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Charlotte Meyer | am

Körnermais: Auch für Rote Gebiete eine Alternative

Bisher ist der Körnermaisanbau noch eine Nische, aber die Anbaubedeutung könnte in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Ein Praktikerfeldtag der LWK Niedersachsen klärte über den Anbau auf.

Politischen Vorgaben nachzukommen und Fruchtfolge zu erweitern – dafür erweist sich der Körnermais zunehmend als interessante Alternative. Das zeigte sich vor kurzem auf dem zweiten Körnermaisfeldtag der LWK Niedersachsen in Langreder bei Barsinghausen.

Bisher spielt der Anbau von Körnermais im südlichen Niedersachsen nach LWK-Angaben eine sehr untergeordnete Rolle weniger als ein Prozent der Fläche wird mit dieser Frucht angebaut. Im Vergleich dazu liegt der Anbau von Silomais in der Region derzeit zwischen acht und zehn Prozent.

 

Körnermais wird zur Alternative bei Sommerungen

LWK-Pflanzenbauberater Dr. Ulrich Lehrke gab bei der Feldveranstaltung Hinweise zum Anbau von Körnermais. Er ist überzeugt davon, dass die Frucht langfristig Perspektive hat. Für einen möglichst effizienten Ackerbau sei das Wechseln zwischen Blatt- und Halmfrucht von immenser Bedeutung.

Lehrke erläuterte, dass der Körnermais durchaus dazu in der Lage sei, die Furchtfolge aufzulockern. Durch den starken Anbaurückgang von Raps und Zuckerrüben könne der Körnermais zu einer echten Alternative bei den Sommerungen werden.

Kostenvorteile sichern

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Die in den vergangenen Jahren konstant steigenden Temperaturen führen des Weiteren zu einer früheren Abreife und Ernte, die den anschließenden Anbau von Winterweizen nach Körnermais zuließen. Der Pflanzenbauberater hob außerdem hervor, dass durch den Maisanbau der Pflanzenschutzmittel-Aufwand im Vergleich zum Stoppelweizen oder Rapsanbau deutlich reduziert werden könne.

Bei der Progranus KG, die bereits seit einigen Jahren Körnermais anbaut, ist bislang immer nur eine Herbizidanwendung durchgeführt worden.

Mais reagiert nur schwach auf reduzierten Stickstoffeinsatz

Im Vergleich zum Pflanzenschutz-Aufwand für Weizen und Raps bedeutet das einen Kostenvorteil von etwa 200 €/ha. Nach Ansicht von Lehrke spielt der Mais zukünftig sogar in ausgewiesenen Rotgebieten eine große Rolle, denn dieser reagiere nur schwach mit Ertragseinbußen auf die 20 % reduzierten Stickstoffmengen. Unter Umständen bestehe sogar die Möglichkeit, den N-Überhang auf die Folgekulturen zu übertragen.

Vier Möglichkeiten der Körnermaistrocknung

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Vor allem die kostenintensive Trocknung lassen zahlreiche Landwirte vom Körnermaisanbau Abstand nehmen. Andreas Freytag, Leiter der Fachgruppe Betrieb/Tier bei der LWK-Bezirksstelle Hannover, gab einen Überblick über die betriebswirtschaftliche Stellung von Körnermais unter Berücksichtigung der Vermarktung und der Zwischenlagerung, speziell der Verschlauchung. Er wies darauf hin, dass die Progranus KG selbst in den Hitzejahren Mais teilweise mit einer Erntefeuchtigkeit von 25 bis 27 % gedroschen hat. Das Erntegut müsse aber bis auf 15 % herunter getrocknet werden, um lagerfähig zu sein. Hierfür stünden den Anbauern, auch zur Kosteneinsparung, vier Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Vermarktung von Feuchtmais
  • Trocknung über die Genossenschaft
  • Trocknung über eine Biogasanlage
  • Anschaffung einer eigenen Trocknung

Trocknungskosten von Körnermais: ca. 1€/t und Prozentfeuchte

Als Faustregel für Trocknungskosten nannte der Fachmann beim Verkauf an den Landhandel 1 €/t und Prozentfeuchte. Besonders teuer werde es, sobald die Körnermaisfeuchtigkeit über 30 % ansteige. Ein Beispiel zeigt das: Bei einer Feuchtigkeit von 32 % steigen die Trocknungskosten auf 420 €/ha (3,30 €/dt Feuchtmais) an.

Als mögliche Alternative empfiehlt Freytag die Einlagerung des Feuchtmaises in Schläuchen. Dabei sei jedoch vor allem der Schutz der Schläuche vor Schadnagern und Krähen noch problematisch. In diesem Bereich sei noch einiges an Innovation nötig, um den Körnermaisanbau auch unter Anbetracht der Trocknungskosten wirtschaftlicher zu gestalten.

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