Männer in Schutzkleidung Pflanzenschutz
Laura Schneider | am

Ratgeber: Die richtige Schutzausrüstung im Pflanzenschutz

Seit der Einführung von Bußgeldern müssen Anwender von Pflanzenschutzmitteln die persönliche Schutzausrüstung stärker beachten als bisher.

Seit Mai 2018 gelten neue Anwendungsbestimmungen zum Schutz des Anwenders beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln (PSM) sowie für Arbeiter für Nachfolgearbeiten. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) kann bei Nichteinhaltung der Anforderungen an die richtige persönliche Schutzausrüstung (PSA) Bußgeldverfahren einleiten. Auch eine Kürzung von EU-Direktzahlungen ist möglich.

PSM-Anwender und Arbeiter für Nachfolgearbeiten müssen die persönliche Schutzausrüstung daher stärker als bisher beachten und befolgen. Mit der Anschaffung neuer Schutzkleidung für den Pflanzenschutz können Beanstandungen in Zukunft vermieden werden. Dies stellt zudem einen wichtigen Beitrag für Ihre persönliche Gesundheit dar. Darum sollten Sie die neuen Bestimmungen auch zu Ihrem eigenen Wohl einhalten.

Was ist das Ziel der Bestimmungen zum Anwenderschutz?

Für Anwender von Pflanzenschutzmitteln und für Personen, die Nachfolgearbeiten in behandelten Kulturen ausführen, können ohne entsprechenden Schutz Gesundheitsrisiken auftreten. Die Anwendungsbestimmungen zum Anwenderschutz zielen darauf ab, die Exposition zu reduzieren und damit ein vertretbares Risiko für die genannten Gruppen zu erreichen.

Wie sieht die persönliche Schutzausrüstung im Pflanzenschutz aus?

Die „BVL-Richtlinie für die Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung im Pflanzenschutz” schreibt verbindlich vor, welche persönliche Schutzausrüstung (PSA) verwendet werden soll. Sie besteht aus Arbeitskleidung, Schutzanzug, (Ärmel-) Schürze, Schutzhandschuhen, Augen- und Kopfschutz, Atemschutz und Fußschutz. Die PSA wird für jedes einzelne PSM festgelegt und ist der jeweiligen Gebrauchsanweisung zu entnehmen.

Zwischen diesen PSA wird unterschieden:

Arbeitskleidung

  • Nicht zertifizierte Arbeitskleidung: Langärmelige Jacke und lange Hose oder langärmeliger Arbeitsanzug. Das Material muss ein Stoffgewicht von mindestens 250 g/m2 aufweisen und aus einem Baumwolle-Polyester-Gemisch mit einem Anteil von mindestens 65 % Polyester bestehen.
  • Alternativ kann zertifizierte Arbeitskleidung nach EN ISO 27065 verwendet werden: z. B. Kombination Jacke/Hose oder Overall AEGIS „Phyto“ Kategorie C2 (Firma Axe Environnement). Das Modell ist mit 180 g/m² leichter und luftiger als sonstige lange Arbeitskleidung.

Die Arbeitskleidung ist in Kombination mit einer Ärmelschürze für den Umgang mit unverdünntem Mittel und für das Befüllen und die Reinigung von Pflanzenschutzgeräten geeignet. Ohne Ärmelschürze sind mit diesem Modell die Ausbringung von PSM und Nachfolgetätigkeiten in behandelten Kulturen möglich.

Schutzanzug Pflanzenschutz

Falls in der Gebrauchsanleitung als PSA zusätzlich „spezifische Schutzkleidung“ oder der “Schutzanzug Pflanzenschutz“ gefordert ist, muss diese mindestens einer der folgenden Normen entsprechen:

  • Schutzanzug Pflanzenschutz gemäß DIN 32781 (schützt gegen leichtere Kontaminationen, z.B. Abdrift)
  • Schutzanzug Pflanzenschutz gemäß EN 14605, Typ 3 (flüssigkeitsdicht) oder Typ 4 (sprühdicht)
  • Schutzanzug Pflanzenschutz gemäß EN ISO 27065, Kategorie C3

Zertifizierte Schutzkleidung für den Pflanzenschutz ist durch das Symbol „Erlenmeyerkolben und Blatt“ auf der Kleidung/Verpackung kenntlich gemacht.

Ärmelschürze

Die Ärmelschürze muss dieselben Anforderungen erfüllen wie ein Schutzanzug Pflanzenschutz.

In Kombination mit Arbeitskleidung kann sie den vorgeschriebenen Schutzanzug Pflanzenschutz ersetzten. Dies gilt aber nur für Tätigkeiten, bei denen vorwiegend die vordere Körperseite exponiert wird und der Anwender nicht mit Sprühnebel zu rechnen hat:

  • Ansetzen der Spritzflüssigkeit und Befüllen der Spritze
  • Befüllen des Granulatstreuers
  • Umgang mit behandeltem Saatgut
  • Reinigen von Maschinen
  • Tätigkeiten außerhalb der Schlepperkabine, z.B. Beheben von Gerätestörungen, Kontrollen oder Maßnahmen an den behandelten Kulturpflanzen

Wie wird die Grundausstattung der PSA für Mitarbeiter bestimmt?

Die Grundausstattung der PSA für die Mitarbeiter wird durch das im jeweiligen Betrieb vorhandene Pflanzenschutzmittel bestimmt, das die höchsten Anforderungen an den Gesundheitsschutz stellt.

Weitere Informationen zum Thema:

Eine Übersicht über geeignete persönliche Schutzausrüstung nach BVL-Richtlinie finden Sie hier:

Persönliche Schutzausrüstung nach BVL-Richtlinie

Persönliche Schutzausrüstung nach BVL-Richtlinie

Weitere Informationen finden Sie auch auf der Website des BVL. Außerdem bietet die BVL-PSA-Datensammlung eine Übersicht über die einzelnen Elemente der PSA mit weiterführenden Links. Antworten auf Fragen zur praktischen Umsetzung der neuen Regelungen zum Gesundheitsschutz finden Sie in den FAQ zu Anwendungsbestimmungen im Gesundheitsschutz.

Den vollständigen Artikel zum Thema von Dr. Stefan Lambrecht lesen Sie in der LAND&FORST in Ausgabe 6/2020 .

Mit Material von Dr. Stefan Lamprecht, Pflanzenschutzamt der LWK Niedersachsen

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