,5 l/ha) + U 46 M (1 l/ha). Simplex (1,5 l/ha) hat darüber hinaus auch noch eine zusätzliche Wirkung auf Kamillearten. Keines der genannten Präparate hat eine kleeschonende Wirkung.
Harmony SX/Lupus SX Mais sollten in Nach- und Neuansaaten nicht eingesetzt werden, da es unter ungünstigen Bedingungen zu Wuchshemmungen kommen kann. Auch Kinvara darf in Neuansaaten nicht eingesetzt werden.

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