Auch auf die Agrarmärkte hat der Krieg in der Ukraine Auswirkungen. Laut Experten fehlen bereits jetzt Millionen Tonnen Getreide.

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Ellen Hartmann | am

Krise am Weizenmarkt? Das sind die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs

Der russische Krieg in der Ukraine wirkt sich derzeit auch stark auf die Agrarmärkte aus. Expertinnen und Experten zufolge fehlen bereits jetzt Millionen Tonnen Getreide aus der Schwarzmeerregion auf dem Weltmarkt.

Berichten des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) zufolge würden sich die großen Verbraucher derzeit aus Sorge vor Engpässen eindecken. Aus diesem Grund steigen die Preise immer weiter. An der Börse liegt eine Tonne Weizen derzeit bei 360 Euro - ein Drittel mehr als noch vor einem Monat. Daher warnen Experten nun vor dauerhaft hohen Preisen in reichen Ländern und sogar vor Versorgungskrisen in ärmeren Ländern. 

Kornkammer Europas: Ukraine und Russland

Die Ukraine und Russland werden auch die Kornkammer Europas genannt. Nach Angaben des Deutschen Raiffeisenverbands sorgen beide Länder für 28 Prozent des weltweiten Weizenexports, bei Mais und Raps sind es 20 Prozent. Zusätzlich produzieren die Ukraine und Russland weltweit mehr als die Hälfte an Sonnenblumenkernen. "Durch die Kriegshandlungen ist in den Schwarzmeerhäfen die Schiffsverladung unterbrochen", so Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands (DBV), gegenüber dem RND. Auch "scheint eine reguläre Frühjahrsbestellung der Äcker wegen des Krieges nicht mehr möglich".

Getreideernte

Sind Menschen in ärmeren Ländern die Verlierer?

"In Deutschland und der EU wird es nicht unbedingt Versorgungsengpässe in den kommenden Monaten geben, aber steigende Preise", prognostiziert Guido Seedler, Referent beim Deutschen Raiffeisenverband. Deutschland sei beim Getreide weiterhin Selbstversorger und importiere Weizen vor allem aus Nachbarländern wie Tschechien und Polen. Getreide aus Russland und der Ukraine gehe viel mehr nach Nordafrika und Südostasien. "Verlierer sind die armen Länder", weiß Seedler. Allein Ägypten importiere einen großen Teil seines Weizens aus beiden Ländern, genau wie Tunesien. Die Türkei kaufte 2020 übrigens rund 65 Prozent ihres Weizens aus Russland. 

"Die mit dem Krieg in der Ukraine einhergehende Beeinträchtigung des Handels treffen vor allem Länder im Nahen Osten und Afrika, die teilweise 70 Prozent ihres Weizens importieren", warnt Rafaël Schneider von der Welthungerhilfe. 

Steigende Lebensmittelpreise prognostiziert

Doch auch ärmere Menschen in westlichen Ländern könnten demnächst die steigenden Lebensmittelpreise zu spüren bekommen. "Der Krieg führt nicht nur in der Ukraine, sondern weltweit zu Menschenrechtsverletzungen", so Schneider. "Das Menschenrecht auf angemessene Ernährung wird für Millionen Menschen in fahrlässiger Weise bedroht." Neben den Engpässen am Getreidemarkt könnte es aber auch Preissprünge beim Rohöl geben. "In der Vergangenheit waren es vor allem die Energiekosten, die Lebensmittel teurer gemacht haben", erklärt Marita Wiggerthale, Agrarexpertin der Hilfsorganisation Oxfam im Hinblick auf Kosten für Treibstoffe und Transport. "Selbst wenn es den ukrainischen Landwirten gelingen sollte, ihre Felder zu bestellen und zu ernten, würde der Krieg wegen der steigenden Energiepreise Nahrungsmittel immer noch teurer machen", sagt die Expertin.

Gestern (1. März) haben sich zahlreiche Landwirte in Haselünne getroffen, um ein Zeichen gegen den Ukraine-Krieg zu setzen.

Wird der Welthunger durch den Ukraine-Krieg steigen?

Hinzu komme auch, dass viele Länder aufgrund der Corona-Pandemie keine Reserven haben aufbauen können. Wenn nun die Preise für Weizen und Mais steigen, könnten Menschen im globalen Süden darunter stark leiden. Wiggerthale jedenfalls geht davon aus: "Steigende Lebensmittelpreise werden in vielen Regionen zu mehr Hunger führen." Auch Rafaël Schneider sieht diese Entwicklung kommen. Momentan würden weltweit rund 811 Millionen Menschen unter Hunger leiden. Ein Krieg werde diese Zahl vergrößern. Schneider fordert daher, dass die Industriestaaten schnell mit Hilfen reagieren sollten: "Länder wie Deutschland sind gefordert, ihre Unterstützung für Hungerbekämpfung und ländliche Entwicklung auszubauen."

Stickstoffdünger könnte knapp werden

Der DBV sieht zudem noch ein weiteres Problem auf die Menschen zukommen: Da nicht nur Preise für Getreide, sondern auch für Öl und Gas steigen, werde auch der Kunstdünger immer knapper. "Stickstoffdünger ist der wichtigste Dünger in der Landwirtschaft", sagt DBV-Mann Hemmerling. "Die Gefahr, dass mangels Verfügbarkeit von Dünger Erntemengen zurückgehen, ist groß."

Mit Material von RND, proplanta

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