In den Roten Gebieten sind Bundes- und Landesauflagen (seit 8. Mai 2021) bezüglich der Stickstoffdüngung zu beachten.
Edith Kahnt-Ralle | am

Landesdüngeverordnung: Was Bund und Land festgelegt haben

Die neue Landesdüngeverordnung (NDüngGewNPVO) ist seit dem 8. Mai 2021 rechtskräftig. Die dort geforderten Maßnahmen gelten seit der Frühjahrsdüngung. Wir geben Ihnen einen Überblick über die aktuellen Bestimmungen.

Zum besonderen Schutz der Gewässer gelten bundeseinheitlich insgesamt sieben grundwasserschutzorientierte Maßnahmen der Düngeverordnung (DüV) gemäß § 13a Abs. 2 für die nitratbelasteten Gebiete (Rote Gebiete). Zusätzlich sind die Vorgaben der neugefassten niedersächsischen Landesdüngeverordnung (NDüngGewNPVO), die am 8. Mai 2021 in Kraft getreten ist, einzuhalten. Durch diese zusätzlichen Regelungen soll der Zustand der mit Nitrat belasteten Gebiete nachhaltig verbessert und somit eine der zentralen Forderung der EU nachgegangen werden. 

Das sind die Bundesmaßnahmen:

Die nachfolgenden sieben Maßnahmen gelten bundesweit und sind in den ausgewiesenen nitratbelasteten Gebieten (Roten Gebieten) einzuhalten. 

  1. Verminderung des ermittelten Stickstoffdüngebedarfs um 20 Prozent bezogen auf den Durchschnitt der Betriebsflächen in den ausgewiesenen Roten Gebieten: Hierbei ist für jeden Schlag der Stickstoffdüngebedarf der angebauten Kulturen zu ermitteln, zu einer Gesamtsumme zu addieren und um 20 Prozent zu reduzieren. Dieser reduzierte N-Düngebedarf ist in der Summe aller im ausgewiesenen Gebiet angebauten Früchte einzuhalten und ermöglicht die bedarfsgerechte N-Düngung einzelner Früchte mit einer hohen betrieblichen Vorzüglichkeit. Die Vorgabe zur Reduktion des N-Düngebedarfs besteht nicht für Betriebe, die im gleichen Düngejahr im Durchschnitt ihrer Flächen im belasteten Gebiet nicht mehr als 160 Kilogramm Gesamt-N/Hektar und davon nicht mehr als 80 Kilogramm Gesamt-N/Hektar in Form von mineralischen Düngemitteln aufbringen. Bei der Berechnung der "160 kg N-Grenze" sind keine Stall- und Lagerungsverluste sowie Ausbringungsverluste oder Mindestwerte für die Ausnutzung des Stickstoffs zu berücksichtigen, sondern die 160 Kilogramm N/Hektar wird über die Menge an ausgebrachten organischen Düngern und den jeweiligen Stickstoffgehalten berechnet. Der Nachweis, dass die "160 kg N-Grenze" eingehalten wurde, ist durch die Dokumentation der Düngungsmaßnahmen zu erbringen. 
  2. Einhaltung der schlagbezogenen N-Obergrenze von 170 Kilogramm N/Hektar und Jahr für die Aufbringung von organischen Düngemitteln: Auch bei dieser Grenze sind keine Stall- und Lagerungsverluste sowie Ausbringungsverluste oder Mindestwerte für die Ausnutzung des Stickstoffs in Ansatz zu bringen. Analog zu der unter 1 genannten Vorgabe kann von dieser Regelung abgewichen werden, wenn der Betrieb im Durchschnitt seiner Flächen im nitratbelasteten Gebiet nicht mehr als 160 Kilogramm Gesamt-N/Hektar und davon nicht mehr als 80 Kilogramm Gesamt-N/Hektar in Form von mineralischen Düngemitteln aufbringt. Grundsätzlich sollte vorab eine Vorausplanung durchgeführt werden, inwieweit die 160 Kilogramm N-Grenze einzuhalten ist. 
  3. Erweiterung der Sperrfrist um vier Wochen auf Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau, das heißt verlängerte Sperrfrist vom 1.Oktober bis 31.Januar auf Grünland und im Feldfutterbau.
  4. Erweiterung der Sperrfrist um sechs Wochen für das Aufbringen von Festmist von Huf- und Klauentieren sowie Kompost, sodass diese erst ab dem 1. Februar aufgebracht werden dürfen. Die unter den Punkten 5, 6 und 7 aufgeführten Maßnahmen betreffen die Herbstdüngung ab 2021. Durch diese soll die Stickstoffdüngung im Herbst eingeschränkt werden, um die Nitratauswaschung in tiefere Bodenschichten zu minimieren. 
  5. Verbot der Aufbringung von Düngemitteln mit einem wesentlichen N-Gehalt zu Wintergerste, Zwischenfrüchten ohne Futternutzung (Gründüngungszwischenfrüchte) und Winterraps im Herbst. Bei der Stickstoffherbstdüngung zu Winterraps besteht eine Ausnahme, wenn der Nmin-Wert im Boden 45 Kilogramm N/Hektar nicht überschreitet. Der Nmin-Wert ist durch Analysen vor der Rapsaussaat in 0 bis 60 Zentimeter Bodentiefe zu ermitteln. Außerdem muss auf eine Herbstdüngung nicht gänzlich verzichtet werden, da grundsätzlich im Herbst mit Festmist von Huf oder Klauentieren oder Kompost gedüngt werden kann (die Anrechnung erfolgt auf den Düngebedarf der Folgekultur und erfordert keinen Düngebedarf im Herbst). Das gilt auch für eine Düngung mit Grünguthäcksel, Pilzsubstrat oder Klärschlammerden. Die Düngung von Gründüngungszwischenfrüchten mit Festmist von Huf- oder Klauentieren oder Kompost wurde hierbei auf 120 Kilogramm Gesamt-N/Hektar begrenzt. Der Verordnungsgeber hat hier eine Ausnahme erteilt, da diese Düngemittel eine geringe N-Freisetzung aufweisen, sodass die Gefahr der Nitratauswaschung sehr gering ist. 
  6. Beschränkung der N-Menge über flüssige organische und organisch-mineralische, einschließlich flüssige Wirtschaftsdünger, auf Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau auf 60 Kilogramm N-Gesamt/Hektar innerhalb des Zeitraumes vom 1.September bis 30. September
  7. Zwischenfruchtanbaugebot, sofern die nachfolgende Sommerung ab dem 1. Februar gedüngt werden soll. Diese Vorgabe gilt nicht, wenn die Ernte, z.B. Maisernte, nach dem 1. Oktober erfolgt oder bei jährlichen Niederschlägen im langjährigen Mittel unter 550 Millimeter (Hinweis: in Niedersachsen ist derzeit kein Gebiet mit weniger als 550 Millimeter Niederschlag im langjährigen Mittel ausgewiesen). Diese Regelung gilt nicht beim nachfolgenden Anbau von Winterungen. Die Art der Zwischenfrucht (z.B. winterharte oder nicht winterharte Zwischenfrucht) ist nicht vorgegeben. Allerdings muss die Zwischenfrucht aktiv ausgesät werden.

Das sind die Landesmaßnahmen:

Zusätzlich zu diesen sieben bundeseinheitlichen Maßnahmen gelten für die nitratbelasteten Gebiete (Roten Gebiete) folgende landesspezifische Maßnahmen nach § 3 NDüngGewNPVO 2021:

  • Verpflichtung zur jährlichen Nmin-Probenahme und Untersuchung für jeden Schlag/Bewirtschaftungseinheit außer auf Grünlandflächen und Flächen mit mehrschnittigem Feldfutterbau. Die Verwendung von Richtwerten ist hier nicht zulässig. Aufgrund der abgeschlossenen Düngebedarfsermittlung für das Jahr 2021 ist dieses erstmalig ab der Düngebedarfsermittlung für die Frühjahrsdüngung 2022 umzusetzen. Zurzeit werden entsprechende Ausführungshinweise erstellt. 
  • Die bereits bekannte Verkürzung der Einarbeitungsfrist auf unbestelltem Ackerland von vier Stunden auf eine Stunde gilt weiterhin.
  • Darüber hinaus besteht neben den Dokumentationspflichten aus § 10 DüV eine digitale Meldepflicht gem. § 5 NDüngGewNPVO für alle Betriebe, deren Flächen mit mindestens 30 Prozent ihrer landwirtschaftlich genutzten Flächen und zugleich 10 ha oder mit mindestens 30 ha in nitratbelasteten Gebieten (Rote Gebiete) oder eutrophierten Gebieten (Gelbe Gebiete) liegen.
     

Das müssen Sie ab 31. März 2022 anmelden:

Gemeldet werden müssen zum 31. März eines jeden Jahres für das abgelaufene Düngejahr erstmalig zum 31. März 2022 in der Meldedatenbank ENNI (Elektronische Nährstoffmeldungen Niedersachsen) folgende Daten:

  • Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber, Anschrift sowie alle vorhandenen Betriebs-, Zulassungs- und Registriernummern,
  • der Düngebedarf auf Schlagebene, als Summe der Schläge in Roten Gebieten sowie auf Betriebsebene,
  • die Düngung, zusätzlich mit Datum und N-Ausnutzung, auf Schlagebene, Summe der Schläge in Roten Gebieten sowie Betriebsebene,
  • die Weidehaltung und
  • die Einhaltung der betrieblichen N-Obergrenze mit allen zugrundeliegenden Ausgangsdaten.
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