Nordzucker

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Jörg Rath-Kampe | am

Der Rübenanbau bleibt attraktiv

Die Lieferverträge für Zuckerrüben mit der Nordzucker sind unterzeichnet. Wir haben mit Nordzucker-CEO Dr. Lars Gorissen unter anderem darüber gesprochen, wie sich die Firma künftig aufstellt.

Wie kann die Nordzucker den Zuckerrübenanbau attraktiv für die Landwirte gestalten? Welche Preise können Sie für die Kampagne 2023 anbieten?

Dr. Lars Gorissen: Wir befassen uns intensiv mit den aktuellen Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten, der Entwicklung der Kosten im Rübenanbau und haben ein entsprechendes Angebot für die Rübenverträge des Jahres 2023 vorgelegt.

Für die neuen Verträge 2023 erwarten wir einen Preis von mehr als 40 €. Schon jetzt sagt Nordzucker einen Mindestpreis von 37 € pro Tonne bei 17,9 % Zuckergehalt inklusive der Nebenleistungen zu. Wir gehen davon aus, diesen Preis aufgrund guter Zuckerpreise auf über 40 € die Tonne Rüben erhöhen zu können. Die Kosten für Mietenpflege, Laden und Reinigen sowie den Transport der Rüben übernimmt ebenfalls Nordzucker.

Die Landwirte in Europa werden die Fläche für Zuckerrüben angesichts der Konkurrenzfrüchte sicherlich nicht ausdehnen, so dass der Markt für Zucker eng bleiben wird. Andererseits müssen wir aufgrund der Unwägbarkeiten bei der Verfügbarkeit und den Kosten für Energie und andere Hilfsstoffe Vorsicht walten lassen.

Was können die Landwirte für 2022 erwarten?

Als wir 2020 dreijährige Fixverträge für die Jahre 2021 bis 2023 angeboten haben, waren die Konditionen im Vergleich zu anderen Früchten sehr gut. Angesichts der sehr besonderen Entwicklung infolge der Corona-Pandemie und des Ukrainekrieges haben wir den Fixpreis für 2022 schon einmal angehoben und wir werden diesen Preis nach der Kampagne nochmals überprüfen. In den variablen Verträgen für 2022 erwarten wir aufgrund der Zuckerpreise Auszahlungspreise deutlich über 40 €.

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Wie sieht es mit der künftigen Energieversorgung in den Zuckerfabriken aus?

Mit Biomethan aus den bei der Rübenverarbeitung verbleibenden Zuckerrübenschnitzeln sind wir langfristig in der Lage, den kompletten Energiebedarf unserer Werke CO2-neutral zu decken. Ein faszinierender Gedanke. Wir projektieren gerade eine erste Pilotanlage. Problem ist, dass das Gärsubstrat auf Brüsseler Ebene noch nicht als CO2-neutral qualifiziert ist, weil die Rübenschnitzel ein Futtermittel sind und kein Abfallstoff. 50 Prozent der Rübenschnitzel bleiben bei unserem Konzept aber auf jeden Fall als Futtermittel erhalten. Wir brauchen auch keine zusätzliche Fläche für diese Biomasse. Ein wichtiges Argument bei der Tank-Teller-Diskussion. Zusätzlich würden wir noch Energie einsparen, weil wir die Rübenschnitzel nicht trocknen müssen. Durch die Ausbringung des Gärsubstrats würde sich der Kreislauf schließen.

Eines der Ziele der Nordzucker ist Nachhaltigkeit. Wo setzen Sie an?

Im Fokus steht ganz klar die Reduzierung von CO2-Emissionen. Dabei setzen wir auf die Reduzierung des Energieverbrauchs und langfristig auf die Umstellung auf regenerative Energieträge. Darüber hinaus geht es auch um Emissionsreduzierungen im vor- und nachgelagerten Bereich, bei Anbau und Transport. 

Dr. Lars Gorissen

Als Beispiel möchte ich hier das Projekt zum Rübentransport mit der Bahn nennen. Hier werden Rüben aus Schleswig-Holstein nach Uelzen per Bahn transportiert. Die Werke Schladen und Klein Wanzleben haben ebenfalls einen Bahnanschluss . Trotz hoher Komplexität verfolgen wir das Thema Rübentransport per Bahn weiter.

Wird die Zahl der Zuckerfabriken bestehen bleiben?

Jede Zuckerfabrik in unseren Anbaugebieten ist für uns wichtig. Zuckerrüben sind regionale Erzeugnisse. Unsere aktuelle Werkstruktur ist ausgewogen und kosteneffizient. Die Bioethanolproduktion in Klein Wanzleben ist ein fester Bestandteil unserer Produktionsstätten. Die Anlage wird marktorientiert betrieben.

Wie verfolgen Sie die Diskussionen über gesunde Ernährung, zu der auch eine Einschränkung des Zuckerkonsums gehört?

Ein gesunder Lebensstil setzt sich aus vielen Faktoren zusammen. Im Zusammenhang mit Ernährung ist die Kalorienbilanz entscheidend. Dabei gibt es keine „gesunden“ oder „ungesunden“ Lebensmittel, wichtig ist die Ausgewogenheit und die Balance zwischen Kalorienaufnahme und Verbrauch, z.B. durch ausreichend Bewegung. Zucker ist ein wichtiger Bestandteil vieler Lebensmittel und erfüllt dort unersetzbare Funktionen.

Der Zuckerverbrauch pro Kopf in der EU steigt nicht. Der Verbrauch insgesamt steigt durch den Zuzug weiterer Personen in die EU. Dadurch und durch das steigende Markengeschäft großer Lebensmittelkonzerne mit erfolgreichem Exportgeschäft wächst unser Absatz insgesamt.

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Zu der Exzellenz-Strategie der Nordzucker gehört die Digitalisierung. In welchen Bereichen setzen Sie an?

Zu unseren Zielen gehört die weitere Digitalisierung in allen Bereichen. Wir schließen auch sämtliche Betriebsabläufe in den Werken ein. Die Planung zum Beispiel in der Instandhaltung und der Zuckerlogistik wird dadurch effizienter. In den Werken standardisieren wir die Abläufe und übertragen Best Practice aus dem einen Werk auf das andere – auch über Ländergrenzen hinweg. Auf dem Rübenacker wird Robotik die Aussaat und Unkrautbekämpfung in Zukunft unterstützen. Wir sind hier mit eigenen Versuchen in verschiedenen Ländern aktiv.

Die Rübenanbauer bleiben unsere wichtigsten Partner. Unser Ziel ist es, dass für unsere Anbauer die Rüben auf dem Feld und in den Büchern gut aussehen und langfristig einen festen Platz in der Fruchtfolge haben. 

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