on_Pferdeweide-Jakobskreuzkraut
Dr. Dirk M. Wolber, Pflanzenschutzamt der LWK Niedersachsen | am

Schützen Sie Ihre Pferde vor Jakobskreuzkraut

Das Jakobskreuzkraut ist aufgrund seiner hohen Giftigkeit ein Problemunkraut im Grünland. Giftig sind alle Pflanzenteile, insbesondere in der Blüte. Wir sagen Ihnen, wie man das Kraut, das sich immer mehr verbreitet, sicher erkennen und bekämpfen kann.

Die Bestandeszusammensetzung der wertgebenden Pflanzenarten einer Grünlandfläche wird durch die sachgerechte Bewirtschaftung und Pflege maßgeblich reguliert. Trotzdem entstehen immer wieder durch äußere Einflüsse Narbenlücken, in denen sich Schadpflanzen, Unkräuter oder gar Giftpflanzen wie das Jakobskreuzkraut (JKK) etablieren.

Starke Zunahme des Jakobskreuzkraut

Im "Niedersächsischer Weg" wird u.a. der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf Grünlandflächen innerhalb von Naturschutzgebieten und Landschaftsschutzgebieten, soweit sie Natura 2000-Gebiet sind, grundsätzlich verboten. Ausnahmen sind für spezielle Unkrautarten beschlossen. Diese werden gezielt nach Bekämpfungsschwellen behandelt. Vorrangig sind hier Maßnahmen der mechanischen Unkrautbekämpfung anzuwenden. Nur, wenn keine zumutbare Alternative zur Unkrautbekämpfung möglich ist, können hier Pflanzenschutzmittel im Rahmen von Einzelpflanzenbekämpfung, Anwendung von Rotorwiper oder Teilflächenmaßnahmen zur Anwendung kommen, wenn sie dem Schutzzweck des Gebietes nicht entgegenstehen (siehe www. lwk-niedersachsen.de, Webcode 01037725).

Neben den einheimischen Pflanzenarten wie Ampfer, Hahnenfuß oder Schachtelhalm ist zunehmend auch JKK in einem bekämpfungswürdigen Umfang anzutreffen. Das JKK ist, wie über 20 weitere Kreuzkrautarten, in Deutschland heimisch. Es ist unter den Kreuzkrautarten insbesondere für Pferde eine sehr giftige Art. JKK hat in den letzten Jahren stark zugenommen und findet auf Weg- und Waldrändern, auf Ödland, Kies- und Geröllflächen, Autobahnstreifen, Straßen- und Bahnböschungen sowie auf extensiv genutztem Grünland und wenig gepflegten, stark beanspruchten Standweiden ideale Wachstums- und Vermehrungsbedingungen.

Bevorzugt lückige Bestände besiedelt

Als konkurrenzschwacher Lichtkeimer besiedelt diese Art bevorzugt lückige Bestände, wobei sonnige und trockene Standorte mit mäßigem Stickstoffgehalt favorisiert werden. Eine Nachmahd nach der Beweidung wird auf Pferdeweiden vielfach nicht mehr durchgeführt, wodurch die nicht gefressenen Unkräuter auf der Weide stehen bleiben. Auch führt eine hohe Beweidungsdichte zu einem Kahlfraß der Weiden, auf denen sich das JKK ohne Konkurrenz der gewünschten Gräser etablieren kann. Gegenüber schnell wachsenden Kulturarten in einem üppigen, dichten Grünlandbestand auf einer Schnittwiese besitzt diese Art eine geringe Konkurrenzkraft. Gerade der Trend zu extensiver Bewirtschaftung mit späterer Mahd hat die Ausbreitung des spätblühenden JKK in den letzten Jahren begünstigt.

So erkennen Sie das Jakobskreuzkraut

on_Jakobskreuzkraut-Rosettenstadium

Da der Früherkennung von JKK eine besondere Bedeutung zukommt, sollte man sich das Aussehen verinnerlichen. Oft kommt das Jakobskreuzkraut in Vergesellschaftung vor und es bestehen Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Kreuzkräutern oder Wiesenunkräutern wie Wiesenpippau, Ferkelkraut oder Rainfarn. JKK ist eine zwei- bis mehrjährige Pflanze. Bereits im Frühjahr bildet sie am Boden Rosetten und ist damit für das geübte Auge schon in diesem Stadium zu erkennen. Das Wurzelsystem des JKK ist von der Pfahl-wurzel ausgehend büschelartig verzweigt.

Mit zunehmender Wärme beginnt das Streckungswachstum. Die Pflanze erreicht eine Höhe von 30 bis 100 cm und hat ihre Blütezeit von Juli bis September. Die gefiederten Stängelblätter sind unterseits spinnwebig wollig bis kahl, der Stängel ist kantig und gerillt. Zur Blütezeit sind die Grundblätter meist verwelkt. Die goldgelben Blüten sind als Zungen- und Röhrenblüten in 15-20 mm breiten Körbchen angeordnet und von 13 Blütenblättern umgeben, ähnlich der Struktur einer Margeritenblüte. Die Enden der Blütenhüllblätter weisen häufig dunkle Spitzen auf.

Jakobskreuzkraut ist hochgiftig

Als Giftpflanze bewirkt JKK die sogenannte "Seneciose“"oder Schweinsberger Krankheit. Besonders empfindlich reagieren Pferd und Rind. Schafe, Ziegen, Schweine und Geflügel erkranken seltener. Giftig ist die gesamte Pflanze, der Alkaloidgehalt beträgt im Mittel 0,2 % in der Trockenmasse.

Bei Pferden in Weidehaltung kann es zu Problemen kommen, wenn der Aufwuchs aufgrund eines schlechten Weidemanagements nicht ausreichend ist. So sind die Tiere gezwungen, das von ihnen gemiedene JKK zu fressen. Ebenso ist eine Aufnahme durch unerfahrene Pferde (z.B. Fohlen oder längere Zeit im Stall gehaltene Tiere) möglich. Besonders ist es, wenn mit JKK kontaminiertes Heu bzw. Silage gefüttert wird. Hier sind die Tiere dann nicht mehr in der Lage zu selektieren. Die toxischen Inhaltsstoffe werden bei der Trocknung bzw. beim Silieren nicht abgebaut, sondern bleiben in vollem Umfang erhalten.

Tipps zur Bekämpfung

Grundsätzlich ist eine Ausrottung dieser heimischen Pflanzenart weder möglich noch aus ökologischer Sicht sinnvoll. Dort, wo Jakobskreuzkrautbestände weit ab von Weideflächen blühen, müssen diese nicht unbedingt beseitigt werden. Eine vorbeugende Maßnahme auf den Weideflächen ist, die Grasnarbe geschlossen zu halten, Trittschäden und andere mechanischen Belastungen zu vermeiden und besonders wichtig, die Flächen nicht zu überweiden.

  • Geilstellen müssen regelmäßig ausgemäht und Lücken nachgesät werden. Das geschieht am besten Ende August bis Anfang September, wenn es warm und ausreichend feucht ist. Eine nachfolgende, angepasste Düngung fördert die Gräser als Konkurrenzpflanzen. Ein Aussamen des Jakobskreuzkrautes muss unbedingt verhindert werden. Bei Neuansaat oder Nachsaat darf kein kontaminiertes Saatgut ausgebracht werden.
  • Bei geringem Aufkommen von JKK auf Wiesen oder Weiden empfiehlt es sich, zeitig im Frühjahr mit dem Ausstechen der Einzelpflanzen zu beginnen. Bei höheren Pflanzendichten ist es sinnvoll, die Pflanzen vor Blühbeginn zu mähen oder die Fläche zu diesem Zeitpunkt zu mulchen. Da der Schnitt von den Tieren keinesfalls gefressen werden darf, muss er abgefahren oder vernichtet werden.
  • Die gemähten Pflanzen werden mit großer Wahrscheinlichkeit im gleichen Jahr wieder austreiben, sodass eine zweite Mahd eingeplant werden muss. Es ist allerdings Vorsicht geboten, da das JKK bei regelmäßiger Mahd bzw. Mulchen stärker vegetativ austreibt, was ebenfalls dazu führen kann, dass die jungen Rosetten eher gefressen werden. Ob eine Mahd zur Reduktion des Problems führt, wird bislang noch kontrovers diskutiert.

Welche Pflanzenschutzmittel?

In Zeiten von Futtermangel und extremer Trockenheit im dritten Jahr wäre, neben dem Ausstechen auch bei höheren Besatzstärken, ein Herbizideinsatz die bessere Lösung. Für eine ausreichende Wirkung der Pflanzenschutzmittel müssen die Pflanzen genügend Blattmasse gebildet haben und dürfen nicht verholzt sein. Der optimale Zeitpunkt für den Herbizideinsatz ist daher nach dem Wiederaustrieb der Pflanzen. Durchgeführt werden können Horst- und Einzelpflanzenbehandlungen oder Ganzflächenspritzungen. Den höchsten Wirkungsgrad gegenüber Jakobskreuzkraut hat das Herbizid Simplex.

Aufgrund der Nachbauproblematik nach der Anwendung von Simplex bzw. nach der Aus-bringung von Mist, Gülle und anderen organischen Düngern, die indirekt von mit Simplex behandelten Flächen stammen, wurden für dieses Mittel die Anwendungsbestimmungen verschärft. So ist der Einsatz von Simplex nur noch auf Dauerweiden nach dem letzten Schnitt möglich. Auf Pferdeweiden soll Simplex nur noch zur Horst- oder Einzelpflanzenbehandlung bzw. im Streichverfahren eingesetzt werden. Mit JKK versetztes Mähgut darf nicht verfüttert werden. Nach einem Herbizideinsatz sollte das Mähgut abgefahren und entsorgt werden oder die Pflanzen sollten auf der Fläche vollständig verrotten, bevor Tiere aufgetrieben werden.

Hinweis zur Entsorgung

Die Entfernung des Jakobskreuzkrautes sollte noch vor der Samenreife und möglichst mit Wurzel erfolgen, da sonst ein Wiederaustrieb aus den Wurzelresten möglich ist. Die Entsorgung herausgerissener oder abgemähter Pflanzen muss dabei zum Ziel haben, möglichst ein erneutes Auskeimen und Wachsen zu verhindern. Als geeignete Maßnahmen für blühende Pflanzen bieten sich vorrangig an:

  • Verbrennen in einer Müllverbrennungsanlage
  • Entsorgung über den Restmüll (Vergärung oder Müllverbrennung)
  • Entsorgung als Bioabfall, sofern ein Verfahren angewandt wird, das eine vollständige Abtö-tung der Samen gewährleistet, z.B. Vergärung in Biogasanlagen.
  • Blattrosetten ohne blühende Triebe können kompostiert werden oder auf der Fläche verbleiben.

Die in manchen Gemeinden favorisierte Entsorgung über die Biotonne ist bei Schadpflanzen grundsätzlich nicht geeignet, da eine vollständige Abtötung aller Samen mit den meisten Kompostierungsverfahren nicht gewährleistet ist.

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