Erntebilanz-LWK-2020_Bild
Christel Grommel | am

Schlechte Getreideernte in Deutschland

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner stellte heute den Erntebericht vor. Die Ernte wird kleiner als erwartet. Auch die niedersächsischen Landwirtinnen und Landwirte sind enttäuscht.

Die Erwartungen an die Ernte seien lange optimistisch gewesen, so Klöckner. "Aber in vielen Regionen wurden und werden die Erntearbeiten durch Schauer und Gewitter ausgebremst. Darunter leiden Erträge und Qualität. Das spiegelt sich auch im Ergebnis wider und verdeutlicht, dass sichere Ernten nicht selbstverständlich sind.“

Die Getreideernte fällt dieses Jahr unterdurchschnittlich aus: Basierend auf den vorliegenden Ertragsfeststellungen wird eine Erntemenge von 42,1 Millionen Tonnen erwartet. Das sind 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr- als 43,3 Millionen Tonnen geerntet wurden - und 4,8 Prozent weniger als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2020.

Kleinste Weizenernte seit dem Dürrejahr 2018

Winterweizen: Die Erntemenge beim Winterweizen – der wichtigsten Getreideart – liegt 3,5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis, obwohl die Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr um 4,4 Prozent zugenommen hat.

Hafer: Die Anbaufläche von Hafer ist gegenüber dem Vorjahr um 12,7 Prozent gewachsen. Das BMEL sieht darin auch eine Spiegelung der aktuellen Ernährungstrends, die eine wachsende Nachfrage nach Haferprodukten bewirken. Auch würden immer mehr Landwirte auf vielfältige Fruchtfolgen setzen.

Wintergerste: Das BMEL schätzt die Produktion auf knapp 9,0 Millionen – nach 8,8 Millionen Tonnen im Vorjahr. Der Grund sind die  mit 71,9 dt deutlich höher unterstellten Erträge als 2020 mit nur 67,3 dt.

Sommergerste: Produktionsrückgang um reichlich 18 Prozent auf 1,6 Millionen Tonnen – wegen der deutlich kleineren Anbaufläche.

Roggen: Beim Roggen schätzt das BMEL die Erntemenge auf 3,3 Millionen Tonnen und damit 5 Prozent kleiner als im vorigen Jahre mit 3,5 Millionen Tonnen. Ursache sind hier die schwächere Erträge von 52,7 dt  bei einer fast stabilen Anbaufläche.

Raps und Futter

Raps: Die Gesamterntemenge bei Raps liegt mit rund 3,5 Millionen Tonnen auf Vorjahresniveau, wobei die Anbaufläche um rund 5 Prozent zugenommen hat. Die Flächenerträge pro Hektar liegen jedoch mit 3,5 Tonnen um fast 4,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2020 beträgt der Rückgang sogar 11,3 Prozent.

Grundfutterversorgung: Die Grundfutterversorgung (Grünland, Ackerfutter wie Klee, Kleegras, Silomais) der meisten Futterbaubetriebe hat sich in diesem Jahr im Vergleich zu den trockenen Vorjahren durch den vermehrten Regen deutlich verbessert. Anders ist die Situation in den von Überschwemmungen betroffenen Gebieten: Hier wurden teilweise Futtervorräte vernichtet und Futterflächen für die weitere Nutzung unbrauchbar. 

Niedersachsen unzufrieden

Die vorläufige Getreideernte 2021 (ohne Körnermais) in Niedersachsen beträgt rund 5,4 Mio. Tonnen.

Auch hier hatte man eine gute Ernte erwartet und wurde enttäuscht. Anfang Juni 2021 präsentierten sich die Getreidefelder üppig, aber als die Mähdrescher Anfang Juli die erste Wintergerste schnitten, schlug die Stimmung um. Statt der erwartet bauchigen Körner gab es schlanke Ware, die oft das Qualitätskriterium "Hektolitergewicht" nicht erfüllte. Viele Spelzen und wenig Mehlkörper. 

Das setzte sich im Durchschnitt bei den späteren Getreidearten fort. Nach den geringen Ernten in den Trockenjahren 2018 bis 2020 fällt die Getreideernte 2021 abermals schlechter aus als erhofft.

Mit Material von BMEL, LSN
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