Kühe auf einer Weide
Katharina Bittner, Volker Graß, LWK Niedersachsen | am

Neue EU-Ökoverordnung: Was müssen Betriebe jetzt beachten?

Die novellierte EU-Ökoverordnung tritt im kommenden Jahr in Kraft. Für Biobetriebe ergeben sich daraus einige neue Vorgaben, die dringend beachtet werden müssen. Wir geben Ihnen einen Überblick zu den Änderungen.

Ab dem kommenden Jahr tritt die novellierte Verordnung (EU) 2018/848 des Europäischen Parlamentes und des Rates in Kraft und löst die bisherige Verordnung (EG) 834/2007 ab. Daraus ergeben sich einige Änderungen für Biobetriebe, über die wir Ihnen nun exemplarisch einen Überblick geben wollen.

Rückstände stehen im Fokus

Insgesamt fokussiert sich die Verordnung vermehrt auf mögliche Rückstände in biologischen Produkten. Dabei wird die Verantwortung auf rückstandsfreie Produkte an den Öko-Landwirt gegeben. Es müssen Vorsorgemaßnahmen zur Vermeidung des Vorhandenseins nicht zugelassener Erzeugnisse und Stoffe getroffen werden. Dabei sind zunächst mögliche Risiken der Kontamination zu ermitteln und diesen ist dann wiederum mit verhältnismäßigen und angemessenen Maßnahmen entgegenzuwirken. Diese Maßnahmen gilt es im Anschluss selbstständig zu prüfen ((EU) 2018/848 Art. 28). Eine Trennung von ökologischen, nichtökologischen und Umstellungsprodukten muss weiterhin sichergestellt werden.

Pflanzenproduktion

Umstellungssaatgut vom eigenen Betrieb darf erst zwölf Monate nach Umstellungsbeginn eingesetzt werden. Nach derzeitigem Stand würde dies für Landwirte, die zukünftig umstellen, bedeuten, dass Sie mit dem Beginn der Umstellung biologisches Saatgut zukaufen müssten. Beispiel: Wenn der Umstellungsbeginn zum 1.7.22 erfolgt, müsste die Winterbestellung im Herbst 2022 mit zugekauftem biologischen Saatgut stattfinden.

Saatgut, welches nach dem 1.7.23 (zwölf Monate nach Umstellungsbeginn) geerntet wird, darf im eigenen Betrieb zur Aussaat genutzt werden. Wenn nicht genügend Saatgut in Bioqualität zum Aussaatzeitpunkt verfügbar ist, kann jedoch das eigene Nachbau Saatgut mit Ausnahmegenehmigung der jeweiligen Kontrollstelle verwendet werden. Auch der Einsatz von Umstellungssaatgut ist dann möglich, wenn nicht ausreichend biologisches Saatgut verfügbar ist. Auf der Datenbank www.organicxseeds.de finden Bio-Betriebe weiterhin eine Übersicht über verfügbares ökologisch vermehrtes Saat- und Pflanzgut. 

Einsatz konventionelles Saatgut

Der Einsatz von konventionellem Saatgut ist nach wie vor nur mit Ausnahmegenehmigung und ohne konventionelle Beizung möglich. Alle Pflanzen in Bio-Qualität müssen zwingend auf gewachsenem Boden mit Kontakt zum Unterboden wachsen: Das bedeutet, dass Hydrokulturen, Topfpflanzen und Hochbeete nicht ökologisch zertifizierbar sind. Lediglich bei Kräutern und Jungpflanzen ist der Verkauf an den Endverbraucher im Topf auch weiterhin in Bioqualität möglich.

Tierproduktion

Umstellungsfutter von externen Betrieben darf künftig nur noch zu maximal 25 % der TM Jahresration, statt vorher zu 30 % genutzt werden. Eigenes Umstellungsfutter darf wie gehabt im eigenen Betrieb uneingeschränkt verwendet werden.

Für Tierzukäufe wurde die Webseite www.organicxlivestock.de eingerichtet. Über diese Webseite soll die Verfügbarkeit von ökologischen Tieren ermitteln werden. In Zukunft soll es auch möglich sein, Ausnahmegenehmigungen für konventionelle Tierzukäufe über die Webseite bei den Kontrollstellen zu beantragen.

Pflanzenfresser müssen alle verpflichtend Weidezugang erhalten, sofern die Umstände (Bodenzustand und Wetterbedingungen) dies zulassen. Außerdem muss bei Pflanzenfressern ab dem 1.1.22 dann 60 % des Futters vom eigenen Betrieb oder aus der Region stammen, ab dem 1.1.24 sogar 70 % der eingesetzten Futtermittel.

In der Kälberaufzucht ist es weiterhin untersagt, Milchaustauscher mit pflanzlichen oder synthetischen Zusätzen zu verwenden. Bei Rindern in der Endmast entfällt die Möglichkeit der Aufstallung. Auch hier muss Weidegang oder der Zugang zu Freigelände gewährt werden.

Geflügel und Schweine

Auch für Geflügel und Schweine wird eine 100 % Ökofütterung angestrebt.

Bei Eiweißfuttermitteln für Küken und Ferkel wurde eine Übergangsfrist bis Ende 2025 eingeräumt. In dieser können weiterhin maximal 5 % konventionelle Eiweißfuttermittel genutzt werden, sofern keine in Bioqualität verfügbar sind ((EU) 2020/464 Art. 13). Mindestens 30 % des Futters müssen vom eigenen Betrieb oder aus der Region stammen.

In der Schweinehaltung wurde eine Übergangsfrist von acht Jahren (bis zum 1.1.2029) festgelegt, in der Ausläufe von Schweinen zu mindestens 50 % planbefestigt sein müssen. Außerdem sollen als Freigelände zukünftig "nach Möglichkeit Flächen mit Bäumen oder Wäldern" bevorzugt werden. Ein planbefestigter Auslauf ist jedoch weiterhin möglich, er soll attraktiv gestaltet sein und Außenklimareize aufweisen.

Bei Geflügel dürfen in der Volierenhaltung nur noch zwei erhöhte Ebenen vorhanden sein (Übergangsfrist bis zum 1.1.2030). Eine Auslaufpflicht für Elterntiere und Junghennenaufzucht wird ab sofort (1.1.22) gefordert. 

Auslauf bei Geflügel

Der Auslauf für Geflügel bekommt neue Vorgaben: Eine Auslaufdistanz von 150 m zur nächstgelegenen Klappe darf nicht überschritten werden. Wenn ausreichend Schutz vor Raubtieren (bspw. durch Bäume, Schutzdächer, …) und der Witterung vorhanden ist, kann der Radius auf 350 m ausgeweitet werden (Übergangszeit bis zum 1.1.2030).

Die Vorgaben für den Grünauslauf wurden verschärft. So muss der Grünauslauf nicht nur wie bisher überwiegend Pflanzenbewuchs aufweisen, sondern auch Nährstoffverluste müssen vermieden werden. Schutzeinrichtungen wie Hecken und Sträucher müssen so angelegt sein, dass die Fläche gleichmäßig genutzt wird ((EU) 2020/464).

Des Weiteren wurden auch Bruderhähne mit entsprechenden Haltungsvorgaben in die Öko-Verordnung aufgenommen. Für Jungtiere und Elterntiere muss nach neuer Öko-Verordnung ebenfalls ein Grünauslauf ohne Übergangsfrist (ab dem 1.1.2022) bereitgestellt werden.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der LAND & FORST Ausgabe 49/21 sowie in der digitalen Ausgabe

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