Stauwasser auf einem Podsol-Pseudogley
Laura Schneider | am

Ratgeber: Was Sie über Entwässerung wissen sollten

Nach zwei trockenen Jahren stellen vernässte Boden eine unterschätze Gefahr dar. Um Ertragsausfälle zu vermeiden, sollten Sie betroffene Flächen drainieren.

Nachdem nun zwei Jahren infolge große Trockenheit herrschte, denkt kaum ein Landwirt daran, seine Flächen drainieren zu lassen. Doch die Niederschläge von Oktober bis Dezember haben bereits wieder zu Vernässungen geführt.

Je nach Art der landwirtschaftlichen Nutzung können diese zu Ertragsausfällen führen. Außerdem kommt es je nach Bodenart zum Verschlämmen der Oberfläche, was den Luftaustausch reduziert. Fließt überschüssiges Wasser in Gräben ab, ist mit Nährstoffausträgen aus den Oberböden in Gewässer zu rechnen. Deshalb ist es wichtig, die Ursachen für die Vernässung der betroffenen Flächen zu finden und zu bekämpfen.

Was verursacht Vernässungen?

Die Ursachen von Vernässungen lassen sich auf drei Hauptprobleme im Bereich des Bodenwassers zurückführen:

  • Hoch anstehendes Grundwasser
  • Wasser, das sich zeitweise auf gering durchlässigen Schichten staut
  • Haftwasser, das in engen Proben festgehalten wird

Es können auch mehrere Vernässungsursachen gleichzeitig auf einer Fläche auftreten. Weitere Ursachen sind:

  • Bodenverdichtungen
  • Hohe Grabenwasserstände: Sie behindern ein schnelles Abfließen des Wassers aus den Böden. Bei großem Fremdwasserzufluss durch ausufernde Gräben ist sogar ein Überfluten von Senken möglich. Durch Sohlverschlammungen oder Grabenvegetation kann der Wasserstand im Graben leicht um einige Dezimeter ansteigen.
  • Auf gedrainten Flächen: Drainfunktionsstörungen, z.B. verstopfte oder beschädigte Drainrohrausmündungen und verockerte oder verschlammte Drainrohre

Was kann man gegen Vernässung tun?

  • Ausreichende Vorflut: Erst die Unterhaltung der Gräben wie Sohlräumung und Mahd der Böschungen erlauben einen störungsfreien Wasserfluss.
  • Bei Vernässung durch Bodenverdichtungen: Aufbrechen der Verdichtungen durch tiefergreifende Bodenbearbeitungsgeräte. Tieflockerungen sind aber erst im Sommer bei ausreichend trockenen Unterböden möglich. Aktuell kann auf solchen Flächen Wasser nur oberflächig über flache Grüppen abgeleitet werden.
  • Böden mit geringer Durchlässigkeit für Wasser und wasserstauenden Schichten wie bei Pseudogleyen: Bei der Bewirtschaftung so herrichten, dass keine Senken entstehen. Der Regentropfen, der auf solch eine Fläche fällt, muss an derselben Stelle auch versickern können.
  • Auf bereits gedrainten Flächen: Funktion der Draine prüfen. Bei einzeln ausmündenden Drainen ist dies durch Sichtkontrolle an der Grabenböschung möglich. Verschlammungen und Verockerungen lassen sich durch umgehendes Spülen relativ leicht beseitigen. Bei Drainsystemen sind die Sauger in den Kontrollschächten zu prüfen. Bereiche mit mechanisch beschädigten Drainrohren sind aufzugraben und die Drainrohre sind auszutauschen.

Welches Entwässerungsverfahren ist das Richtige?

Je nach Ursache der Vernässung empfehlen sich unterschiedlich angepasste Entwässerungsverfahren.

  • Rohrdränung: Bei hoch anstehendem Grundwasser; Bei Stauwasser, vorausgesetzt, die stauenden Bodenschichten liegen tief genug und die Rohrdränung wird oberhalb der Stausohle verlegt. Für eine Rohrdränung muss eine ausreichend tiefe Vorflut gegeben sein.
  • Tieflockerung: Befinden sich verdichtete Schichten zwischen Dränrohr und Geländeoberfläche, ist eine ergänzende Tieflockerung erforderlich. Unter günstigen Bedingungen kann bei einer Tieflockerung eventuell ganz auf eine Rohrdränung verzichtet werden.
  • Ableiten von Oberflächenwasser über flache Grüppen: Bei haftnassen Böden. Diese lassen sich mit einer normal ausgeführten Rohrdränung nicht entwässern. Wenn doch eine Rohrdränung verlegt wird, sind die Drängräben bis in die Krume mit Filtermaterial aufzufüllen, damit Oberflächenwasser über diesen Filterbereich zum Dränrohr gelangen kann.

Wie tief dränen?

  • Die optimale Draintiefe ist abhängig von der geplanten Nutzung und den Bodeneigenschaften.
  • Es ist eine Mindestüberdeckung der Drainrohre von 0,7 m sicherzustellen.
  • Drainrohre sind mit einem Gefälle zu verlegen.
  • Bei einer Rohrlänge von 200 m und einem Gefälle von 0,3 % ergibt sich eine Draintiefe an der Drainausmündung von 1,3 m (0,7 m Mindestüberdeckung plus 200 m * 0,3 % = 0,6 m). Auf die Gesamtfläche bezogen errechnet sich ein mittlerer Drainabstand von 1 m. Mit einer Verkürzung der Drainrohrlänge auf 100 m ließe sich bei gleichem Gefälle eine minimale Draintiefe von 0,85 m erreichen.
  • Bei Stauwasserböden sollten die Draine oberhalb der gering wasserdurchlässigen Schicht verlegt werden. Da Stauwasser im Sommerhalbjahr auch ohne Drainung in der Regel nicht mehr auftritt, können diese Standorte nicht zu tief entwässert werden.
  • Böden mit Grundwassereinfluss, d.h. es befindet sich ganzjährig freies Wasser in den Böden bis zu einer Tiefe von 2 m unter Gelände, sollten hingegen nur so tief entwässert werden, dass die Pflanzen möglichst lange auch Wasser aus dem Grundwasser über den kapillaren Aufstieg nutzen können.

Wann sollte man Drainrohre verlegen?

Drainrohre sollten bei trockenen Bodenverhältnissen verlegt werden, um Strukturschäden zu vermeiden. In Nordwestdeutschland sind die Bedingungen meist im Sommer nach der Getreideernte günstig. Ein Tieflockern bei zu feuchten Unterböden führt zu einem Verschmieren der Böden im Bereich der Lockerungsgeräte und das gewünschte Aufbrechen der Verdichtungen ist nicht möglich.

Weitere Informationen:

Dtailplanungshinweise zur Drainung und Unterbodenmelioration finden Sie in den drei Teilen der DIN 1185 „Regelung des Bodenwasser-Haushaltes durch Rohrdrainung und Unterbodenmelioration“ in der Fassung von Dezember 2015.

Außerdem stellt Rudolf Eggelsmann (1981) in seiner Drainanleitung alle Informationen zur Drainung bereit. Der kostenfreie Download ist hier möglich.

Mit Material von Prof. Dr. Joachim Blankenburg, Geologischer Dienst für Bremen

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✔ Mehrleser-Funktion

✔ Artikel merken und teilen

✔ exklusiv: Audio und Video

✔ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✔ 3 Endgeräte
✔ Merkliste
✔ Audio und Video
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Agrarpolitik: Klöckner fordert bessere Tierhaltung
  • Betrieb: Initiative Tierwohl - Anmeldung für die dritte Runde
  • Technik: Gut abwägen - Gründe für den Traktorkauf
  • Tierhaltung: Vorgaben für den Sauen-Deckstall
  • Pflanzenbau: Silphieanbau als Biotopvernetzung
  • Leben auf dem Land: Borreliose als Berufskrankheit

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen