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Albert Spreu, RKL | am

Ratgeber: Druschfrüchte richtig lagern

Die zurückliegenden Erntejahre waren für die Landwirtschaft eine Herausforderung. Gerade zur Druschfruchternte war die Witterung im norddeutschen Raum teilweise extrem. Wie kann man bei der Lagerung darauf reagieren?

Für die Praxis gab es 2017 einen sehr feuchten Sommer mit all seinen Erschwernissen zur Ernte und Lagerung. Das Folgejahr hingegen war von Trockenheit geprägt und die zwei folgenden Ernten 2019 und 2020 waren unterdurchschnittlich in Bezug auf die Erntefeuchte.

Es zeigt sich, dass in der Urproduktion nach wie vor eine hohe Flexibilität notwendig ist. So entstehen von Jahr zu Jahr neue Herausforderungen für die Lagerhaltung.

Drei Feuchtegrenzen im Korn

Grundsätzlich gilt für die meisten Getreidearten ein Feuchtegehalt von 14,5 % als Handelsbasis und auch als Ziel jeglicher Konservierungsvorgänge sowie in der Lagerhaltung. Für die Kleinsämereien, wie Raps, liegt dieser bei 9 %. Diese Feuchtegehalte werden landläufig auch mit der Lagerstabilität gleichgesetzt.

Allerdings liegen die natürlichen physiologischen Feuchtegrenzen tatsächlich in anderen Bereichen. Wenn man so will, gibt es drei relevante Feuchtegrenzen:

  • Ware mit einem Feuchtegehalt von >18 % ist biologisch hoch aktiv und muss schnellstmöglich einem Konservierungsprozess zugeführt werden, sodass diese gestoppt und eine Qualitätsveränderung vermieden wird. Eine Zwischenlagerung sollte auf allerhöchstens drei Tage begrenzt werden. Die Trocknungsanlage muss so dimensioniert sein, dass das Gut verarbeitet werden kann.
  • Mit einem Feuchtegehalt von 16 % ist die biologische Aktivität im Korn relativ gering und bei entsprechender Kühlung auch dauerhaft lagerfähig. Diese Ware ist zwar so nicht ohne Abzüge handelbar, allerdings besteht kein Bedarf, bspw. für Tierhalter, diese einer Trocknung zu unterziehen.
  • Getreide mit einem Feuchtegehalt von 12 % und weniger, ist biologisch so gut wie gar nicht mehr aktiv und sogar ohne Kühlung dauerhaft lagerfähig. Hier stellt sich jedoch der eine oder andere Praktiker die Frage, wie man solche Ware wieder anfeuchten kann, um die verlorene Masse wieder zu erlangen.

Feuchte im Korn kennen

Prinzipiell folgt der Feuchtegehalt im Getreidekorn den Luftbedingungen der es umgebenden Luft. So strebt das Korn immer zu einem Gleichgewicht zwischen der Kornfeuchte und der relativen Luftfeuchtigkeit der umgebenden Luft in Abhängigkeit von Temperatur und Luftdruck. 

So kann eine Trocknung oder aber auch Anfeuchtung entstehen. Gerade bei ungeschickter Belüftung kommt es immer wieder zur Anfeuchtung des eigentlich auf die Handelsbasis getrockneten und eingelagerten Getreides.

Der Grund dafür ist darin zu sehen, dass das Lagergut mit Luft in Berührung kommt, welche eine höhere Luftfeuchtigkeit hat und somit das Korn wiederum anfeuchtet. Dieses Prinzip wird sich allgemeinhin bei der Lagerbelüftungstrocknung zu Nutze gemacht.

Lagerbelüftung

Diese Form der Trocknung bedarf nur selten einer zusätzlichen Zuheizung, um die Trocknungsluft entsprechend zu konditionieren. In der Praxis wird hier i.d.R. mit Flüssiggas betriebenen Brennern gearbeitet, die ca. 3 bis 8 % der Gebläselaufzeit zugeschaltet werden müssen.

Lagerbelüftungstrocknungen mit Teilumluftverfahren kommen teils ohne zusätzliche Wärmequelle aus. Dieses Konservierungsverfahren ist höchst energieeffizient und benötigt ca. 0,5 bis 0,8 kWh pro kg entzogenes Wasser. Zudem ist es das einzige Trocknungsverfahren, welches vollautomatisch den Trockungsprozess regelt und bei Erreichen des Trocknungszieles stoppt.

Am Markt sind individuelle Anlagen in Form von Getreidehallen, welche als Lagerbelüftungstrocknung konzipiert werden sowie Systemlösungen, die als Rundsilozellen angeboten werden, verfügbar. Interessanterweise findet dieses Trocknungsverfahren gerade dort Verbreitung, wo der Trocknungsbedarf traditionell sehr hoch ist.

Schnelltrocknungszellen

In den vergangenen Jahren entstanden zunächst Insel- und Individuallösungen zur Verarbeitung von feuchtem Getreide im Hallenbau. Diese haben sich mittlerweile zu konkreten Systemlösungen entwickelt.

Von den Anlagenbauern werden sogenannte Schnelltrocknungszellen angeboten. Diese werden in zwei Varianten ausgeführt.

Zum einem mit einem befahrbaren Belüftungsboden und einer dazugehörigen Mischtraverse mit entsprechendem Rührschneckensystem. Ganz ähnlich, wie es bereits vom Silotrockner bekannt ist. Der Vorteil besteht darin, dass die vorhandene Fördertechnik der Getreidehalle zu Befüllung sowie auch die Gebäudehülle genutzt werden kann. So können auch sensible Trocknungsgüter, wie Bohnen und Erbsen schonend in größeren Mengen und überfeuchtes Getreide mit Feuchtegehalten von mehr als 19 % getrocknet werden.

Die zweite Bauform der Schnelltrocknungszelle verfügt über einen Schrägboden mit 28° Neigung und entsprechenden Düsenblechen, welche zur Zellenmitte hin ausgerichtet sind. Die Positionierung der Zellen in einer Halle ist hoch flexibel. Die Befüllung und Entleerung geschieht vollautomatisch, sodass der Arbeitsaufwand relativ gering ausfällt.

Fazit

  • Die Lagerlogistik sowie die Aufbereitung der Druschfrüchte nehmen auf den Betrieben weiterhin an Bedeutung zu.
  • So vielfältig wie die Landwirtschaft selbst, sind auch die Lösungsansätze dazu.
  • Es sind mittlerweile viele Konzepte von Insel- und Individuallösungen bis hin zu Systemlösungen vorhanden.

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