Johanna Eyting ist auf dem Hof für den Anbau des Grünkohls zuständig.
Antje Wilken | am

Die Lust auf Grünkohl

Eigentlich würden gerade überall Kohlfahrer mit Bollerwagen durchs Land ziehen. Aktuell nicht möglich. Komplett auf das Lieblingsessen zu verzichten, kommt für Kohlfans aber nicht infrage - so wurden viele Leute erfinderisch.

Kalt und ein bisschen feucht: Bei diesem Wetter haben viele Norddeutsche Appetit auf Grünkohl. Kalt – gerne mit ein bisschen Frost – mag es auch der Kohl auf dem Feld. „Neue Grünkohlsorten brauchen aber keinen Frost mehr; sie schmecken auch bei milderen Temperaturen“, weiß Arnd Eyting, Grünkohlanbauer aus Gristede im Landkreis Ammerland. Auf den Teller kommt das Traditionsgemüse im Norden meist klassisch mit Kassler und Pinkel. „Obwohl die Menschen auch zunehmend andere Rezepte ausprobieren“, stellt Eyting im Gespräch mit seinen Kundinnen und Kunden auf dem Bauernmarkt in Oldenburg immer öfter fest. Er selbst hat mit der Familie schon viele Varianten getestet: vegetarisch, vegan, im Backofen, in der Pfanne.

Verkauft wird der Grünkohl auf vielen Wegen

Das Ehepaar Eyting vermarktet das Traditionsgemüse.

Seit Langem bauen der Landwirt, seine Frau Johanna, Mutter Siegrid und Sohn Hinrich auf ihrem Eytjehof unter anderem auch Grünkohl an – auf etwa 0,4 Hektar Fläche. Sie ernten schätzungsweise eine Tonne pro Saison. Verkauft wird ab Hofladen und Automat, online über das regionale Portal MeinMarktstand.de sowie freitags auf dem Oldenburger Bauernmarkt. Dabei kümmert sich Johanna Eyting um den Anbau, Arnd Eyting um die Vermarktung. An jedem Markttag gehen 30 bis 50 Kilo Grünkohl weg. „Im Moment wird viel vorbestellt“, sagt Eyting. „Weil die Gastronomie geschlossen ist, kochen die Menschen vermehrt selbst.“

Hauptanbaugebiet ist das Oldenburger Land

Eines der Hauptanbaugebiete für Grünkohl in Niedersachsen ist das Oldenburger Land. Von dort stammt der Grünkohl, den ELO-Frost verarbeitet. Das Unternehmen ist eine Tochter des Erzeugergroßmarkts Langförden-Oldenburg. „Wir merken, dass sich die Absatzzahlen verändert haben“, sagt Geschäftsführer Henrik Witte. „Großverbraucher wie Kantinen und die Gastronomie sind vom Lockdown betroffen; da haben wir etwa zehn Prozent weniger Abkäufe. Dafür wird vom Lebensmitteleinzelhandel etwa fünf Prozent mehr geordert.“ Aktuell würden wegen der veränderten Nachfrage mehr kleinere Gebinde à 1 und 1,5 Kilo als sonst für den Lebensmitteleinzelhandel produziert und weniger 2,5 oder 10-Kilo-Gebinde für Gastronomie und Großverbraucher. 

Direktvermarktung ist zu Coronazeiten noch beliebter

„Schon seit zwei Jahren steigt die Nachfrage nach Produkten vom Erzeuger“, bestätigt Christina Backhus von der Vereinigung Norddeutscher Direktvermarkter e.V. „Corona hat der Sache noch einmal einen Schub gegeben. Viele Anbieter, auch wir, haben neue Kunden gewonnen.“ Die 31-Jährige führt mit ihren Eltern den Hof Pleus in Prinzhöfte (Landkreis Oldenburg). In ihrem Hofladen sind Grünkohl im Glas sowie Kochwurst, Pinkel und Kassler aus der eigenen Metzgerei sehr gefragt. Der Online-Verkauf habe ebenfalls angezogen – gerade beim Grünkohl.

Gäste werden in Wohnmobilen bewirtet

Den Landgasthöfen setzt der Wegfall der Kohlgesellschaften sehr zu. Wo sich eigentlich um diese Zeit die Kohlfahrer die Klinke in die Hand geben, ist nun nur Außer-Haus-Verkauf möglich. Darauf setzt auch der Bümmersteder Krug in Oldenburg. Küchenchef Nico Winkelmann und sein Team bewirten zudem Gäste, die in ihren eigenen Wohnmobilen anreisen. Eine entsprechende Facebook-Gruppe brachte ihn auf die Idee. „Das wird gut angenommen, kann aber den Umsatz, den wir sonst gemacht hätten, nicht ersetzen“, erklärt Winkelmann. „Immerhin bleiben wir so im Gespräch.“ Zum Abholen bietet der Bümmersteder Krug unter anderem eine „Mini-Kohlfahrt“ mit Kohl-Menü für vier Personen an. 

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