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Dr. Christine Kalzendorf, LWK Niedersachsen | am

Ratgeber: Mais optimal silieren

Die Silomaisernte steht in Niedersachsen kurz bevor. Dank der Witterung sind vielerorts gute Maisbestände herangewachsen. Nun gilt es, die auch ökonomisch hohen Werte sicher unter die Folie zu bringen.

Mit einer Anbaufläche von 628.000 ha gehört der Mais in Niedersachsen zu den wichtigsten Fruchtarten im Bundesland. Der Verkaufswert ab Silo liegt aktuell zwischen 28 und 35 Euro je Tonne. Mit der bevorstehenden Silomaisernte werden damit Werte geschaffen, die in der Summe des Bundeslandes annähernd 1 Mrd. Euro betragen, wenn man einen Durchschnittsertrag von 150 dt TM/ha und einen TM-Gehalt von 35% zugrunde legt. Nicht nur aus Sicht dieser Größenordnungen, sondern für jede Einzelfläche ist es lohnenswert, vermeidbare Verluste im Rahmen der Silierung und Fütterung so gut wie möglich zu begrenzen.

Futterqualität erhalten

Die Mehrzahl der Maisflächen präsentiert sich kurz vor der Ernte in einem guten Zustand. Hohe Erträge sind ganz sicher in 2021 zu erwarten. Das niederschlagsreiche Jahr hat demzufolge auch etwas Gutes gehabt, es hat die Silos der Futterbaubetriebe bereits mit viel Gras gefüllt. Doch die Qualität der Grassilagen wird in 2021 weniger gut ausfallen, denn vielerorts konnte aufgrund der Nässe nicht zum optimalen Schnittzeitpunkt geerntet werden. Da auch die Kraftfutterpreise kräftig angestiegen sind, gilt es, den Mais so gut wie möglich zu veredeln.

Vor allem beim Körnermais besteht die Möglichkeit, mit der Herstellung von Lieschkolbenschrotsilagen, von CCM oder von Feuchtkornsilagen den Fokus auf viel Stärke und Energie zu legen. Für einige Grünlandbetriebe könnten diese Maisprodukte für einen Zukauf von Interesse sein, nicht nur aufgrund der Inhaltsstoffe, sondern auch hinsichtlich der Transportwürdigkeit.

Quantität oder Qualität

Auch für den Silomais gibt es bei der Ernte durch die Schnitthöhe die Option, entweder bevorzugt auf Quantität oder Qualität zu setzen. Mit Hilfe des Hochschnitts gelingt es, höhere Energiewerte in den Maissilagen zu erzielen, da auf einen wesentlichen Anteil des rohfaserreichen Stängels verzichtet wird. Im Allgemeinen gilt, dass mit einer Erhöhung der Stoppel um 20 cm die Energiekonzentration um 0,1 MJ NEL/kg TM zunimmt, während der Ertrag um etwa 5 % und der Strukturwert um 0,1 abnehmen. Gleichzeitig steigt der Trockenmassegehalt um circa 1 bis 2 % je 20 cm höherer Stoppel an. Das gilt es, für die Entscheidungsfindung zu beachten, vor allem, wenn der Mais zum Erntezeitpunkt bereits überständig ist. Mit kürzerem Häckseln und intensiverem Walzen muss dann unbedingt die Verdichtung auf dem Silo gesichert werden.

So gelingt die Silage

Auch für leicht silierbare Futterpflanzen wie den Mais sind die Silierregeln zu beachten, um das Futter auch während des Verfütterungszeitraums vor Verderb zu schützen. Wesentlich für ein gutes Gelingen der Maissilagebereitung sind:

  • die Bemessung des Silofutterstockes,
  • die Verdichtungsarbeit,
  • das Abdecken des Silos
  • und seine Verschlusszeit.

Silogeometrie

Mit einem angepassten Futtervorschub könnte in vielen Betrieben das Problem der Nacherwärmung vermieden werden. Schenken Sie der Silogeometrie deshalb bereits vor der Silierung hohe Beachtung. Streben Sie im Winter einen wöchentlichen Futtervorschub von mindestens 1,50 m und im Sommer von mindestens 2,50 m an. Je größer der Futtervorschub, desto besser kann dem Futterverderb am Anschnitt entgegengewirkt werden.

Häufig sind die Silomieten viel zu hoch und zu kurz angelegt, da es im Allgemeinen an Siloplatz mangelt. Bei unzureichendem Futtervorschub wird die Nacherwärmungsflora unter Luftzutritt gefördert. Kommen dann noch warme Umgebungstemperaturen hinzu, beschleunigt dies zusätzlich die Vermehrungsrate unerwünschter Keime, wie beispielsweise den Hefen. Auch die Art und Weise der Futterentnahme und der Verdichtungsgrad des Silofutterstockes beeinflussen die Nacherwärmung.

Verdichtung und Walzarbeit

Das Ziel muss es sein, eine hohe Verdichtung von mindestens 230 bis etwa 270 kg TM/m³ bei Trockenmassegehalten in den Bereichen von 28 oder 33 % zu erreichen.

Bestimmen sie die Geschwindigkeit der Ernte nicht über die Bergeleistung der leistungsstarken Exakthäcksler, sondern vielmehr über die Kapazität der Walzschlepper. Bei hohem Auflagedruck der Walzfahrzeuge und einer langsamen Überfahrt (4 bis 6 km/h) ist ein Verdichtungsaufwand von zwei bis drei Minuten je Tonne Erntegut zu gewährleisten. Für die letzten Futterschichten darf die Walzarbeit durchaus noch einmal intensiviert werden.

Abdeckung

Achten Sie auf eine unverzügliche und sorgfältige Abdeckung des Silos mit mindestens zwei Folienschichten (Unterzieh- und Silofolie) sowie die ausreichende Befestigen des Silofußes. Dies gehört zum Standard der Silierregeln, um das Eindringen von Luft zu verhindern. Je besser und schneller damit anaerobe Bedingungen geschaffen werden, desto rascher beginnt die Gärung. Das mindert unerwünschte Gärkeime und Nährstoffverluste.

Verschlusszeit

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist das zu frühe Öffnen des Maissilos. Im schlimmsten Fall bleibt sogar eine Seite für die sofortige Verfütterung offen. In beiden Fällen wird damit der Silierprozess gestört, für welchen die Abwesenheit von Luft unabdingbar ist. Zudem ist die Hemmung unerwünschter Gärkeime sowie der Nachgärflora unzureichend. Sogar der gefährliche Blauschimmelpilz kann durch eine lange Verschlussphase des Silos reduziert werden, da er auf das im Silo gebildete Kohlendioxid empfindlich reagiert.

Lassen Sie das für ein ausreichendes Durchsilieren des gesamten Futterstapels das Silo mindestens vier, besser sechs Wochen geschlossen. Je trockener der Mais geborgen wird, desto wichtiger ist die anaerobe Lagerdauer unter der komplett verschlossenen Folienhaube. Wird im Erntezeitraum bereits Silomais für die Verfütterung benötigt, legen Sie entweder für diesen Zweck ein separates Silo oder ziehen Sie eine tägliche Frischverfütterung in Betracht.

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