In Dassel im Landkreis Northeim leistet der Papierhersteller Hahnemühle Pionierarbeit und stellt Papier aus Hanf her.

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Ellen Hartmann | am

Northeim: Wie eine Firma nachhaltige Bücher aus Hanf herstellt

Der Papierhersteller Hahnemühle aus Dassel im Landkreis Northeim leistet große Pionierarbeit und stellt Papier aus Hanf her. Dabei ist das Unternehmen weltweit das Einzige. Mittlerweile produziert Hahnemühle auch Papier, dass sich für den Buchdruck arbeitet. Eine Erfolgsgeschichte.

Lange musste die Papiermanufaktur experimentieren, bis die das "richtige Rezept" für die Hanf-Papier-Herstellung gefunden wurde. Für den Künstlerbedarf stellt Hahnemühle bereits länger Papier aus Hanf her, doch für den Buchdruck muss es dünner und flexibler sein. Aber wie geht das, Papier aus Hanf herzustellen?

Papier aus Hanf, statt aus Holz

Die Papiertechnologinnen und -technologen aus Dassel fügen den Hanffasern frisches Quellwasser sowie Hilfsstoffe wie Leim und Stärke zu. Zudem besteht das Papier für den digitalen Buchdruck aus 40 Prozent Baumwollfasern. "Es sollte nach Möglichkeit eine gleichmäßige Oberfläche haben und auch eine gute Durchsichtigkeit oder Opazität haben - also nicht so wolkig sein", so Papiertechnologe Michael Eggers gegenüber dem NDR. Denn die Oberfläche muss stimmen, damit Bilder und Texte überhaupt gestochen scharf gedruckt werden können. 

Hanf-Papier: Herstellung braucht Sorgfalt

Bei der Herstellung muss aber auch darauf geachtet werden, wie die Fasern im Blatt verteilt sind. Das ist zu erkennen, wenn man das Blatt ins Licht hält. Damit die Fasern gleichmäßig verteilt sind müssen die Fasern zerkleinert werden. Zusätzlich müssen die Experten genau den richtigen Moment erwischen, der Papiermasse das Wasser zu entziehen. "Weil es ein ein Naturprodukt ist, müssen wir auch immer etwas gegensteuern", sagt Eggers. "Ich stelle das nicht einmal ein, sondern wir müssen immer wieder schauen, weil jeder Ballen sich unterschiedlich auf die Maschine auswirken kann." Jede Nutzhanf-Lieferung wird daher untersucht. Der Hanf kommt derzeit aus Frankreich. Dort wird er nachhaltih und chlorfrei gebleicht - wichtig für Hahnemühle. 

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Recycling von Hanf-Papier: geht das?

Hanffasern sind recht lang und daher besonders wertig und stabil. Wobei die Länge auch nicht einfach zu handhaben ist, weiß Eggers. "Da haben wir auch schon mal Probleme gehabt. Am Anfang, als wir die ersten Fertigungen hatten, da waren teilweise Chargen dabei, die haben sich kaum aufgelöst haben, die haben sich versponnen und dann wickeln die sich teilweise um Propeller oder verstopfen irgendeinen Regler." Papier aus Hanf herzustellen ist jedoch auch teuer. So kostet der Einkauf das Dreifache im Vergleich zu Holzfasern. Aus diesem Grund setzt kaum jemand auf Hanf als Papierrohstoff. Zudem ist noch unklar, wie Hanf-Papier recycelt werden kann. 

 

Ein Ansporn für die Zukunft

Michael Eggers schaut dennoch positiv in die Zukunft: "Es ist immer wieder eine Herausforderung und das macht aber Spaß. Da kriegt man mittlerweile auch eine gewisse Erfahrung. Man weiß: So könnte es gehen und so braucht man es gar nicht versuchen." Deshalb ist es für die Papiertechnologen denkbar, weiter in Richtung Hanf zu experimentieren und weitere Sorten zu entwickeln."

Mit Material von NDR
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