Ein Trecker bringt auf einem Feld flüssigen organischen Dünger bodennah aus.

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Meinung | | am

Schon genug Unsicherheit

Der aktuelle Nährstoffbericht aus Niedersachsen beweist einmal mehr, wie anpassungsfähig unsere Betriebe sind.

Die Stickstoffbilanz weist erstmalig seit 2014/15 einen negativen Saldo aus. Das bedeutet, Niedersachsens Landwirte bringen bis auf zwei Landkreise so wenig N-Dünger aus, dass die gesetzliche Grenze für den zulässigen Bilanzsaldo deutlich unterschritten wird.

Die Gründe hierfür sind allerdings nicht nur eine effizientere Düngung und deutlich weniger eingesetzter mineralischer Stickstoffdünger (Tiefststand!), sondern bedauerlicherweise auch der Rückgang der Tierzahlen (Rind, Schwein).

Geringere Stickstoffüberschüsse sind gut für das Grundwasser, denn darum geht es bei all den Bemühungen im Bereich der Düngung vor allem. Doch wie lange dauert es, bis die positive Entwicklung bei der Düngung im Grundwasser ankommt? Wann sinken die Nitratwerte an den Messstellen wieder?

Dort, so ist von Fachleuten zu hören, sehen wir jetzt das, was früher in der Landwirtschaft passiert ist: eine Düngung oberhalb des Pflanzenbedarfs bzw. auch ein großflächiger Umbruch von Grünland. Die Messwerte spiegeln also vor allem die Vergangenheit wider. Bedauerlich nur, dass sich die EU nur für diese Messwerte interessiert und nicht für das, was heute auf den Äckern passiert.

Deshalb wurde Deutschland angewiesen, die Roten Gebiete auf der Grundlage der Messstellenwerte erneut auszuweisen, mit dem Ergebnis, dass in Niedersachsen jetzt wieder zahlreiche Grünlandflächen in den Roten Gebieten liegen (wir berichteten), was fachlich kaum nachvollziehbar ist. Das Versprechen, hier in einer Novelle der Düngeverordnung nachzubessern und das Verursacherprinzip dort zu verankern, damit Betriebe, die ihre Nährstoffbilanzen in Ordnung haben, von den Sanktionen in den Roten Gebieten verschont bleiben, steht im Raum.

Düngerstreuer

Niedersachsen, aber vor allem andere Bundesländer müssen eine Datenbasis schaffen, die als Grundlage für eine solches Verursacherprinzip belastbar herangezogen werden kann. Das wird sicher dauern. Ich befürchte, dass bis zu diesem Herbst immer noch keine Klarheit für unsere Betriebe in den Roten Gebieten bestehen wird. Sind wir in Deutschland nicht Meister im Verzögern und Verschleppen? Doch wir brauchen hier Tempo, wenn wir vermeiden wollen, dass Ertrags-Ressourcen auf unseren Äckern nicht genutzt werden können und Betriebe immer frustrierter werden, bis hin zur Betriebsaufgabe.

Der nächste Nährstoffbericht wird möglicherweise einen kostenbedingt weiteren Rückgang beim Mineraldüngereinsatz und einen weiteren Sinkflug bei den Schweinezahlen beinhalten und damit noch weniger Stickstoffeinsatz je Hektar bedeuten. Das wird Wasserschützer sicher freuen. Doch wir müssen die Gradwanderung zwischen Umwelt und Ernährungssicherung jetzt hinbekommen. Unsichere offene Flanken haben wir durch den Ukrainekrieg schon genug.

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