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Edith Kahnt-Ralle | am

Ostfriesland: Das Problem mit den Wildgänsen

An Niedersachsens Küsten treten die nordischen Gastvögel teils in sehr großer Anzahl auf. Das verursacht Schäden an Acker und Grünland. Auf Grünland wird nun auch ein Ausgleich für Rastspitzen gezahlt.

Zugegeben, der Wolf hat den Wildgänsen in der Berichterstattung längst den Rang abgelaufen. Doch gerade am Beispiel der nordischen Gastvögel zeigt sich, was eine konsequente Unterschutzstellung über Jahrzehnte an Positivem, aber auch Negativem zur Folge hat.

Während die Landwirte vom Land einen Managementplan zur Eindämmung der Wildgänse fordern, ist das Land bemüht, für Gänsefraßschäden einen Ausgleich zu zahlen. Die Zahlungen für Gänsefraßschäden nehmen kontinuierlich zu, wie aus den Antworten des NLWKN auf unsere Fragen hervorgeht.

250.000 Gänse in Niedersachsen

Aus einigen Regionen sind über längere Zeiträume Verschiebungen innerhalb des Rastgeschehens belegt. Landesweit ist von einem komplexen und in seiner Entwicklung kaum vorhersehbaren Zug- und Rastgeschehen der Weißwangengans, aber auch anderer nordischer Gänsearten auszugehen.

Die Fachbehörde für Naturschutz schätzt den derzeitigen maximalen Rastbestand an Weißwangengänsen in Niedersachsen auf etwa 250.000 Individuen. In der außergewöhnlichen Rastperiode 2019/2020, in der in einigen Gebieten die Grasnarbe durch Mäuse bereits stark geschädigt war, trafen die rastenden Gänse manche Betriebe besonders schwer, indem sie die letzten grünen Bereiche und Neuansaaten zur Rast nutzten, so Dörr weiter.

Finanzielle Unterstützung durch Rastspitzenmodell

Im Rheiderland und in der Wesermarsch konnte einem Teil der betroffenen Betriebe eine finanzielle Unterstützung im Rahmen des Praxistests für das Rastspitzenmodell auf Grünland angeboten werden. 

Insgesamt wurden 196 Flächen mit insgesamt 660 Hektar innerhalb der möglichen Förderkulisse gemeldet und besichtigt. 93 Flächenmeldungen kamen aus dem Rheiderland, 103 aus der Wesermarsch. Es wurden sowohl Fraßschäden auf Neuansaaten als auch auf Altnarben gemeldet.

Und so wird bei der Feststellung der Schäden vorgegangen: Um den Ertragsverlust im Grünland festzustellen, werden Altnarben und Neuansaaten kurz vor dem ersten Schnitt besichtigt. Dabei wird die Wuchshöhe in den Arealen, die von Gänsen befressen bzw. nicht befressen wurden, vermessen. Die so ermittelten Ertragsverluste werden mit Erträgen aus der Grünlandreifeprüfung verglichen. Honoriert werden die Ertragsverluste über eine Kostenaufstellung für Ersatzfuttermittel. 

Mit diesen Zahlungen werden Betriebe, die teilweise sehr schwere Ertragseinbußen beim ersten Schnitt hinnehmen müssen, erreicht. Die Resonanz sei durchweg positiv, auch wenn in der Pilotphase noch nicht alle betroffenen Betriebe erreicht wurden, stellt Bettina Dörr vom NLWKN fest.

Flächen sind kahlgefressen und verkotet

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Die Scharen von Nonnen- und Blässgänsen hinterlassen kahlgefressene und verkotete Weiden und Getreideschläge. Es kommt hinzu, dass befallene Flächen, die nicht in der sogenannten Gänsekulisse liegen, vom Land keine Ausgleichszahlung erhalten. „Die Landwirte bleiben auf den wirtschaftlichen Schäden sitzen“, stellt Rudolf Bleeker, Geschäftsführer des Kreislandvolks in Leer, fest.

Vor zwanzig Jahren wurden die Wildgänse von der EU unter Schutz gestellt, was angesichts der damals niedrigen Populationszahlen laut Bleeker noch nachvollziehbar war. Doch heute hat sich die Anzahl der nordischen Rastvögel auf etwa 1 Mio. erhöht, wie das Landvolk Mitte 2020 meldete. Vor diesem Hintergrund könne man die Population dieser Gänse nicht mehr als gefährdet bezeichnen, erklärt Bleeker weiter.

Ein Vergrämen der Gänse zum Schutz des Pflanzenaufwuchses ist weitestgehend verboten und laut Bleeker auch wenig erfolgreich. Es kommt hinzu, dass sich Gänse nicht an Gänsekulissen halten und logischerweise immer dorthin fliegen, wo das Nahrungsangebot am besten ist. Gerade in diesem Winter bangen Landwirte vor allem um ihre Grünlandneuansaaten, die infolge der massiven Trocken- und Mäuseschäden im letzten Frühjahr großflächig vorgenommen werden mussten. 

Landwirte/innen wollen echten Ausgleich

Während die Gänse nicht lange auf sich warten lassen, müssen die betroffenen Landwirte bei den Ausgleichszahlungen schon Geduld beweisen. Warten müssen auch die Landwirte, die seit Jahren Schadensersatz für die jahrzehntelangen Gänseschäden beantragt haben.

Bei allen Bemühungen des Landes für einen Ausgleich von Gänseschäden, fordern die Landwirte weiterhin einen echten Ausgleich für tatsächlich entstandene Schäden anstelle von errechneten Durchschnittswerten. Ein Ausgleich müsse auch für Flächen außerhalb der Gänsekulissen gezahlt werden.

Ganz wichtig ist den Landwirten aber ein Managementplan, um die Gänsezahlen zu begrenzen.

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