Sanddorn an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern

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Peter Laufmann | am

Sanddornsterben - letzte Ernte im Norden

Sanddorn gilt als lukrative Obstbau-Alternative. Doch die Sträucher verdorren und die Ursache ist unklar. Viele Betriebe geben auf.

Wer an der Ostssee Urlaub macht, kommt an Sanddorn-Mitbringseln nicht vorbei. Wie wäre es mit einem Glas Sanddorn-Marmelade, ein paar Sanddorn-Bonbons oder einem Sanddorn-Gin? Die Frucht ist gesund und schmeckt auch noch gut. Doch mit der „Zitrone des Ostens“ geht es bergab. In großem Stil sterben die Sträucher und niemand weiß warum. Ist es der Klimawandel? Ein Pilz oder Virus? Oder alles zusammen? Forscher suchen fieberhaft, doch für einige Anbauer könnte die Lösung zu spät kommen. Sie geben auf.

Superfrucht der DDR

Dabei hatte der Sanddorn eine beeindruckende Karriere als Superfrucht hingelegt. Einst kam der Strauch aus Nepal, aber seit der letzten Eiszeit wächst er auch in Mitteleuropa. So kommt Sanddorn sogar in Bayern und Baden-Württemberg vor. Richtig bekannt sind aber Standorte in Küstennähe. In der DDR hatte man das Potential der Pflanze schon früh erkannt und sie erfolgreich kultiviert. Der hohe Anteil an Vitaminen und anderen bioaktiven Substanzen in den Beeren machen Sanddorn zur pflanzlichen Allzweckwaffe im Alltag und in der Medizin.

Unbekannte Ursache rafft den Sanddorn dahin

Doch die Vielseitigkeit der Frucht scheint die Pflanze nicht zu retten. Während man die Sanddornfruchtfliege zumindest kennt, ist die Ursache für das Sanddornsterben unbekannt. Seit rund zehn Jahren taucht das Phänomen auf, bei dem die Pflanze verdorrt. Dabei trifft es nicht das ganze Verbreitungsgebiet. Vor allem Sträucher in Mecklenburg-Vorpommern sind betroffen. Aber auch hier ist das Bild nicht einheitlich; an der Ostküste Rügens etwa strotzen die Sträucher vor Gesundheit, während etwa bei der Sanddorn Storchennest GmbH in Ludwigslust dieses Jahr zum ersten Mal die Ernte komplett ausfällt. Zu heiß, zu trocken. Dazu kommt das mysteriöse Sterben.

Bestände gehen in großem Stil ein - auf den Nordseeinseln intakt

Sanddorn wächst vielerorts wild, Landwirte haben ihn aber in besten Zeiten auch auf rund 670 Hektar in Deutschland kultiviert. Bundesweit haben sie im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt rund 740 Tonnen Sanddorn von 228 Hektar geerntet. Schwerpunkte liegen dabei in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Die Sanddorn Storchennest GmbH ist Pionier im Anbau und hatte zwischenzeitlich Sanddorn auf 120 Hektar stehen. Jetzt sind es nur mehr zehn. Das Sanddornsterben ist vor allem ein Problem Mecklenburg-Vorpommerns und trifft da auch prinzipiell wilde und kultivierte Pflanzen. Die Plantagen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt oder auch wilde Sanddorngebüsche auf den Nordseeinseln sind intakt.

Sanddorn-Saft

Komplexe Ursachen vermutet

Verdächtige gibt es genug. So hat man einen Pilz gefunden, der die Leitungsbahnen der Pflanze verstopft, ähnlich wie beim Ulmensterben. „Auf Grund der Symptomatik gehen wir von einer biotischen Ursache aus, bei der insbesondere Pilze eine Rolle spielen könnten“, sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums in Mecklenburg-Vorpommern. Doch ein Pilz allein kann es nicht sein. Auch Trockenheit allein taugt nicht, denn selbst Bewässerung hat die Plantagen nicht gerettet. Die Ursache des Sanddornsterbens erforscht mittlerweile ein Team aus Wissenschaftlern unter anderem vom Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei MV und Julius Kühn-Institut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau in Dossenheim (Baden-Württemberg). Das Projekt läuft bis 2023. Dabei infiziert man beispielsweise gesunde Pflanzen im Gewächshaus mit Pilzen.

Neue Sorten und besseres Management könnten helfen

Noch gibt es keine abschließenden Ergebnisse, aber ein Faktor könnten die trockenen Jahre gewesen sein. Genauso wie der Strauchschnitt und Wildverbiss. Möglich ist auch, dass die Konzentration auf wenige Sorten das Sanddornsterben gefördert hat. Bis die Ursache gefunden ist, könnte es für Anbauer aber zu spät sein.

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