Traktor mit Pflug auf Acker

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Dr. Olaf Zinke | am

Pfluglos ackern braucht mehr Glyphosat – das Dilemma

Ein Dilemma: Landwirte, die pfluglos arbeiten und ihren Boden gegen Erosion schützen wollen, müssen mehr Glyphosat einsetzen – oder ein anderes Totalherbizid, sagen Wissenschaftler.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hat im letzten Jahr - entgegen dem langjährigen Trend - zugenommen, nämlich um 4 %. Insbesondere der Einsatz von Herbiziden war deutlich höher. Was aber könnten die Gründe für den plötzlich höheren Herbizid-Einsatz sein, der so gar nicht in den langjährigen Trend passt?

Ökonomische Anpassungsreaktion

Eine Erklärung liegt auf der Hand und ist eine unmittelbare pflanzenbauliche und ökonomische Anpassungsreaktion der deutschen Ackerbauern an die sich rasch verändernden klimatischen Bedingungen: Vor dem Hintergrund von extremer Dürre, Trockenheit und Starkregenereignissen versuchen offenbar immer mehr konventionelle Ackerbauern ihren Acker zumindest teilweise pfluglos zu bearbeiten (konservierende Bodenbearbeitung).

Dabei findet man in der Praxis oft „Kompromissverfahren“, bei denen eben nur teilweise auf den Pflug verzichtet wird, aber bei Bedarf auch gewendet wird. Das geschieht etwa beim Anbau von Wintergerste nach Winterweizen, um Weizendurchwuchs vorzubeugen, oder nach Körnermais zu Winterweizen für die Zünslerbekämpfung und der Vorbeugung von Fusariosen, sagen Praktiker.

Direktsaat oft nur in Kombination mit Totalherbzid

Ziel der konservierenden Bodenbearbeitung ist es, die Flächen so besser vor Erosion und Austrocknung zu schützen. Das führt allerdings dazu, dass die Landwirte zur Unkrautbekämpfung mindestens einmal ein Totalherbizid einsetzen müssen, sagen Wissenschaftler wie Axel Don vom Thünen-Institut oder Michael Schulte von der Uni Göttingen.

Axel Don sagt: „Direktsaat ist nur in Kombination mit einem erhöhten Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln möglich, da die Bodenbearbeitung eine wichtige Maßnahme zur Unkrautbekämpfung ist. Mindestens ein zusätzlicher Einsatz eines Totalherbizids (z.B. Glyphosat) ist bei Direktsaatverfahren nötig.“

Auch Schulte und sein Team gingen in einer Untersuchung davon aus, dass ohne den Einsatz von Glyphosat mittelfristig die reine Mulchsaat zurückgedrängt und an ihre Stelle wieder der Pflugeinsatz treten müsste. Damit würde jedoch die Erosionsgefährdung zunehmen und auch negative Effekte durch Starkregenereignisse.

Dabei hat die konservierende Bodenbearbeitung auch zusätzliche positive ökonomische Effekte: Nämlich der geringere Verbrauch an Dieselkraftstoff (weniger Überfahrten) und die Einsparung von Arbeitszeit.

Im Umkehrschluss kommt Schulte zu dem Ergebnis, dass ein Verzicht auf Glyphosat bei der konservierenden Bodenbearbeitung in jedem Fall ökonomische Nachteile zur Folge hätte, wobei die Auswirkungen je nach Fruchtfolge unterschiedlich hoch ausfallen würden.

37 Prozent verzichten teilweise auf den Pflug

Leider gibt es keine ganz aktuellen Zahlen über die Zahl der Betriebe, die ihren Boden in Deutschland pfluglos bearbeiten. Eine umfassende Erhebung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) aus dem Jahr 2016 zeigt jedoch zwei Dinge: Viele Betriebe arbeiten nicht ausschließlich pfluglos oder mit Pflug, sondern mixen beide Verfahren – und ihre Zahl ist gar nicht so klein.

Die Statistiker sagen dazu: Im Wirtschaftsjahr 2015/2016 verzichteten 37 % der landwirtschaftlichen Betriebe auf ihren Ackerflächen zumindest teilweise auf den Pflugeinsatz und setzten auf die konservierende Bodenbearbeitung. Hierbei kommen nichtwendende Bodenbearbeitungsgeräte zum Einsatz (z. B. Grubber oder Eggen), die den Boden weitgehend in seinem Aufbau belassen. Diese reduzierte Form der Bodenbearbeitung wurde auf 40 % der Ackerfläche angewendet.

Größere Betriebe setzen mehr auf konservierende Bodenbearbeitung

Dabei steigt die Akzeptanz konservierender Bodenbearbeitungsverfahren offenbar mit zunehmender Betriebsgröße. Während in Betrieben mit einer Größe von unter 30 Hektar Ackerland nur insgesamt 15 % der Ackerfläche der konservierenden Bodenbearbeitung unterzogen worden sind, wurde dieses weniger intensive Bearbeitungsverfahren in Betrieben mit 30 und mehr Hektar Ackerland bereits auf etwa 43 % der Ackerfläche eingesetzt.

Das Direktsaatverfahren ohne jegliche Bodenbearbeitung war in Deutschland zu diesem Zeitpunkt (2016) noch kaum verbreitet (1 % der Ackerfläche). Lediglich auf knapp 94.000 Hektar wurde die Saat direkt in den unbearbeiteten Boden eingebracht.

Diese Zahlen dürften allerdings von der Wirklichkeit überholt worden sein – denn in vielen Regionen haben sich Landwirte aus pflanzenbaulichen und aus ökonomischen Gründen für die pfluglose Bodenbearbeitung entschieden. Und das Wetter der letzten Jahre dürfte dieser Entwicklung einen kräftigen Schub gegebenen haben.

Köckerling-Biogrubber

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