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Dr. Björn Panteleit, Geologischer Dienst für Bremen | am

Klimawandel forciert den Brunnenbau

Auch wenn es in den Wintermonaten regional ergiebige Niederschläge gegeben hat, sind die Defizite der trockenen Vorjahre noch nicht ausgeglichen. Das führt zu einem erhöhten Beregnungsbedarf.

Auffällig ist auch, dass auch die tiefen Grundwasserstände aus den Trockenjahren ihre langjährigen Mittelwerte vielerorts noch nicht wieder erreicht haben. Grundsätzlich wird in den Prognosen des Klimawandels für Norddeutschland nur eine geringe Veränderung der Niederschlagsmengen erwartet. Jedoch ergeben sich deutliche Verschiebungen vom Sommer- zum Winterhalbjahr, wodurch in der Vegetationsperiode weniger Niederschläge zur Verfügung stehen. Zugleich führen die höheren Temperaturen zu einer überproportionalen Steigerung der Verdunstung, so dass es insgesamt zu einer reduzierten Grundwasserneubildung kommt.

Speicherbecken bauen

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Eine mögliche Lösungskomponente könnte die Speicherung von Niederschlagswasser bieten, um den Überschuss aus den Phasen starker Niederschläge in den Trockenphasen nutzen zu können. Künstliche Speicher an der Oberfläche werden im Flachland häufig schwer zu realisieren sein, aber auch direkt im Grundwasserleiter kann Wasser infiltriert und gespeichert werden. Dies ist über Drainagen mit wenig Gefälle möglich oder direkt über Brunnen aus denen das Wasser später auch wieder gefördert werden kann.

Erlaubnis einholen

Die Entnahme von Grundwasser und insbesondere die Infiltration von Wasser in den Grundwasserleiter, sind gemäß Wasserhaushaltsgesetz erlaubnispflichtig. Ansprechpartner ist hier die jeweils zuständige Wasserbehörde. Der Bau von Brunnen muss darüber hinaus wie jede Bohrung beim zuständigen geologischen Landesamt nach Geologiedatengesetz (dem seit 2020 gültigen Nachfolger des Lagerstättengesetzes) angezeigt werden. 

Aufwand reduzieren

Die geologischen Dienste der Länder sind insbesondere in Bereichen, in denen bislang eine Feldberegnung kaum oder gar nicht erforderlich war und dementsprechend weniger Informationen über die Lage und Ausbildung der Grundwasserleiter bekannt sind, wichtige erste Informationsquellen. Mit ihrer Hilfe kann der zeitliche und finanzielle Planungsaufwand reduziert werden und im unglücklichsten Fall Investitionen in eine Anlage, die sich eventuell als nicht realisierbar herausstellt, vermieden werden. Wichtige Informationen, die aus den Kartendiensten entnommen werden können, sind z.B.:

  • Wasserrechtliche Verbotsbereiche, in denen aus Gründen des Grundwasserschutzes keine Eingriffe in das Grundwasser erlaubt sind 
  • Die Lage und Mächtigkeit der Grundwasserleiter 
  • Die Durchlässigkeit der Schichten 
  • Die Lage der Grundwasseroberfläche 
  • Die Qualität des Grundwassers 

Schritt für Schritt

Wenn die Recherche positive Ergebnisse ergeben hat, kann es an die nächsten Planungsschritte gehen. Hierfür sollte ein Brunnenbauer hinzugezogen werden. In jedem Fall sollten die Informationen aus den Kartendiensten vor Ort überprüft werden. Hierzu dient eine Aufschlussbohrung, bei der auch Probenmaterial des Grundwasserleiters gewonnen werden kann. Ein Ausbau der Aufschlussbohrung als Messstelle ist kostengünstig und erleichtert später die Brunneninspektion durch Messung der Absenkung bei einer definierten Pumprate. Eine Korngrößenanalyse des gewonnenen Probenmaterials ist eine wertvolle Hilfestellung, bei der auf die benötigte Pumprate angepasste Brunnendimensionierung.

Fazit

  • Durch den Klimawandel wird die Feldberegnung auch auf besseren Standorten ein Thema.
  • Die Speicherung von überschüssigem Wasser bietet Möglichkeiten, das Grundwasser nicht übermäßig zu beanspruchen.
  • In Norddeutschland bietet sich überwiegend die unterirdische Wasserspeicherung an.
  • Brunnen können dazu dienen, Wasser zu speichern und zu fördern.
  • Die Geologischen Dienste bieten mit kostenfreien Onlinediensten wertvolle Informationen zur Vorplanung beim Brunnenbau.
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