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Dr. Dagmar Matuschek | am

Herbstdüngung – alles gut planen

Mit der Getreideernte beginnen die Überlegungen für die Folgenutzung der Flächen in der nächsten Saison. Gleichzeitig kommt die Frage nach einer möglichen Herbstdüngung ins Spiel. Auf was ist zu achten?

Nach der Ernte ist vor der Ernte. Das gilt auch für die Düngung im Herbst, denn von der nachfolgenden Kultur ist eine mögliche Düngung im Herbst abhängig. Diese Maßnahme sollte gut vorgeplant sein, denn mit der Novelle der Düngeverordnung sind einige wesentliche Neuerungen zu beachten.

Mit den neuen rechtlichen Vorgaben der am 1. Mai 2020 in Kraft getretenen Düngeverordnung sind die Möglichkeiten für die Düngung im Herbst noch einmal konkretisiert und geändert worden. Grundsätzlich sind aber die Vorgaben der DüV aus 2017 bestehen geblieben.

Ein kurzer Überblick

  • Nach wie vor bezieht sich die Düngung nach der Ernte nicht nur auf organische Dünger, wie Gülle, Gärreste oder Geflügelmiste, sondern auf alle stickstoffhaltigen Düngemittel, also auch mineralische N-Dünger. Ausgenommen sind davon Festmiste von Huf- und Klauentieren sowie Komposte. Diese dienen aufgrund der geringen N-Verfügbarkeiten der Ernährung der Hauptfrucht in der folgenden Vegetationsperiode. Die Gefahr von Stickstoffverlagerungen ist zu diesem Zeitpunkt gering.
  • Die Stickstoffdüngung im Herbst ist am N-Bedarf der Kultur sowie den bekannten Höchstmengen (max. 60 Gesamt-N/30 NH4-N) auszurichten. Vor der Düngung muss der Düngebedarf ermittelt und dokumentiert werden. Nach welcher Vorgehensweise der N-Bedarf der jeweiligen Kultur ermittelt und die maximal zu düngende N-Menge berechnet wird, ist durch die Düngebehörde bereits in der Ausgabe 28 der LAND & FORST (S. 21 bis 23) erläutert worden. Folgerichtig wirkt sich die Bedarfsermittlung im Herbst und die daraus resultierende Anrechnung der Düngung nach den neuen Vorgaben nicht nur auf die Düngung der unmittelbar folgenden Hauptvegetation aus, sondern reicht je nach Zeitpunkt, Düngerform (fest, flüssig) und Kultur möglicherweise noch in das weitere Folgejahr hinein.

Zukünftige Regelungen

Über den § 4 (1) 5. der DüV ist die organische Düngung zu den Vorkulturen des Vorjahres mit einem Abschlag von 10 % bei der Düngebedarfsermittlung im Frühjahr zu berücksichtigen. Diese Regelung galt bereits mit der DüV von 2017.

Mit der neuen Regelung in § 4(1) 7. muss zukünftig auch der verfügbare N-Anteil aus der Herbstdüngung zu Winterraps und Wintergerste bei der Düngebedarfsermittlung im Frühjahr zu diesen beiden Kulturen berücksichtigt werden. Inwieweit und zu welchem Zeitpunkt die Anrechnung der 10 % N-Nachlieferung nach §4 (1) 5. dann zu Raps und Gerste zusätzlich berücksichtigt werden muss, konnte bis Redaktionsschluss nicht endgültig geklärt werden. Dieses wird dann zur Düngebedarfsermittlung im Frühjahr 2021 relevant.

In Ackerbauregionen stehen Zuckerrüben, Winterraps und Wintergetreide in der Fruchtfolgewahl an vorderster Stelle. Zunehmend wird auch Silo- bzw. Körnermais eingebunden, um den Blattfruchtanteil zu erhöhen und den Druck enger Fruchtfolgen zu entschärfen. Winterraps und Wintergerste sind die beiden Kulturen, zu denen nach der geltenden Düngeverordnung eine Düngung im Herbst noch möglich ist.

Neu ist seit der Novelle vom 1. Mai 2020, dass der im Herbst ausgebrachte N-Dünger bei der Düngebedarfsermittlung im Frühjahr mit dem verfügbaren N-Anteil (meist die Summe aus Nitrat- und Ammoniumstickstoff) anzurechnen ist.

Limitierende Grenze

In einer Fruchtfolge mit Raps und Weizen können im Herbst bis zu 60 kg Gesamt-N oder 30 kg NH4-N zu Raps ausgebracht werden. Je nach Düngerform muss zunächst die maximal auszubringende Düngermenge berechnet werden. Hinweise und Beispiele dazu sind im Internet unter www. lwk-niedersachsen.de zu finden.

Je nach Düngerform ist in der Regel der Gesamt-N- oder der NH4-Gehalt die limitierende Grenze für die maximale Düngermenge. Die zuerst erreichte bzw. berechnete Grenze legt die maximal zulässige Düngermenge für die im Herbst auszubringende N-Menge fest.

Die entsprechenden N-Gehalte der organischen Dünger ergeben sich bei der Aufnahme organischer Dünger aus der Deklaration, bei Verwendung von im Betrieb anfallenden organischen Düngern können auch Richtwerte der LWK Niedersachsen herangezogen werden. In Roten Gebieten ist nach der Landesdüngeverordnung eine Wirtschaftsdüngeranalyse verpflichtend. Die N-Gehalte bei mineralischen Düngern sind zu 100 % anzusetzen.

Vorgehen Frühjahr

Wie ist nun in der Düngebedarfsermittlung (DBE) im folgenden Frühjahr vorzugehen? Im Frühjahr muss der verfügbare N-Anteil (NH4-N) aus der Herbstdüngung in der DBE angerechnet werden.

Des Weiteren ist nach §4 (1) 5 auch die N-Nachlieferung aus der organischen Düngung zu den Vorkulturen des Vorjahres mit 10 % in Abzug zu bringen.

Damit der Raps mit dieser Stickstoff-Menge einen guten Pflanzenbestand mit einer entsprechenden Ertragserwartung bilden kann, ist eine gute Vorwinterentwicklung notwendig. Pflanzenbauliche Faktoren, wie eine gute und frühe Saatbettbereitung mit einer intensiven Bodenlockerung in Kombination mit einem standortangepassten Saattermin und der Auswahl gesunder, winterharter Sorten gewinnen in dieser Hinsicht zunehmend an Bedeutung. Es gilt also abzuwägen und zu prüfen, ob die Düngung im Herbst notwendig ist oder besser ins Frühjahr verlagert werden kann, um dann eine höhere Stickstoffausnutzung zu ermöglichen.

In den Roten Gebieten ist ab dem 1. Januar 2021 zusätzlich ein Abschlag von 20 % der berechneten N-Düngung zu Raps vorzunehmen. Eine N-Düngung ab Herbst 2021 darf nur erfolgen, sofern mittels einer Nmin-Probe vor der Aussaat nachgewiesen wird, dass ein Düngebedarf besteht. Beträgt die Menge an verfügbarem Bodenstickstoff zu diesem Zeitpunkt weniger als 45 kg N/ha, so kann eine N-Düngung erfolgen. Auch hier sollte überlegt werden, ob selbst bei einem bestehenden Düngebedarf im Herbst die N-Gabe erst im Frühjahr ausgebracht werden sollte.

Fazit:

  • Die Herbstdüngung steht nach der neuen Düngeverordnung weiterhin stark im Fokus.
  • Grundsätzlich muss zunächst ermittelt werden, ob ein Düngebedarf vorliegt.
  • Für die Kulturen Raps und Gerste muss der im Herbst ausgebrachte Stickstoff bei der Bedarfsermittlung im Frühjahr angerechnet werden.
  • Diese Regelung gilt sowohl für organische als auch mineralische Stickstoffdünger.
  • Die Notwendigkeit einer Herbstdüngung in Wintergerste und Winterraps sollte unbedingt geprüft und eine mögliche Verlagerung ins Frühjahr überlegt werden
  • Eine gute Fruchtfolgeplanung ist wichtig, um mit den über die Düngeverordnung geregelten Anrechenbarkeiten und Abschlägen den Überblick über die ausgebrachten Stickstoffmengen zu behalten.

Den vollständigen Artikel mit Berechnungsbeispielen lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der LAND & FORST und in unserer digitalen Ausgabe. 

 

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