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Dr. Stefan Lamprecht, PSA,LWK Niedersachsen | am

Schutzausrüstung im Pflanzenschutz

Für den persönlichen Schutz beim Umgang mit chemischen Pflanzenschutzmitteln gibt es klare Vorgaben. Anwender sollten die erforderlichen Schutzmaßnahmen immer befolgen. Das gehört dazu.

Die Zeiten, in denen beim chemischen Pflanzenschutz nur mit Handschuhen und in Jeans und T-Shirt gearbeitet wurde, müssen endgültig der Vergangenheit angehören. Heute besteht die geeignete persönliche Schutzausrüstung (PSA) aus:

  • Schutzanzug,
  • Handschuhen,
  • Kopfschutz,
  • Augen- und Atemschutz,
  • Gummischürze und Fußschutz.

Die erforderliche Ausrüstung wird für jedes Pflanzenschutzmittel individuell festgelegt, denn sie ist abhängig von den Eigenschaften des Mittels und den Anwendungsweisen. In der Gebrauchsanleitung steht, welche Ausrüstung vorgeschrieben ist. Für neue Mittel ist die PSA neuerdings sogar als bußgeldbewehrte Anwendungsbestimmung festgesetzt.

Arbeitskleidung

In den meisten Fällen ist nicht das gesamte Programm notwendig. Wenn im Einzelfall keine spezielle Schutzausrüstung vorgeschrieben ist, tragen Sie beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln immer geeignete Arbeitskleidung (langärmelige Jacke und lange Hose bzw. langärmeliger Arbeitsanzug) und festes Schuhwerk. 

Hier reicht die Ärmelschürze

Bei Tätigkeiten im Pflanzenschutz, bei denen nahezu ausschließlich die vordere Körperseite exponiert wird, können Sie den vorgeschriebenen "Schutzanzug gegen Pflanzenschutzmittel" durch eine Kombination aus Ärmelschürze und langer zertifizierter Arbeitskleidung ersetzen. Dies gilt u.a. für:

  • das Ansetzen der Spritzflüssigkeit
  • das Befüllen und Reinigen des Pflanzenschutzgerätes
  • Tätigkeiten außerhalb der Fahrerkabine während der Anwendung, z.B. das Beheben von Gerätestörungen, Kontrollen oder Maßnahmen an den behandelten Pflanzen

Falls in der Gebrauchsanleitung als PSA zusätzlich "spezifische Schutzkleidung" oder der "Schutzanzug Pflanzenschutz" gefordert ist, müssen Sie einen zertifizierten Schutzanzug verwenden. Die Zertifizierung erkennen Sie an dem Symbol.

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Wann reicht eine Traktorkabine als Schutz?

Traktorkabinen können ausreichend vor Spritznebel schützen. Für einige Pflanzenschutzmittel ist das Tragen von Schutzkleidung für Haut und Augen während der Ausbringung vorgeschrieben. In Fahrzeugen mit geeigneten Fahrerkabinen können Sie auf die vorgeschriebene Schutzkleidung verzichten. Dicht schließende Fahrerkabinen mit Luftfiltration können Sie während der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln wirksam vor einer Exposition durch Spritznebel schützen.

Die Schutzwirkung ist abhängig von der technischen Ausgestaltung und Handhabung der verschiedenen Kabinentypen und lässt sich in vier Kategorien mit unterschiedlichem Schutzniveau einteilen. Neuerdings können auch dicht schließende Kabinen mit Klimaanlage und Zuluft-Filterung (Kategorie 2*) die vorgeschriebene PSA ersetzen, da sie eine ausreichend hohe Abschirmwirkung gegen Spritznebel ausüben. Die meisten Traktoren in Niedersachsen haben mindestens das Schutzniveau der Kategorie 2*.  

Was wann tragen?

Generell gilt: Das im Betrieb vorhandene Pflanzenschutzmittel mit den höchsten Anforderungen an den Gesundheitsschutz bestimmt die Grundausstattung der PSA für Sie und Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Folgende Empfehlungen für den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln werden gegeben:

  • Ansetzen der Spritzflüssigkeit und Befüllen der Spritze: Leichter zertifizierter Arbeitsanzug plus Ärmelschürze, festes Schuhwerk, dicke Schutzhandschuhe und ggf. nach Gebrauchsanleitung Augen-, Gesichts- oder Atemschutz.

Vor dem Einsteigen in die Kabine ziehen Sie Ärmelschürze, Handschuhe und ggf. die weitere PSA aus, damit keine Mittelreste in die Kabine gelangen. Kontaminierte Mehrweg-Schutzhandschuhe waschen Sie vor dem Ausziehen ab. Die kontaminierten Gegenstände verwenden Sie am besten nicht weiter für die Ausbringung und verwahren diese sicher im Betrieb auf.

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Bei Ausbringung und Kontrollen

  • Ausbringung: In der Schlepperkabine (ab Kategorie 2* aufwärts) tragen Sie leichte zertifizierte Arbeitskleidung. Wenn Sie die Kabine verlassen, sieht das anders aus!
  • Kontrollen während der Ausbringung: Nehmen Sie bei der Ausbringung eine leichte Einmal-Ärmelschürze und Einmalschutzhandschuhe mit. Bei Störungen oder Einstellungen am Gerät außerhalb der Kabine oder Kontrollen an den behandelten Kulturen ziehen Sie diese Einmalartikel an. Beide gehören anschließend keinesfalls in den Innenraum der Kabine, sondern in ein dafür vorgesehenes Behältnis am Gerät oder Traktor und werden später entsorgt. Waschen Sie sich vor Wiederbetreten der Kabine die Hände.

Falls Sie bei den Arbeiten außerhalb der Kabine mit Sprühnebel rechnen müssen, dürfen Sie die Kombination Ärmelschürze/Arbeitsanzug nicht verwenden, sondern den Schutzanzug Pflanzenschutz.

Nach der Ausbringung und Nachfolgearbeiten

  • Nach der Ausbringung: Für die Gerätereinigung eignet sich die Kombination Ärmelschürze/Arbeitsanzug ebenfalls.
  • Nachfolgearbeiten in den Kulturen: Falls Sie manuelle Nachfolgearbeiten in einer behandelten Kultur (z.B. Kontrollen, Bewässerungen, Bestandspflege, Ernte) durchführen müssen, betreten Sie die behandelte Fläche frühestens nach dem Antrocknen des Mittelbelags wieder. Gegebenenfalls hat das Mittel längere Wiederbetretungsfristen. Tragen Sie dazu, falls in der Gebrauchsanleitung keine zusätzliche PSA (z. B. Schutzanzug Pflanzenschutz, Atemmaske) vorgeschrieben ist, einen leichten zertifizierten Arbeitsanzug, festes Schuhwerk und Schutzhandschuhe.
  • Achten Sie darauf, ob in der Gebrauchsanleitung der ausgebrachten Mittel Zeiträume vorgeschrieben sind, in denen die PSA zu tragen ist (z.B. 14 Tage nach der Behandlung oder bis kurz vor der Ernte) und ob die tägliche Arbeitszeit begrenzt ist (z.B. auf zwei Stunden).
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