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Werner Raupert | am

Kartoffelanbau: Schwere Zeiten für die tolle Knolle

Niedersachsen ist Kartoffelland Nr. 1 in Deutschland. Die Branche steht aber vor großen Herausforderungen.

Erkenntnisse, die wachrütteln, brachte die größte Kartoffel-Freilandausstellung Potato Europe, die 2018 im niedersächsischen Bockerode stattfand. Positiv ist, dass die Innovationskraft der Industrie, insbesondere die der Maschinenhersteller, ungebrochen ist.

Bis zur Praxisreife ist es aber oft ein langer Weg. Auch vom Markt gibt es positive Signale. Die Kartoffel-Preise haben mit rund 22 bis 24 €/dt ein Niveau erreicht, was über die teilweise sehr enttäuschenden Erträge etwas hinweghilft.

Freude kommt bei den Landwirten dennoch nicht auf, denn jede Dezitonne musste bei den Rekordtemperaturen teuer erkauft werden. Bis zu zehn Beregnungsgaben waren nötig, um die Ernte zu retten.

Klimawandel: 2018 kein Ausnahmejahr

Bedenklich ist, dass dies in Zeiten des Klimawandels kein Ausnahmejahr bleiben dürfte. Dazu kommt, dass sich die Situation der Kartoffelbauern durch das Wegbrechen wichtiger Pflanzenschutzmittel verschlechtern wird.

Im Fokus steht zurzeit die Wiederzulassung des etablierten Sikkativs Reglone. Sollte Reglone wie befürchtet ab 2020 die Zulassung verlieren, ergeben sich völlig neue Herausforderungen. Mittelfristig droht dann noch das Verbot wichtiger Fungizide.

Alternativen zur Krautminderung nicht so effektiv

Alle Alternativen zur Krautminderung haben eins gemeinsam: Sie sind

  • viel teurer
  • arbeitsaufwendiger und
  • bei weitem nicht so effektiv wie der Standard Reglone.

In Jahren wie 2018 wäre das für freie Ware angesichts der attraktiven Preise verkraftbar. Mit vertraglich abgesicherter Ware, die in solchen Jahren preislich immer abfällt, spitzt sich die Lage schon deutlich zu. In Hochertragsjahren mit Tiefstpreisen wird die Produktion auch bei Topbetrieben in die roten Zahlen rutschen.

Gute Qualitäten honorieren

Diese Zeichen muss die Branche erkennen. In der Verantwortung stehen insbesondere die Verbraucher und der Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Wenn der LEH weiter auf heimische Ware setzen will, darf er die Kartoffel nicht länger als Lockmittel einsetzen und an der Theke mit Niedrigstpreisen verramschen.

Auch der Rohstoff muss wieder höher wertgeschätzt werden. Gute Qualitäten müssen honoriert und entsprechend bezahlt werden.

Verbraucher kann heimische Bauern unterstützen

Doch was ist Qualität? Kleine optische Mängel, die den Geschmack nicht beeinflussen, sind sicher kein Grund, Ware abzulehnen. So beispielsweise Oberflächenschorf auf der Schale. Diese Botschaft muss auch an die Verbraucher herangetragen werden. Sie können mit ihrer Kaufentscheidung die heimischen Bauern unterstützen.

Mehr zur PotatoEurope lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 38/18.

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