Getreide befallen von Kornkäfern
Charlotte Meyer | am

Ratgeber: Getreidevorräte erfolgreich schützen

Nachdem das Korn auf dem Acker mit viel Mühe angebaut worden ist, gibt es im Lager die nächste Bedrohung. Ein Experte gibt Tipps.

Ist die Ernte trocken und mit zufriedenstellenden Erträgen eingefahren, scheint alles sicher. Doch auch im Lager drohen verschiedene Gefahren, die das Lagergut gefährden können. Biologe Dr. Cornel Adler ist bereits seit vielen Jahren Wissenschaftler im Julius- Kühn- Institut Berlin. Dort befasst er sich mit vorratsschädlichen Insekten und Verfahren zur Vermeidung, Früherkennung und umweltfreundlichen Bekämpfung, dem integrierten Vorratsschutz. Er beantwortete uns Fragen dazu, wie sich ein Getreidelager möglichst sicher gegen Schädlinge gestalten lässt:  

Die Getreideernte steht vor der Tür. Welche Ratschläge können Sie den Bauern jetzt noch bezüglich einer ordnungsgemäßen Lagerhygiene geben?

  • Zukünftige Lagerräume sollten Sie zunächst komplett leeren und gründlich reinigen. Achten Sie dabei darauf, dass Ritzen und Fugen verschlossen und Getreidereste per Staubsauger entfernt werden.
  • Da der Getreideduft Schädlinge anlockt, sollten Sie Öffnungen, Ritzen in Toren und Fenstern nach draußen verschließen.
  • Das Getreide sollte bereits ausreichend trocken und vorgereinigt eingelagert werden. Dabei gilt: Je kälter und je trockener Sie lagern, desto schwerer haben es Schadinsekten. Unter etwa 14°C Korntemperatur müssen nur noch Nager und Vögel ferngehalten werden. Die Feuchte sollte unter 14 %, bei mehr als fünf Monaten Lagerdauer unter 13% liegen.
  • Falls Ihnen vor der Ernte noch Zeit bleibt, sollten Sie Fanghaufen mit Getreide für 14 Tage auslegen. Käfer/Motten hungern nicht gerne und locken Artgenossen in den Haufen.
  • Aufgestellte Fallen im Lagerraum zeigen Ihnen außerdem vor und nach Einlagerung an, ob Insekten unterwegs sind.

Wie sollte ein neu gebautes Lager idealerweise aussehen?

  • Wenn Sie einen Neubau planen, empfiehlt sich die Investition in ein gasdichtes Flachlager.
  • Bevorzugen Sie Tageslicht während länger andauernden Arbeiten im Lager, sollten die Fenster anschließend komplett abgedunkelt werden können.  
  • Glatte Böden und Wände sowie rund ausgegossene Ecken erleichtern Ihnen die Reinigung.
  • Planen Sie beim Neubau eine Kühlbelüftung ein, deren Lüftungskanäle aber gasdicht verschließbar sind, damit keine Insekten von außen über Düfte angelockt werden.
  • Solide Wände und Decken mit Wärmeisolierung sind wichtig, damit es nicht heiß wird im Lagerraum.
  • Vermeiden Sie Hohlräume: Diese geben vier- und sechsbeinigen Schädlingen Unterschlupf.

Was ist zu tun, wenn bei Kontrollen im Lager tierische Schädlinge wie der Kornkäfer gefunden werden?

Kornmottenbefall im Getreidelager
  • Nehmen Sie zunächst eine genaue Schädlingsbekämpfung vor, denn manchmal ist es nur eine Staublaus und kein Kornkäfer.
  • Staubläuse und Getreideplattkäfer können durch zweimaliges Umlaufen des Getreides mit Windsichtung  wirksam reduziert werden.
  • Die im Korn verborgenen Eier, Larven und Puppen des Kornkäfers werden so kaum reduziert und sind etwas schwierigere Kandidaten. Bei geringem Befall können Sie den Schädling biologisch mit der Lagererzwespe Lariophagus bekämpfen. Bei schwerem Befall empfiehlt sich die Prallung und Ausreinigung oder die Begasung des Getreides und des Leerraums. Anschließend ist das Getreide aber feucht und kann schimmeln oder Milben die Massenentwicklung erlauben. Es sollte bei erhöhter Feuchte also dringend getrocknet werden.  
  • Unterschätzen Sie nicht, dass auch vermeintlich verschlossene Verpackungen Öffnungen für Schädlinge bieten. So kommen beispielsweise die winzigen Eilarven der Motten durch die Einstichlöcher der Nadel in vernähte Futtersäcke. Dort bleibt der Befall unentdeckt, bis sich die Wanderlarven nach draußen fressen und Löcher in die Säcke bohren. Löcher sind also immer Ausbohrlöcher verpuppungsreifer Motten oder junger, geschlechtsreifer Käfer.
  • Zur möglichst frühen Schädlingserkennung sollten Sie Fallen im Lager aufstellen. Hier sind Klebefallen am Boden und in der Luft sinnvoll, um Insekten einzufangen. Pheromontrichterfallen mit etwas Wasser im Auffangbehälter in Lägern mit Staubanfall oder Pheromonklebefallen bei lagerndem Getreide können außerdem Motten frühzeitig anzeigen.

Welche chemischen Mittel stehen noch zur Verfügung und was ist beim Einsatz zu beachten?

  • Derzeit sind Mittel mit Kieselgur, die Pyrethroide Deltamethrin und Cyfluthrin oder auch Naturpryrethrum zugelassen.
  • Begasungsmittel wie Phosphorwasserstoff dürfen nur in gasdichten oder gut abgedichteten Räumen oder unter gasdichter Folie eingesetzt werden. Ihr Einsatz ist nur geprüften Begasungsscheininhabern erlaubt, zahlreicheSicherheitsvorkehrungen sind zu beachten.
  • Kohlendioxid ist als Begasungsmittel auch in Ökogetreide einsetzbar, aber auch dabei müssen im Gebäude Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.
  • Alle derzeit zugelassenen Mittel und Wirkstoffe für den Vorratsschutz findet man auf der Webseite der Bundesanstalt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Hat es bei den Lagerschädlingen in den letzten Jahren – Stichwort invasive Arten – Veränderungen gegeben?

  • Es treten in heißen Sommern vermehrt Reiskäfer und Getreidekapuziner auf, die aus den Mittelmeerländern stammen.
  • Zu den Schädlingen im Getreidelager gehörten in den letzten Jahren auch vermehrt Dörrobstmotten, die teilweise Mehlmotten und Speichermotten ersetzt haben.
  • Durch den Klimawandel gibt es noch eine weitere Veränderung: Es kommt gelegentlich schon zu Befall mit Vorratsschädlingen im Feld. 2018 konnte beobachtet werden, wie Kornkäfer aus der Ähre schlüpften, was schon bei der Ernte zu Schädlingsproblemen führte.
Mit Material von Dr. Cornel S. Adler, Julius-Kühn-Institut Berlin

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