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Felicitas Kaemena, LWK Niedersachsen | am

Ratgeber: Alte Grasnarben angepasst erneuern

Nur bei bester Pflege lässt sich die Grünlandnarbe über viele Jahre in guter Qualität erhalten. Doch manchmal reicht auch die nicht. Dann müssen Narben neu angesät werden.

Mäuse, Trockenheit und Tipula – es gibt mehrere Faktoren, die dem Grünland besonders in den vergangenen Jahren viel abverlangt haben. Versuche, die Grünlandnarbe durch Nachsaaten zu verbessern, haben oftmals, auch aufgrund von unzureichenden Niederschlägen, nicht den gewünschten Erfolg gezeigt. Nun gilt es, zum Spätsommer erneut einen Blick auf Ihre Grünlandflächen zu richten und gezielt Verbesserungsmaßnahmen zu planen. Wer sein Grünland neu ansät, sollte sehr sorgfältig vorgehen und die Neuansaat immer im Blick behalten.

Nach- oder Neuansaat?

Der schnellste Weg zur Narbenverbesserung bleibt die Neuansaat. Diese ist im Vergleich zur Nachsaat bei der Anlage aber auch risikoreicher und kostenintensiver. Neuansaaten sollten daher auf die Fälle beschränkt bleiben, bei denen entartete Grünlandnarben oder leistungsschwache Bestände nicht mehr durch Nachsaaten verbessert werden können oder Bodenunebenheiten eine Einebnung erforderlich machen. Welche der beiden grundsätzlichen Maßnahmen für die Grünlandverbesserung erforderlich sind, hängt vom Schadbild der Einzelfläche ab und muss vor Ort entschieden werden.

Neuansaaten sind im Allgemeinen dann erforderlich, wenn der Anteil an Kulturgräsern unter 50 % liegt und der Bestand von hartnäckigen Ungräsern und Unkräutern (wie Quecke, Ampfer, Bärenklau, Hahnenfuß und Wiesenkerbel) durchsetzt ist. Nachsaaten haben hier aufgrund des hohen Konkurrenzdruckes wenig Erfolg.

Den richtigen Zeitpunkt zur Ansaat wählen

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Der Ansaaterfolg bei Neu- und Nachsaaten hängt neben den Vorbereitungen eines feinkrümeligen Saatbettes, einer flachen Saatgutablage und der richten Wahl der Gräsermischung auch von der Witterung ab. Im Spätsommer und im zeitigen Herbst ist die Erfolgsquote häufig höher als im Frühjahr. Die Ursachen sind nicht allein in der besseren Niederschlagsverteilung zu sehen. Bei Nachsaaten gilt zusätzlich, dass in der zweiten Vegetationshälfte des Jahres auch die Konkurrenzkraft der Altnarbe nachlässt, sodass die Grassaat nicht so schnell überwachsen werden kann. Die Keimlinge bekommen so ausreichend Luft und Licht.

Saatstärke nicht zu hoch einstellen

Bei einem feinkrümeligen und rückverfestigten Saatbett sowie einer flachen Ablage ist eine Saatstärke von 30 kg/ha für die Qualitätsstandardmischungen GI bis GIV völlig ausreichend. Diese Saatstärke entspricht einer Ausbringung von 3.000 Samen pro Quadratmeter. Wird die Saatstärke höher gewählt, führt das zu einem Konkurrenzdruck der Keimlinge untereinander, vor allem der verschiedenen Grasarten. Arten mit einer schnellen Jugendentwicklung sind dann deutlich im Vorteil gegenüber denjenigen Arten, die sich langsamer entwickeln. Schwächen in der Anbautechnik oder verspätete Saattermine lassen sich über eine zu hohe Saatstärke entsprechend nicht kompensieren.

Das richtige Saatgut für die Aussaat

Mit dem Kauf einer hochwertigen Qualitätsstandardmischung werden die Weichen für einen leistungsstarken, ausdauernden Grünlandbestand gestellt. Ob sich wertvolles Dauergrünland oder eine Grünlandnarbe entwickelt, die nach wenigen Jahren wieder erneuerungsbedürftig ist, hängt neben einer guten Grünlandpflege, einer witterungs- und standortangepassten Nutzung, einer ausgewogenen Nährstoffversorgung auch von der Qualität der Mischung ab. Je schneller Fehlstellen als Folge ungeeigneter Sortenwahl, falscher Nutzung und Düngung zu lückigen Narben führen, desto häufiger sind Neuansaaten bzw. Nachsaaten erforderlich. Mit steigender Ausdauer gehen die anteiligen jährlichen Kosten für die Grünlanderneuerung dagegen deutlich zurück. Die Ausdauer einer Saatgutmischung ist hierbei abhängig von der Saatgutqualität.

Neuansaaten gut pflegen

Für die Bestandesentwicklung der jungen Saat ist es wichtig, dass bereits im ersten Nutzungsjahr eine intensive Nutzung erfolgt, damit die Gräser zur Bestockung angeregt werden und Lücken schnell geschlossen werden. Bei einem zu hohen Unkrautvorkommen ist gegebenenfalls eine chemische Bekämpfung noch im Herbst notwendig. Ist dieser Termin durch schlechte Witterungsverhältnisse und Unbefahrbarkeit der Flächen nicht wahrzunehmen, sollte die Unkrautregulierung im zeitigen Frühjahr erfolgen.

 

Einen ausführlichen Beitrag zur aktuellen Rechtslage bezüglich der Neuansaat lesen Sie in der LAND & FORST Ausgabe 30/21. 

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