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Dr. Ulrich Klischat, FB Ökologischer Landbau, LWK Niedersachsen | am

Ratgeber: Kooperationen in der ökologischen Landwirtschaft

Kaum ein Bereich in der niedersächsischen Landwirtschaft wächst derzeit schneller als die Zahl an Ökobetrieben. Um Kosten zu sparen, denken viele über Kooperationen nach. Das ist dabei zu beachten.

Striegeleinsatz-in-Mais

Die ökologische Landwirtschaft hat Zukunft. Das schlägt sich auch im Niedersächsischen Weg nieder, wo eine Verdoppelung der Ökolandbau-Betriebe bis 2025 vorgesehen ist.

Ökolandbau ist also längst keine Nische mehr. Mittlerweile vernetzen sich Unternehmen immer intensiver, der regionale Bezug ist immer stärker gegeben. Der Ökolandbau hat den Betrieben in den vergangenen Jahren deutliche ökonomische Vorteile gebracht und trotzdem suchen auch Unternehmen in der ökologischen Landwirtschaft nach Möglichkeiten, um Kosten zu sparen.

Kooperationen im Ökolandbau - das ist wichtig

  • Kooperationen in der ökologischen Landwirtschaft sind weit verbreitet.
  • Verbreitet sind Formen der Zusammenarbeit in Maschinengemeinschaften, Betriebszweiggemeinschaften oder Betriebsgemeinschaften.
  • Teilweise gründen Mitglieder Lebensgemeinschaften als Hofgemeinschaften.
  • Auch Gemeinschaften zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern (z.B. als SOLAWI) sind bekannt.
  • Erfolg von Kooperationen im Ökolandbau hängt von den Mitgliedern ab.
  • Zielformulierungen und Entwicklungen der Gemeinschaft müssen gemeinsam regelmäßig aktualisiert werden.

Was es bei den einzelnen Punkten zu beachten gilt, lesen Sie in den folgenden Abschnitten.

Maschinengemeinschaften im Ökolandbau

In Kooperationen, im Zusammenschluss von Ökolandbau-Betrieben, in der gemeinsamen Nutzung von Maschinen und Geräten und in der gemeinsamen Vermarktung stecken erhebliche Potenziale, mit denen Betriebe ihre Wettbewerbssituation deutlich verbessern können.

Hierbei stellt sich die Frage, welche Kooperationsformen von Ökobetrieben genutzt werden und ob diese wirklich nur von ökonomischen Synergieeffekten angetrieben sind?

Bei der Planung einer Kooperation ist zu unterscheiden, in welchem Umfang die Zusammenarbeit erfolgen soll. Beschränkt sich die Zusammenarbeit auf einzelne Geräte und Maschinen, die nur an wenigen Tagen im Jahr gebraucht werden und deren Einsatzzeitpunkt zugleich unkritisch ist, wird den Beteiligten vergleichsweise wenig Teamfähigkeit abverlangt. In der Praxis sind das Maschinengemeinschaften, bei denen mehrere Landwirte gemeinsam Maschinen besitzen.

Gemeinsame Maschinen mit konventionellen Betrieben?

Andere Landwirte gehen noch einen Schritt weiter, in dem sie ihre kompletten Maschinen und Geräte für die Außenwirtschaft in einem gemeinsamen Unternehmen organisieren und von dort die erforderlichen Maschinenleistungen erhalten. Das ist im Ökolandbau eher selten.

Bei Geräten wie Hacken und Striegel sind die Zeitfenster für den Einsatz häufig eng begrenzt und Ökolandwirte kaufen eher einen Schlepper oder Ernte- und Transporttechnik als Pflegetechnik gemeinsam.

Auch der gemeinsame Maschinenbesitz mit konventionellen Betrieben ist konfliktträchtig. Wird Sätechnik gemeinsam genutzt, sind Reinigungsprotokolle erforderlich, Beizrückstände in den Särohren sind nicht akzeptabel.

Bei Einzelkorndrillen muss akribisch darauf geachtet werden, dass die Reihenabstände exakt sind, um mit nachfolgender Hacktechnik den Boden eng genug an die Kulturpflanze hacken zu können – ein häufig auftretendes Problem. Bei Geräten zur Grundbodenbearbeitung wie Pflug oder Grubber ist die Zusammenarbeit eher unkritisch.

Erzeugnisse gemeinsam vermarkten

Der nächste höhere Schritt der Integration wären Betriebszweiggemeinschaften. So könnten Futterbaubetriebe ihre Außenwirtschaft oder Jungviehaufzucht gemeinsam betreiben. Derartige Fälle sind in der ökologischen Landwirtschaft nicht bekannt, Unterschiede bei der Fütterung und der Düngung zwischen EU-Bio und den einzelnen Anbauverbänden erfordern einen zu hohen Abstimmungsbedarf.

Häufigere Kooperationen finden sich im Ökolandbau bei der gemeinsamen Vermarktung der Erzeugnisse. Hier steckt ein erhebliches Wertschöpfungspotenzial. Betriebswirtschaftliche Auswertungen zeigen, dass bei Ökoprodukten die Erlöse stärker streuen als im konventionellen Bereich.

Verhandlungsgeschick, Marktnähe, Vermarktungswege und Mengenbündelung der gehandelten Erzeugnisse haben einen großen Einfluss auf die Rentabilität der einzelnen Produktionsverfahren. Einzelne Betriebe gründen hierfür häufiger eigene Firmen zur Lagerung, Aufbereitung und Vermarktung der Ware.

 

Zusammenschlüsse und Hofgemeinschaften im Ökolandbau

Die nächsthöhere Form von Kooperationen in der ökologischen Landwirtschaft sind Unternehmenszusammenschlüsse. Darin findet alles wirtschaftliche Handeln gemeinsam statt. Acker- und Grünlandflächen, Tierbestände werden unabhängig ihrer ursprünglichen Herkunft gemeinsam bewirtschaftet bzw. betreut.

Feldinventar, Maschinen, Tierbestände, Vorräte gehören dann allen Gesellschafter anteilig gemeinsam. Die Acker- und Grünlandflächen sowie die Wirtschaftsgebäude verbleiben im Eigentum der Gesellschafter und werden lediglich zur Nutzung dem gemeinsamen Unternehmen zur Verfügung gestellt.

Die engste Kooperationsform sind Hofgemeinschaften. Sie sind Lebensgemeinschaften, die den Wunsch nach Gemeinschaft über das Arbeiten hinaus realisieren. Dabei arbeiten nicht alle Bewohner dieser Hofgemeinschaften vollumfänglich im landwirtschaftlichen Betrieb. Mitunter sind sie Mitglieder, die lediglich in diesen Gemeinschaften wohnen und sozial mit ihr verbunden sind.

Solidarische Landwirtschaft

Weitere Kooperationen zwischen Landwirten und Verbrauchern sind Organisationen der solidarischen Landwirtschaft. Dahinter steckt die Idee, dass nicht einzelne Lebensmittel, sondern die Produktion durch Beiträge ihrer Mitglieder getragen werden.

In diesem Fall tragen also mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebes. Im Gegenzug erhalten die Verbraucher nicht nur den Ernteertrag, sondern sie genießen durch den persönlichen Bezug zueinander auch die vielfältigen Vorteile einer marktunabhängigen Landwirtschaft.

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