Hochwasser auf Acker
Edith Kahnt-Ralle | am

Klimawandel: Niedersachsen rüstet sich gegen Hochwasser im Binnenland

In Niedersachsen werden immer mehr Wetterextreme erwartet. Zusätzliche Millionensummen werden nun in den Hochwasserschutz im Binnenland invesiert. Weitere 13 Flüsse werden zu Risikogebieten erklärt.

Der Klimawandel mit Stürmen, Überschwemmungen und Trockenheit stellt Niedersachsen vor zunehmende Herausforderungen. Um sich gegen Überflutungen besser zu wappnen, investiert das Land im laufenden Jahr knapp 57 Millionen Euro in den Hochwasserschutz im Binnenland. Das gab Umweltminister Olaf Lies (SPD) jetzt bei der Vorstellung des Jahresberichts des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bekannt.

Schleusen und Pumpen etwa müssen erneuert sowie Hochwasservorhersagen verbessert werden.

13 zusätzliche Flüsse in Risikoliste aufgenommen

Außerdem wurden 13 zusätzliche Flüsse in eine Risikoliste für drohende Überflutungen aufgenommen. Insgesamt umfasst die Liste damit 42 Gewässer im Land.

Neu hinzu kamen die Gewässer:

  • Abzucht,
  • Aland,
  • Altenau,
  • Bückeburger Aue,
  • Else,
  • Ilme/Krummes Wasser,
  • Kanal-Ilse,
  • Lesum,
  • Löcknitz,
  • Nette,
  • Rodenberger Aue,
  • Sude und
  • Wabe.


Hohen Aufwand erfordert der Hochwasserschutz seit jeher an der Küste. In den Küstenschutz werden in Niedersachsen jährlich rund 60 Millionen Euro investiert. Weil der Meeresspiegel steige, müssten Deiche erhöht werden, erklärte Lies.

Trinkwasserversorgung auch bei längerer Trockenheit nicht gefährdet

Längere Phasen von Trockenheit indes stellen die Wasserwerke vor neue Herausforderungen. "Auch in Trockenzeiten müssen wir die Grundwasserversorgung sicherstellen", sagte die Direktorin des NLWKN, Anne Rickmeyer. Einige Flüsse seien im vergangenen Sommer auf historische Tiefstände gesunken. "Wir müssen also Anpassungsstrategien für die Wasserwirtschaft entwickeln." Das sei vor allem für die Betriebe in Niedersachsen wichtig.

Die Trinkwasserversorgung, betonte Lies, sei aber auch bei längerer Trockenheit nicht gefährdet.

Küstenland Niedersachsen: Besondere Herausforderungen

Zur Finanzierung der in Zukunft wachsenden Maßnahmen des Hochwasser- und Küstenschutzes regte Lies einen neuen Klimafonds an. Dieser solle sich aus Kohlendioxid-Abgaben speisen und zur Finanzierung zusätzlicher Schutzmaßnahmen beitragen, für die wegen des Klimawandels künftig mehr Geld investiert werden müsse.

Das Land will sich auch gemeinsam mit den anderen norddeutschen Küstenländern für mehr Investitionen des Bundes für den Küsten- und Hochwasserschutz einsetzen. Im Herbst veröffentlicht der Weltklimarat einen Sonderbericht zu den Auswirkungen der Eisschmelze.

Niedersachsens Regierung hofft darauf, dass die Ausgaben für den Küstenschutz danach aufgestockt werden können, um die wichtigsten Deiche zu wappnen. Niedersachsens Schutzdeiche haben eine Gesamtlänge von 570 Kilometern.

Kritik an Umsetzung einer Kohlendioxid-Steuer

Die Grünen meinten zu der Idee von Lies, dass er nichts Konkretes zur Umsetzung seiner Kohlendioxid-Steuer sage. Diese sei zwar der richtige Weg. Das Land könne eine CO2-Abgabe aber nicht einführen.

"Es ist erbärmlich für einen Umweltminister, wenn er Dinge öffentlich anstößt, für die er dann am Ende nicht haftbar gemacht werden kann", sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Anja Piel. Die AfD-Landtagsfraktion äußerte sich grundsätzlich kritisch zu der Idee einer CO2-Steuer. Die Bürger sollten nicht aufgrund ideologischer Hysterie unnötig belastet werden, sagte der Abgeordnete Stefan Henze.

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