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Anne-Maria Revermann | am

Lüneburg: Mit Nutzhanf-Anbau in die Zukunft

Mit einem Nischenprodukt sind Gustav und Michael Bieder aus Brietlingen im Kreis Lüneburg auf dem Markt: Sie bauen Nutzhanf an. Autorin Anke Dankers hat nachgefragt.

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Ein paar Kronkorken, ein Feuerzeug, abgerissene Etiketten von Bierflaschen – mit wachsamem Blick streift Gustav Bieder über sein Ackerland im Landkreis Lüneburg. Er sammelt die Spuren der nächtlichen Besucher auf.

Den heimlichen Tourismus auf ihren Feldern kennen er und sein Bruder Michael Bieder bereits. Dieses Mal zeugt nur der Müll davon, an anderen Tagen waren es aber auch schon ausgebuddelte Pflanzen.

Denn die Brüder Bieder bauen etwas an, dass in Deutschland noch Seltenheitswert hat: Hanf. Genauer gesagt Nutzhanf, der, wie offenbar längst nicht jeder weiß, für einen Cannabis-Rausch völlig ungeeignet ist.

Geringer THC-Gehalt bei Nutzhanf

„Unsere Besucher haben vielleicht auch probiert und gemerkt, dass es sinnlos ist, sich mit diesem Hanf abzugeben“, sagt Gustav Bieder im selben Atemzug, in dem er feststellt, dass der Diebstahl weniger geworden ist.

Denn mit einem THC-Gehalt von maximal 0,2 Prozent bringt der Nutzhanf Kiffern – die normalerweise zu Zuchtpflanzen mit einem vielfachen Wert greifen – herzlich wenig, der Landwirtschaft aber umso mehr.

Nutzhanf als echter Allrounder

Die Brüder Bieder kommen aus einer landwirtschaftlichen Familie. Gustav Bieder hat inzwischen den elterlichen Hof übernommen und beackert normalerweise Getreide-, Raps- oder Maisfelder.

Vor rund zwei Jahren beschäftigte sich Michael Bieder erstmals mit gesünderer Ernährung und dadurch auch bald schon mit dem Nutzhanf. „Es ist mehr oder weniger durch eigenes Forschen und Gucken entstanden", sagt er. Dann haben sich die Brüder darauf geeinigt, die Kultur mal auszuprobieren.

Nutzhanf ist ein echter Allrounder: Aus den Blättern wird Tee, aus den Samen Öl, aus den Schäben Schüttgut oder Einstreu gemacht und die Fasern eignen sich sowohl zur Herstellung von Kleidung als auch im Bauwesen.

Deutschlandweit 195 Landwirtschaftsbetriebe

Die Nutzhanffelder der Bieders erstrecken sich inzwischen über circa anderthalb Hektar Fläche. Die Brietlinger sind somit deutschlandweit einer von nur etwa 195 Landwirtschaftsbetrieben, der die Feldfrucht anbaut.

Insgesamt wächst die Kultur in Deutschland auf rund 3.000 Hektar Land, in Frankreich ist es dagegen rund sechs Mal so viel.

Verarbeitungsbetriebe sind rar

Aufgrund der langen Prohibition, die den Hanfanbau bis in die 90er Jahre verbot, hinken die Entwicklungen in Know-How und die Technologie rund um die Nutzpflanze deutlich hinterher.

Auch Verarbeitungsbetriebe, etwa für die Hanffasern, sind rar und häufig mit langen Transportwegen verbunden.

Mit Material von Anke Dankers

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