Acker und Agrarlandschaft
Werner Raupert | am

Mehr Schläge für die Artenvielfalt in Niedersachsen

Manche Maßnahmen für mehr Artenvielfalt sind teuer: Blühstreifen auf guten Böden, Brachen in Veredelungsregionen oder Extensivierung für flächenknappe Viehbetriebe. Oft wird auch die Ausbringung von Gülle erschwert. Wissenschafter der Unis Göttingen und Kiel möchten einen Vorschlag machen, bei dem nur der Aufwand etwas steigt. Der Ertrag leidet kaum und Gülle kann ebenfalls ohne substanzielle Einbußen ausgebracht werden. Aber die Artenvielfalt nimmt zu.

Wissenschaftler der Uni Göttingen haben zusammen mit Kollegen anderer Universitäten herausgefunden, dass eine Verkleinerung der Schläge genauso viel oder sogar mehr an Artenvielfalt bringen kann als eine Vermehrung naturnaher Flächen wie Wegränder, Hecken, Brachen, Blühstreifen und ähnliches in der Feldmark.

Neuer Ansatz

Nach den Untersuchungen über viele Regionen in Europa und Nordamerika bringt – vereinfach gesagt – eine Verringerung der durchschnittlichen Feldgröße von 5ha auf 2,8 ha mehr für die Artenvielfalt als ein zusätzlicher Bracheanteil von 10 % der Fläche in einer Feldmark.

Für Insekten, Vögel und Hasen bedeuten kleinere Felder eine größere Abwechslung auf kleinem Raum. Wenn die benachbarten Felder mit unterschiedlichen Kulturen bestellt werden, grenzen zwischen den beiden Kulturen sozusagen auch unterschiedliche Biotope aneinander. Beispielsweise bietet die eine Kultur Deckung, in der anderen trocknet der Hase nach Regen schneller. Die eine blüht und lockt Fluginsekten an, die andere bietet Spinnen und Laufkäfern gute Bedingungen.

Eine Überlegung wert

Natürlich kann man keinem Betrieb, der dem gegenwärtigen wirtschaftlichem Druck ausgesetzt ist, eine drastische Verringerung seiner Flächengröße empfehlen. Aber einzelne Maßnahmen in dieser Richtung sind nicht so teuer, wie man zunächst denken könnte. Wir möchten anregen, in ein Feld einen oder mehrere Streifen einer zweiten Kultur hineinzulegen. Unter bestimmten Umständen ist der Zusatzaufwand gar nicht groß.

Beispiel für einen Streifenabau

Grafik

Ein Landwirt bewirtschaftet zwei durch einen Feldweg getrennte Felder. Ein Feld soll mit Rüben, Mais oder Körnerleguminosen bestellt werden, das andere mit Getreide. Auf dem ersten Feld soll ein Streifen Getreide in die Hauptfrucht hineingelegt werden.
Der Vorteil für die Artenvielfalt liegt auf der Hand. Je nachdem, wie breit das Feld mit dem Streifen ist, verlängern sich die Grenzlinien um bis zu 50
%. Der Streifen sollte die doppelte Breite einer Fahrgasse haben und zwischen den Vorgewenden liegen.

Mit einer passenden A-B Linie im automatischen Lenksystem können die Getreidestreifen genau zwischen zwei Fahrgassen der später zu drillenden Hauptkultur gelegt werden. So kann die Hauptfrucht problemlos gespritzt werden, das Wenden beim Getreidespritzen erfolgt durch das Vorgewende der Hauptfrucht.

Die Vorteile dieses Vorgehens liegen auf der Hand

Landkreis-Vechta-Raps-Felder
  • Es sind keine zusätzlichen Anfahrten nötig,
  • bei Bestellung mit automatischen Lenksystemen entsteht kein zusätzlicher Keil.
  • Wenn der Getreidestreifen vor der Hauptkultur geerntet werden muss, bietet es sich an, zwischen Getreide und Vorgewende einen schmalen Streifen nicht zu bestellen, um einfacher bis vor Kopf der Hauptfrucht dreschen zu können.
  • Zudem ist zu entscheiden, ob man für den Getreidedrusch etwas Hauptfrucht von der Feldauffahrt bis zum Getreidestreifen frei mulcht oder diesen Weg auf dem Vorgewende mit Getreide eindrillt.
  • Beim Spritzen ist Abdrift bei Herbiziden und Wachstumsreglern unbedingt zu vermeiden.
  • Noch einfacher ist es, wenn man von beiden Seiten auf derselben Höhe auf das Feld fahren kann. Dann reicht eine Arbeitsbreite der Streifenkultur aus.
  • Abzuraten ist davon, einen Streifen einer wenig selbstverträglichen Frucht wie Raps, Rüben oder Körnerleguminosen in Getreide zu legen. Wenn diese Streifen auf dem Acker dann in der Fruchtfolge zu früh wieder mit derselben Frucht bestellt werden, sind Ertragsverluste unvermeidlich.
     

Vieles ist möglich

Auf eine andere Möglichkeit, die gar keine zusätzlichen Arbeitserledigungskosten verursacht, hat uns ein Landwirt aus der Nähe von Göttingen gebracht.

Landwirte können versuchen, ihre Fruchtfolge auf benachbarten Schlägen so abzustimmen, dass insbesondere die Blattfrüchte nicht im selben Jahr angebaut werden. So stehen nicht Rüben neben Rüben und der nachfolgende Weizen neben Weizen, sondern in beiden Jahren stehen Rüben neben Weizen. In diesem Fall entstehen nur Kosten durch eine Verschiebung der Fruchtfolge um ein Jahr.

Artenschutz dank technischen Fortschritts

Wir wollen nicht zurück in eine Landwirtschaft der 1950er Jahre. Unser Vorschlag funktioniert am besten mit satellitengestützter Technologie. Unser Streifen ist Artenschutz dank technischen Fortschritts. Vielleicht ein Beispiel das Schule machen kann.

Mit Material von den Autoren Dr. Gunnar Breustedt, Universität Kiel; Prof. Teja Tscharntke, Universität Göttingen

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