Aussaat-Winterweizen
Dr. Ulrich Lehrke, LWK Niedersachsen, Bezirksstelle Hannover | am

Ratgeber: Das ist bei der Herbst-Aussaat zu beachten

Die diesjährige Ernte vom Wintergetreide war vor allem im südlichen Niedersachsen auf den tiefgründigen Lehmstandorten wider Erwarten gut. Jetzt rückt die Herbstaussaat näher, wobei es einiges Neues zu beachten gibt.

Die wichtigsten Infos vorweg

  • Ein schneller und gleichmäßiger Feldaufgang ist die Voraussetzung für eine gute Getreideernte.
  • Eine ausreichende Bestockung vor Winter verbessert die Entwicklungsmöglichkeiten der Bestände im Frühjahr.
  • Die Aussaat sollte unbedingt termingerecht erfolgen.
  • Das abtragende Getreide sollte im Herbst durch eine Phosphatdüngung in seiner Entwicklung gefördert werden.
  • Eine intensive Bodenlockerung fördert die Entwicklung der Bestände und die Nährstofffreisetzung.

Gerste und Roggen überzeugen

Die frühe Trockenheit ab März hatte im Norden und Osten Niedersachsens in dieser Saison bereits starke Schäden in der Bestandesbildung nach sich gezogen, sodass die Ernte auf den schwächeren Standorten zum dritten Mal in Folge unterdurchschnittlich ausfiel.

Aufgrund ihrer frühen Entwicklung war jedoch die Gerste häufig auf allen Standorten besser als der Weizen. Auch der Roggen konnte aufgrund seiner besseren Wasser- und Nährstoffaneignung auf vielen Standorten noch überzeugen.

Roggen: Vorteile in Roten Gebieten

Gerste und Roggen werden daher vermutlich in der neuen Anbauperiode weiter an Bedeutung gewinnen. Der Anbau von Roggen wird zudem durch die Begrenzung der Wasserrechte weiter zunehmen.

Darüber hinaus hat der Roggen auch in den zukünftigen Roten Gebieten deutliche Vorteile gegenüber dem Weizen, da er auch bei einer um 20 % reduzierten Düngung kaum Ertragsverluste erleiden wird. Demgegenüber drohen beim Weizen und auch bei der Gerste deutliche Ertrags- und Qualitätsverluste.

Der Anbau von Gerste wird beschnitten, da ab diesem Jahr eine Herbstdüngung im Frühjahr abgezogen werden muss. Eine Herbstdüngung muss daher wohl überlegt sein. Die neue Regelung ist fachlich kaum nachzuvollziehen und wird Ertragsverluste zur Folge haben.

Weizen: Frühe Sorten schneiden gut ab

Vor allem beim Weizen haben wieder die frühen Sorten gut abgeschnitten. Spätere Sorten wie z.B. Informer haben dagegen eher enttäuscht. Für den Anbauerfolg ist auch in Zukunft eine gute Mischung von frühen und späten Sorten nötig, denn die Witterung bleibt unberechenbar.

In Hinblick auf die Aussaat haben in den letzten trockenen Jahren die früheren Saaten besser abgeschnitten. Die Wärme der vergangenen Wochen spricht jedoch gegen eine zu frühe Saat. Dennoch sollte angestrebt werden, dass Wintergetreide zu optimalen Terminen zu bestellen.

Gerste: Ertragsstabil

Die Anbaubedeutung von Gerste ist in den letzten Jahren wieder leicht angestiegen. Dies ist vor allem in ihrer Ertragsstabilität begründet. Darüber hinaus hilft der Anbau von Gerste das Druschfenster zu erweitern und auch die Aussaat von Raps und Zwischenfrüchten zu begünstigen.

Das Sortenspektrum ist zwar recht klein, das Sortenangebot aber relativ groß. Große Anbaubedeutung haben vor allem die Sorten KWS Orbit sowie KWS Higgins sowie Quadriga. Vor allem Higgins ist jedoch sehr anfällig.

Aufgrund des Wegfalls der Kontaktfungizide zur Bekämpfung von Ramularia im nächsten Jahr sollte bei der Sortenwahl bei Gerste die Gesundheit und die Standfestigkeit der Sorten mehr beachtet werden. Hier zeichnen sich u.a. Jule und KWS Flemming positiv aus.

Auch die Hybriden wie Galileoo oder Jettoo sind inzwischen deutlich gesünder geworden. Allerdings sind die Hybriden meist sehr lang und lageranfällig. Ihr Anbau könnte jedoch vor allem in Roten Gebieten interessanter werden. Erste Versuche deuten auf eine bessere Nährstoffaneignung hin. Hier sind jedoch noch weitere Untersuchungen erforderlich.

Gerste: Zusätzliche Stickstoffdüngung sinnvoll

In den meisten Fällen sollte zur Förderung der Bestockung eine Phosphat-Gabe nach der Saat erfolgen. Hier reichen etwa 30 bis 50 kg/ha Phosphor u.a. in Form von TSP aus. Soll Gerste nach Getreide pfluglos bestellt werden, ist in den meisten Fällen eine zusätzliche Stickstoffdüngung sinnvoll. Sie kann organisch oder mineralisch erfolgen. Der Düngebedarf bei Gerste liegt bei maximal 40 kg N/ha. Sofern das Stroh abgefahren wurde, dürfen nur noch maximal 20 kg N/ha gedüngt werden.

Roggen: Das sind anbaustarke Sorten

Aufgrund der Möglichkeit der Hybridzüchtung als Fremdbefruchter findet beim Roggen eine intensive Zuchtaktivität statt. Dies zeigt sich u.a. in einem sehr schnellen Sortenwechsel. Zuchtfortschritt zeigt sich derzeit vor allem in der Verbesserung der Gesundheit sowie der Standfestigkeit.

Anbaustarke Sorten sind z.B. KWS Tayo, KWS Eterno sowie die sehr standfeste Sorte Piano. Aufgrund der verbesserten Pollenschüttung brauchen die genannten Sorten keinen Zusatz eines Populationsroggens zur Vermeidung einer Mutterkorninfektion.

Roggen: Gute Wurzelbildung, geringer Wasserbedarf

Roggen zeichnet sich durch seine sehr gute Wurzelbildung aus. Daher ist der Wasserbedarf auch deutlich vermindert. Vor allem in beregnungsintensiven Regionen hat Roggen daher in den letzten Jahren immer mehr den Weizen verdrängt.

Neben der guten Wasseraneignung besitzt Roggen von allen Getreidearten auch das beste Nährstoffaneignungsvermögen. Daher braucht er auch selten im Herbst gedüngt werden. Auch die Reaktion auf Manganmangel ist häufig geringer als bei Gerste und Weizen.

In den Roten Gebieten erhalten diese Eigenschaften einen noch höheren Stellenwert, denn aufgrund der Düngungsbeschränkungen um 20 % drohen hohe Ertrags- und Qualitätsverluste besonders bei Raps, Weizen und Gerste. Roggen zählt neben Zuckerrüben, Mais und Sommergerste zu den wenigen Kulturen, in denen bei einer Reduktion der Stickstoffdüngung keine oder nur geringe Ertragsverluste zu befürchten sind.

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