Biologischer Pflanzenschutz aus Niedersachsen: junge frau präsentiert Sack mit Mittel
Christel Grommel | am

Northeim: Biologischer Pflanzenschutz aus Niedersachsen

Im Familienunternehmen Biocare werden biologische Pflanzenschutzmittel entwickelt. Dabei setzt man auf Nützlinge.

"Wir arbeiten mit Nützlingen bzw. mit den Verhaltensweisen der Schädlinge und nutzen diese Eigenschaften für unsere Bioinsektizide, um die Schäden in den Kulturen zu minimieren", erklärt Elisa Beitzen-Heineke, die seit 2020 gemeinsam mit ihrem Bruder Sebastian das innovative Familienunternehmen Biocare in Dassel-Markoldendorf führt.

Dort entwickeln und produzieren sie biologische Pflanzenschutzmittel, die sowohl die ökologisch als auch die konventionell arbeitenden Landwirte unterstützen sollen. Dabei stehen hohe Wirkungsgrade, Wirtschaftlichkeit und Anwenderfreundlichkeit im Fokus. 

Alles begann mit "Trichosafe"

Wilhelm Beitzen-Heineke hatte 1995 das Unternehmen in Hullersen bei Einbeck gegründet. Über die Jahre hinweg wurde investiert und vergrößert, sodass 2012 ein Standortwechsel nach Markoldendorf erfolgte. Auf über 20.000 Quadratmetern forschen, entwickeln und produzieren 50 Mitarbeiter biologischen Pflanzenschutz.

Die Geschwister berichten stolz davon, wie ihr Vater "Trichosafe" entwickelte. Er erkannte, dass die Schlupfwespe "Trichogramma brassicae" ein effektiver und natürlicher Feind des Maiszünslers ist – ein Nützling par excellence. "Das Trichogramma-Weibchen parasitiert den Großteil der Maiszünsler-Eier, d.h., sie legt ihre Eier in die Eier des Maiszünslers. Statt Maiszünsler entwickeln sich dort neue Trichogramma-Schlupfwespen, die wiederum weitere Maiszünsler-Eier vereinnahmen und dort ihre Eier ablegen und so weiter", erklärt Elisa Beitzen-Heineke das Prinzip dieses Öko-Pflanzenschutzmittel gegen den Maiszünsler.

Angewendet wird das Mittel je nach Region ab Mitte Mai bis Anfang Juli. 

Viele Kunden sind konventionelle Landwirte

Auch "Attracap" stammt aus dem innovativen Familienunternehmen. Das Mittel wird gegen Drahtwurmbefall in Kartoffeln eingesetzt. 

Bei "Attracap" nutzt Biocare die Attract-and-Kill-Strategie – gezielte Anlockung und vor Ort töten. "Drahtwürmer können nicht sehen, sondern nur riechen. In dem Granulat, das mit dem Kartoffellegen unter die Knolle gebracht wird, sind Hefezellen als Lockstoff und der natürlich vorkommende, aber für Drahtwürmer tödliche Pilz Metarhizium brunneum. Nach Wasseraufnahme beginnen Lockstoffproduktion und Pilzwachstum. Kommt der Drahtwurm damit in Kontakt, infiziert er sich und stirbt ab", so Elisa Beitzen-Heineke.

"Viele unserer Kunden sind konventionelle Landwirte, die sehen, dass es funktioniert. Schade ist, dass es oftmals nur über Verbote funktioniert, da sollten wir alle dran arbeiten. Das Wissen ist komplex, und von daher ist es gut, dass mehr geforscht wird, um biologischen Pflanzenschutz in die Praxis zu bringen", erklärt das Geschwisterpaar abschließend.

Biocare erhielt vom BMEL mit weiteren Projektpartnern einen Zuwendungsbescheid über 843.000 Euro für die Erforschung nicht-chemischer Pflanzenschutzmittel für das Verbundvorhaben HOPE (Entwicklung holistischer Formulierungsverfahren für den biologischen Pflanzenschutz von Beerenobst).

Mit Material von LPD
Produkte entdecken

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel merken und teilen

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Thema der Woche: Alpakas und Hunde als Beschützer für Legehennen in Freilandhaltung
  • Betriebsführung: Was kostet ein neuer Mitarbeiter?
  • Pflanzenbau: Düngeverordnung - Was gilt?

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen