Weizenfeld
Janina Schuster | am

Notstand beim Hartweizen

Die acht Mühlen in Deutschland suchen verzweifelt nach Hartweizen. Da die Ernte in vielen Teilen der Welt suboptimal ausfiel, stiegen die Preise für das Getreide sprunghaft an.

Eine Nachricht, die vor allen Dingen eingefleischte Nudelfans beunruhigen dürfte: aufgrund einer miserablen Ernte in den wichtigen Anbaugebieten, klagen Hartweizenmühlen und Teigwarenhersteller über einen akuten Mangel an Hartweizen. Doch geht es um weit mehr als um die Versorgung mit Pasta. Der Rohstoffeinkauf für die Herstellung von Teigwaren macht einen der wichtigsten Posten in der Kalkulation aus. Bei einer Verdreifachung der Kosten könne man die Lage mit Recht als dramatisch bezeichnen. Mancherorts sei das Getreide auch gar nicht zu bekommen. Der Geschäftsführer des Verbandes der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS), Peter Haarbeck, bezeichnete die Lage am vergangenen Freitag (17.9.) in Berlin als "dramatisch". Trotzdem würden die Nudeln sicher nicht ausgehen, erklärte VGMS-Vorstandsmitglied Guido Jeremias. Es sei jedoch nicht vorhersehbar, ob in diesem Jahr alle Regale so gut mit Nudeln gefüllt werden können wie in der Vergangenheit.

Qualität von Hartweizen leidet unter Wetterextremen

Jeremias Einschätzungen zufolge wird es wegen der globalen Erderwärmung immer häufiger zu extremen Wetterereignissen kommen. Das wiederum wird Auswirkungen auf die Getreideernten und deren Qualität haben. In Folge von Dürre und Hitze in den USA und Kanada, Überschwemmungen in Frankreich und zu viel Regen in Mitteleuropa sei die Hartweizenerzeugung dramatisch geschrumpft. Insbesondere Kanada bestimmt im Normalfall die Erntebilanz, ist das Land der wichtigste Exporteur für Hartweizen. 2020 exportierte Kanada noch 5,8 Millionen Tonnen und damit 90 Prozent seiner Ernte in die USA, nach Maghreb und nach Europa. In diesem Jahr fällt die Ernte dort deutlich geringer aus. Lediglich 3,5 Millionen Tonnen seien dort geerntet worden. Das sind 46 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. "Dieses Jahr wird Kanada die in Europa benötigten Mengen bei weitem nicht zur Verfügung stellen können", so Jeremias.

Deutschland kann eigenen Bedarf nicht decken

In Italien und der Türkei wird Hartweizen ganz besonders dringend benötigt. Beide Länder sind als große Nudelproduzenten bekannt und trotz inländischem Anbau und diesjährig erfolgreicher Ernte auf Importe angewiesen. Obwohl Mitteleuropa eine mengenmäßig gute Ernte hervorgebracht hat, ließ die Qualität teilweise sehr zu wünschen übrig. Zur Erntezeit führte Regen vielerorts zu Auswuchs. Ähnlich sieht die Lage in Frankreich aus. Nur wenig der Ware war mühlenfähig. In Deutschland liegt der Bedarf der acht Hartweizenmühlen bei jährlich insgesamt 400.000 Tonnen Hartweizen. Dieser Bedarf lässt sich mit den deutschen Ernteerträgen jedoch nicht decken. In Deutschland konnte eine Ernte von 215.000 Tonnen Hartweizen erzielt werden.

Mit Material von AgE
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