Rukwied

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Janina Schuster | am

Hohe Getreidepreise kommen kaum bei Landwirten an

Der Ukraine-Krieg schüttelt die Wirtschaft durch. Nachdem die Preise für Düngemittel rasant anzogen, hat sich auch der Getreidepreis massiv erhöht. Doch bei den Landwirten kommt das nicht an.

„Der Weizenpreis auf dem Weltmarkt steigt aktuell immer weiter. Im vergangenen Jahr lag der Preis bei 180 bis 200 Euro pro Tonne Weizen, derzeit sind es rund 400 Euro“, sagt Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Was erst einmal so klingt, als bekämen die Landwirte nun angemessene Preise für ihre Erzeugnisse, schlägt bei näherer Betrachtung in Ernüchterung um, denn bei den Bauern kommt kaum etwas an. Die meisten Landwirte haben ihr Getreide bereits zu damals noch niedrigeren Preisen verkauft, sodass nur jene ein Geschäft machen könnten, die Restbestände im Lager haben. Doch auch dann winkt nicht das große Geld. „Teurer geworden ist vor allem die Energie für die Produktion. Stickstoffdünger kostet etwa das Vierfache im Vergleich zum Vorjahr. Und auch die Lohnkosten sind gestiegen“, so der Präsident weiter.

Energiekosten als Preistreiber

Der Schleswig-Holsteinische Bauernverband warnte vor nicht allzu langer Zeit davor, dass Brot bald 10 Euro kosten könnte. Bislang bestätigte sich diese Prognose nicht – zum Glück. Der Getreidepreis mache nur einen Bruchteil des Brotpreises aus, so Rukwied. Doch drastische Preissteigerungen dürften dennoch auf die Verbraucherinnen und Verbraucher zukommen. Dafür sorgen die genannten Energiepreise in der Produktion. Diese zusätzlichen Kosten müssen die Landwirte an den Endkunden weitergeben. Im Zuge der Inflation tätigten viele Menschen auch wieder Hamsterkäufe. Was zu Beginn der Pandemie mit Toilettenpapier geschah, ist nun auf Speiseöle und Mehl übergegangen. Der DBV rät von dieser Überreaktion jedoch ab. Rukwied: „Das ist in Deutschland nicht nötig, die Versorgung mit Lebensmitteln ist bis ins erste Quartal 2023 sichergestellt. Bei einzelnen Produkten könnte es kurzzeitig zu Engpässen kommen. Aber Hamsterkäufe machen keinen Sinn, im Gegenteil, wir raten davon ab.“

Roggenbrot

Lebensmittelversorgung in Deutschland sicher

Dabei ist die Lage in Deutschland noch vergleichsweise unverändert und sicher. Ganz anders sieht es in Ländern aus, die kaum oder keine eigene Getreideproduktion vorweisen können. In Afrika oder dem arabischen Raum bestehen bereits Versorgungslücken. Um diese zu schließen, bräuchte es alle Regionen der Welt, die Überschüsse produzieren könnten. Deutschland könnte seinen Teil dazu beitragen, doch brauche es dafür mineralischen Dünger. Die Herstellung basiert jedoch zu 80 Prozent auf Gas. In der Branche existiert die Angst vor einem Gasembargo. Ohne Gas können die meisten Betriebe nicht mehr wirtschaften. „Ohne Gas gäbe es also keine Milch, keinen Käse, keinen Quark“, so der Präsident. Der Bauernverband sieht daher die Notwendigkeit für einen besonderen Schutz der Lebensmittelbranche für den Fall ausfallender Gas-Lieferungen. „Die Ernährungswirtschaft und der Düngemittelsektor muss im Notfallplan Gas oberste Priorität bekommen“, so Rukwied.

Mit Material von t-online/dpa
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