Zuckerrueben-schlafend-Trockenheit
Werner Raupert | am

Niedersachsen zwischen Dürre und Niederschlägen über Durchschnitt

Bereits im zweiten Jahr erlebt Niedersachsen eine zunehmende Trockenheit bis zur Dürre. Eindrücke aus einzelnen Landesteilen.

Besonders stark von der Trockenheit betroffen ist in diesem Jahr das südwestliche Niedersachsen mit beispielsweise Lingen. Hier sind von April bis Juli sogar 50 mm Niederschlag weniger gefallen als 2018 – und das bei Temperaturrekorden im Juli.

Die Gebiete um Diepholz, Osnabrück und Celle sowie die nördliche Region Hannover zeigen ebenfalls ein sehr hohes Wasserdefizit. Auch in Nienburg, Gifhorn und Braunschweig fehlte es an Regen. Zu dieser Gruppe gehört auch Lüchow. Das Wendland musste im vergangenen Jahr jedoch noch weit stärker unter der Trockenheit leiden als jetzt.

Es gibt jedoch auch Orte mit normalen oder sogar überdurchschnittlichen Niederschlägen. Diese sind hauptsächlich im Nordwesten und im Südosten Niedersachsens zu finden sowie lokal durch örtlich begrenzte hohe Gewitterniederschläge.

Maximum des Wasserdefizits bei -340 mm

Ein genaueres Maß für Trockenheit als der Niederschlag ist die klimatische Wasserbilanz (KWB). Sie berücksichtigt auch die Verdunstung und damit den Wasserverbrauch. Dieser ist u.a. abhängig

  • von der Tagestemperatur,
  • der Luftfeuchtigkeit und
  • der Sonneneinstrahlung.

Ist die potenzielle Verdunstung höher als der Niederschlag, wird die KWB negativ.

Nach kühlen Phasen gab es sowohl Ende Juni als auch Ende Juli vier Wochen mit großer Hitze und einer sehr hohen Verdunstung. Seit April hat sich das meteorologische Wasserdefizit in einigen Gegenden deshalb bereits auf bis zu -340 mm aufsummiert.

2018 war es noch trockener. Das Defizit lag um diese Zeit an vielen Standorten zwischen -350 und -400 mm.

Die folgende Tabelle zeigt die unterschiedliche Ausprägung der Trockenheit in 2019 über fünf Klassen der KWB für eine Auswahl von Orten in Niedersachsen (Quelle: wöchentlich vom Fachverband Feldberegnung veröffentlichte Liste mit Wetterstationen).

Tabelle zum Download

Klimatische Wasserbilanz ausgewählter niedersächsischer Orte

Erträge abhängig von Speicherwasser in Boden

Bei hohen negativen Wasserbilanzen hängen die Erträge in besonderem Maße von der Menge des im Boden gespeicherten Wassers ab. Die leichten Böden sind im Winterhalbjahr zwar gut aufgefüllt worden, ihre Speicherkapazität ist mit 60 bis 120 l/m2 jedoch eher gering.

Deshalb ist das gut pflanzenverfügbare Wasser bereits nach 10 bis 20 Tagen verbraucht, wenn es warm ist und nicht regnet.

Das Problem auf guten Böden mit hoher Wasserspeicherkapazität: Sie waren in in diesem Jahr nur teilweise aufgefüllt - wegen der weitgehenden Entleerung im Vorjahr und den vielerorts unterdurchschnittlichen Winterniederschlägen.

Wasservorrat auch auf guten Böden begrenzt

Der Bodenwasservorrat ist daher auch auf guten Böden mit hoher Wasserspeicherkapazität begrenzt. Das hat sich in den Regionen mit besonders hohem Wasserdefizit in den später abreifenden Getreidearten und -sorten sowie im Raps während der Kornfüllungsphase negativ bemerkbar gemacht.

Auch die Zuckerüben und der Mais fanden spätestens ab Juli in den tieferen Bodenschichten kaum noch Wasser vor. Im Raum Uelzen ist die Bodenfeuchte im Wurzelraum auf vielen Böden Ende Juli auf unter 30% der nutzbaren Feldkapazität abgesunken (Angaben des Deutschen Wetterdienstes und Messungen des Fachverbands Feldberegnung). Das bedeutet für die Pflanzen Trockenstress. Damit steigt das das Risiko von Mindererträgen.

Durch Feldberegnung konnte die Wasserversorgung der Kulturen weitgehend aufrechterhalten werden. Mehr zum Thema Beregnung auf Niedersachsens landwirtschaftlichen Flächen lesen Sie in der LAND & Forst 32/19.

Landwirt Wellmann: Wir rechnen mit bis zu 50 Prozent Ertragseinbußen bei Kartoffeln

Wellmann-Thomas

Die letzte Hitzeperiode hat den Kartoffeln von Landwirt Thomas Wellmann aus Bersenbrück (Landkreis Osnabrück) nochmal richtig zugesetzt: „Wir haben einige Standorte mit leichten Böden, wo die Pflanzen komplett abgestorben sind. Ich gehe von 20 bis 50 Prozent Ertragseinbußen aus, also noch mehr als im vergangenen Jahr. Wir können nicht beregnen, da uns Brunnen und Anlagen fehlen. Die Kartoffeln sind sehr klein, die neuen Sorten aber der Trockenheit gegenüber toleranter als die alten. Die Region von Osnabrück bis Bremen gehört dieses Jahr wohl zu den trockensten Flecken.“

Landwirt Stevens: Dritter Schnitt ist Fehlanzeige

Reinhold-Stevens-Landwirt

Landwirt Reinhold Stevens, Wietmarschen, Emsland, hat Sandböden mit ausgeprägtem Wassermangel: „Bis in zwei bis drei Meter Tiefe ist alles trocken. Kaum, dass seit April mal 3 mm Niederschlag pro Quadratmeter gefallen sind. Die Hälfte unserer Grünlandflächen hat einen zweiten Grasschnitt gebracht, teilweise aber nur einen Rundballen je Hektar. Dritter Schnitt ist Fehlanzeige. Den Mais können wir Gott sei Dank in Nachbarschaftshilfe zum Teil beregnen. Wo das nicht geht, ist er fast vertrocknet und kolbenlos. Wir haben gerade einen neuen Kuhstall gebaut und müssen nun über eine eigene Beregnungsanlage nachdenken. Bei den Milchpreisen eine schwere Entscheidung."

Bezirksförster Eckhardt: Lage ist katastrophal

Eckhardt-Matthias-Foerster

Bezirksförster Matthias Eckhardt von der Bezirksförsterei Solling beschreibt die Lage für den Forstbereich als katastrophal: "Durch die anhaltende Dürre und die starke Hitze hat die Massenvermehrung der Borkenkäfer in unserer etwa 1.000 Hektar großen Fichtenbestandsfläche einen weiteren Höhepunkt erreicht. Den frischen Stehendbefall – allein der vergangenen zwei Wochen – schätze ich auf über 10.000 Festmeter.“

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