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Werner Raupert | am

Nordzucker investiert ins Rohrzuckergeschäft

Nordzucker übernimmt die Mehrheitsanteile am australischen Mackay Sugar Limited. Zu den Gründen dieser Entscheidung.

Nordzucker und Mackay Sugar Limited haben vertraglich vereinbart: Nordzucker übernimmt mit 70% die Mehrheitsanteile an dem zweitgrößten australischen Zuckerproduzenten. Der Zeitpunkt für eine Investition in der Größenordnung von rund 76 Mio.€ ist ungewöhnlich.

Weltweit machen sich die Zuckerunternehmen Gedanken, wie sie angesichts der desaströsen Zuckerpreise ihre Kosten senken und ihre Produktion am Laufen halten können.

Die Nordzucker AG handelt mit der beabsichtigten Mehrheitsbeteiligung an Mackay Sugar Limited (MSL) dagegen völlig antizyklisch. Sie wagt den Schritt ins Zuckerrohrgeschäft.

Wachstumsregionen im Zucker außerhalb der EU

Gorissen-Lars-Nordzucker

Dr. Lars Gorissen, Vorstandsvorsitzender der Nordzucker AG, nannte Gründe: "Die Wachstumsregionen im Zucker liegen außerhalb der EU." Mit der Beteiligung an Mackay Sugar könne sich das Unternehmen einen substanziellen Anteil am australischen Markt sichern und Zugang zum südostasiatischen Markt erhalten.

Seinen Angaben nach kann die Rohrzuckerproduktion aufgrund anderer Kostenstrukturen als in der EU auch bei niedrigeren Zuckerpreisen profitabel sein. "Wir sind überzeugt, dass Mackay Sugar mit den Investitionen in die Werke mittelfristig einen nachhaltig positiven Ergebnisbeitrag zum Konzernergebnis liefern kann."

Nordzucker hat richtigen Partner gefunden

Die Transaktion wird für Mitte des Jahres angestrebt. Der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aktionäre von Mackay Sugar Anfang April - mit mindestens 75 % Mehrheit und weiterer aufschiebender Bedingungen wie dem Verkauf einer der vier MSL-Zuckerfabriken. Die Fabrik in Mossman ist nicht profitabel und liegt rund 800 km von der Region Mackay und den anderen drei Fabriken entfernt.

Nordzucker hat nach Angaben von Dr. Lars Gorissen mit MSL den richtigen Partner gefunden, um den Fuß ins lange angestrebte Rohrzuckergeschäft zu setzen. Nordzucker wird für die Beteiligung in Höhe von 70% der Anteile am Aktienkapital ein Eigenkapital in Höhe von umgerechnet rund 38 Mio.€ einbringen. Zudem wird MSL ein zusätzliches Gesellschafterdarlehen in Höhe von ebenfalls bis zu 38 Mio. € zur Verfügung gestellt.

Erstmals Produktionskapazitäten außerhalb Europas

Dr. Gorissen stellte klar, dass das Geld nicht an einen Verkäufer fließt. Es wird direkt wieder im Unternehmen aufgewendet - insbesondere für dringend anstehende Projekte. Damit soll die Schieflage von Mackay Sugar behoben werden. Diese war durch Managementfehler in der Vergangenheit eingetreten.

Die Eigen- und Fremdkapitalzufuhr soll dazu dienen, die drei verbliebenen Fabriken an der Ostküste mit einer jährlichen Produktionskapazität von etwa 700.000t Zucker technisch wieder aufzurüsten. So solle die Rohrzuckerlogistik optimiert werden.

Nordzucker baut damit erstmals Produktionskapazitäten außerhalb Europas auf und verfolgt konsequent die Strategie mit Fokus auf die Zuckerproduktion aus Rübe und Zuckerrohr.

Nordzucker: Vor allem Ersatz- und Neuinvestitionen

Mackay konnte in der Vergangenheit nicht das gesamte Rohr verarbeiten. Die Nordzucker werde daher vor allem Ersatz- und Neuinvestitionen tätigen. Außerdem werde das Unternehmen vorrangig dafür sorgen, dass die drei Werke wieder effizienter und kostengünstiger arbeiten. Zudem soll die Verfügbarkeit von derzeit nur etwa 80% deutlich gesteigert werden.

Nordzucker strebt an, den Rückfluss der aufgewendeten Mittel in einem Zeitrahmen von bis zu zehn Jahren zu rea-
lisieren. Dies gelte unter der Annahme, dass sich der Weltmarktpreis für Zucker wieder auf dem langjährigen Mittel von rund 16 Ct einpendelt.

Gorissen, der gesamte Vorstand und auch der Aufsichtsrat der Nordzucker AG stehen voll hinter der Investition. Der Rat hatte bereits am 7. Februar für das Projekt gestimmt.

Nordzucker-Mitarbeiter entsenden

Gründe für diesen Optimismus sind, dass der Markt vor Ort vielversprechend ist. Zu dem neuen Management bei Mackay Sugar bestehe ein vertrauensvoller Kontakt. Dieses trage für die derzeitige Schieflage keine Verantwortung. Auch die sehr ähnliche Unternehmensstruktur von Mackay Sugar mit Landwirten als Anteilseigner erleichtere den Einstieg in das Unternehmen.

Um den Einfluss vor Ort zu stärken, wird die Nordzucker laut Gorissen intensiv im operativen und strategischen Management mitwirken. Ziel sei es  im Management ein gemischtes Team mit Personen von Mackay und der Nordzucker aufzubauen.

Derzeit gebe es Überlegungen, vier bis fünf Nordzucker-Manager nach Australien zu entsenden. Einige Mitarbeiter der Nordzucker hätten schon Interesse bekundet, diesen Schritt zu gehen.

Nötige Expertise im Rohrzuckergeschäft

Den Vorwurf einiger Aktionäre, dass das Nordzucker-Management viel zu unerfahren im Rohrzuckergeschäft sei, ließ Gorissen nicht gelten. "Im Konzern beschäftigen wir uns schon viele Jahre intensiv mit Rohrzucker. Wir haben in diesem Bereich viel Know-how aufgebaut, sodass wir über die nötige Expertise im Rohrzuckergeschäft verfügen".

Mackay Sugar könnte nur ein erster Schritt sein. Gorissen hält es für durchaus vorstellbar, dass Nordzucker weitere Investitionen im Rohrgeschäft tätigen wird.

Servicepaket wird abgespeckt

Neben dem Projekt in Australien hat die Nordzucker noch jede Mengen anderer Baustellen. Durch die abgestürzten Zuckerpreise wird der Konzern in diesem und im nächsten Jahr Verluste in Höhe von mindestens 40 Mio. € verkraften müssen.

Um die Rübenpreise auf einem Niveau zu halten, bei dem die Rohstoffversorgung nicht in Gefahr gerät, will der NZ-Vorstand 20 Mio. € an Sach- und 20 Mio. € an Personalkosten einsparen. Umgerechnet bedeutet dies, dass etwa 200 von 700 Stellen in der Verwaltung abgebaut werden sollen.

„Zuerst hat die Reform den Landwirt getroffen, jetzt gibt es auch Konsequenzen im Unternehmen“, stellte Gorissen klar. Da Werksschließungen zurzeit kein Thema bei der Nordzucker seien, wird seinen Angaben nach beim Personal und beim Service eingespart. Der Sparkurs werde sich bis in die Rübenbüros auswirken. „Wir können zukünftig nicht mehr bei der Betreuung ein Rund-um-Wohlfühlpaket anbieten“, brachte es Gorissen auf den Punkt.

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