Ackererbse
Renate Bergmann | am

Mehr Bio-Ackerbohnen und -erbsen in Niedersachsen anbauen?

Schon seit vielen Jahren liegt die Nachfrage nach heimischen Ackerbohnen und Erbsen in Bioqualität über dem Angebot.

Bisher kann der Bedarf über Importe gedeckt werden, überwiegend aus dem Baltikum und Polen. Dennoch bevorzugen die Futtermittelhersteller Bio-Erbsen und -Bohnen aus Deutschland, nicht zuletzt wegen der größeren Transparenz beim Anbau und dem Anspruch des Ökolandbaus, die Transportwege kurz zu halten.

Zunehmende Nachfrage der Lebensmittelindustrie

Ein weiterer Schub für die Nachfrage nach Bio-Erbsen und -Ackerbohnen ergibt sich aus dem zunehmenden Bedarf der Lebensmittelindustrie. Verstärkt wird dieser Trend durch den wachsenden Bedarf an gentechnikfreien, regionalen Proteinquellen.
"Die Vermarktung für diese Produkte ist mittlerweile sogar im konventionellen Bereich angesprungen", sagt Ulrich Quendt, Leiter des Demonstrationsnetzwerks Erbse/Bohne, das seit 2016 besteht.

Zum Netzwerk gehören 58 Praxisbetriebe, darunter sind auch 23 Bio-Betriebe. Neben der Optimierung des Anbaus verfolgt das Netzwerk vor allem das Ziel, die nachfolgende Wertschöpfungskette für die Aufbereitung, Verarbeitung und Vermarktung zu stärken.

Diese Bemühungen tragen inzwischen Früchte. Unternehmen wie die Fava Trading GmbH bei Cuxhaven haben sich zum Beispiel auf die Aufbereitung von Ackerbohnen und andere Körnerleguminosen für die Lebensmittelindustrie spezialisiert. Schon drei Jahre nach der Gründung im Jahr 2016 werden hier pro Jahr 20.000 Tonnen konventionelle Ackerbohnen verarbeitet.

Im Jahr 2020 sollen die Kapazitäten sogar auf 40.000 Tonnen pro Jahr verdoppelt werden. Zudem arbeitet das Unternehmen zukünftig mit der Roland-Mühle in Bremen zusammen, um auch weiterverarbeitete Produkte wie Mehle und Extrakte anbieten zu können.

Bio-Betriebe gesucht

Als bisher einziges Unternehmen in Deutschland will das Unternehmen in naher Zukunft auch eine Verarbeitungslinie für Bio-Körnerleguminosen zu Speisezwecken aufbauen. Dafür werden schon jetzt bundesweit interessierte Bio-Betriebe gesucht, die bereit sind, langfristige Lieferbeziehungen einzugehen.

Doch trotz einer weiter wachsenden Nachfrage stagniert der Umfang der Anbauflächen für Bio-Ackerbohnen und Bio-Erbsen seit langem auf niedrigem Niveau. Auch ein seit vielen Jahren stabiles Preisniveau von rund 45 Euro pro Dezitonne und gute Deckungsbeiträge, die etwa auf dem Niveau von Bio-Getreide liegen, scheinen kein ausreichender Anreiz für Bio-Betriebe zu sein.

Herausforderungen im Anbau

Ackerbohnen

Dafür gibt es laut Ulrich Quendt mehrere Ursachen. So sei die Anbaufläche für Leguminosen auf vielen Betrieben mit einem Anteil von einem Drittel bereits weitestgehend ausgereizt.

Zudem bevorzugten viele Betriebe Kleegras als Leguminose, weil es mehr Stickstoff bindet und der Anbau einfacher ist.

Hinzu komme, dass tierhaltende Betriebe die erzeugten Körnerleguminosen in der Regel komplett selbst verwerten.

Neues Standbein für Marktfruchtbetriebe

Der Leiter des Netzwerks hält den Anbau von Erbsen und Bohnen zur Vermarktung als Futtermittel oder zur Humanernährung dennoch für interessant, wenn die betrieblichen Voraussetzungen stimmen.

Das gilt aus seiner Sicht vor allem für Marktfruchtbetriebe, die auf geeigneten Standorten wirtschaften.

  • Während die Ackerbohne eher schwere Böden mit guter, gesicherter Wasserführung braucht,
  • bevorzugt die Erbse leichtere Standorte und hat einen geringeren Wasserbedarf.

Auch Futter-Mist-Kooperationen können ein Anreiz für den Einstieg in die Erzeugung sein. Dabei beziehen zum Beispiel Geflügelbetriebe mindestens 50 Prozent ihrer Futtermittel von einem Partner-Marktfruchtbetrieb, der im Gegenzug Geflügelmist als wertvollen Wirtschaftsdünger erhält.

Bio-Futtermittelhersteller gehen inzwischen dazu über, solche Kooperationen aktiv zu fördern, indem sie die Koordination zwischen den Betrieben übernehmen. Voraussetzung dafür ist, dass sie die Verarbeitung der Rohware durchführen können.

Mehr unter www.oekolandbau.de

Mit Material von BÖLN/BLE
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