Chia-Samen auf einem Löffel

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Janina Schuster | am

Sortenschutz für erste Chia-Sorte

Die gute Nachricht für alle Fans der gesunden Ernährung: Chia ist nicht nur gesund, sondern nun endlich auch ein umweltverträgliches Nahrungsmittel. Der regionale Anbau kann starten.

"Juana" heißt die Sorte aus der Züchtung der Universität Hohenheim in Stuttgart. Sie wurde offiziell vom Bundesortenamt als erste Chia-Sorte in Deutschland gestützt. Der Weg für einen gewerbsmäßigen Anbau der Pflanze ist nun geebnet. Das bringt viele Vorteile mit sich, denn bislang mussten die Samen teuer und wenig umweltfreundlich importiert werden.

Keine gute Ökobilanz

Mit der stark gestiegenen Nachfrage nach Chia-Samen erhöhten sich in den Exportländern wie Südamerika die Preise für das sogenannte "Gold der Azteken", wie die Samen auch genannt werden. Mit der Folge, dass die einheimische Bevölkerung sich ihr Grundnahrungsmittel kaum noch leisten kann. Zur Ertragssteigerung wurden vermehrt Pestizide eingesetzt, der Transport rund um die Welt führt zu einem enormen Kohlendioxid-Ausstoß. Alles in allem keine gute Bilanz für das Trendlebensmittel Chia. Mit einem regionalen Anbau könnte sich das aber ändern. Denn prinzipiell sagt man den Samen ihre guten Eigenschaften nicht zu Unrecht nach.

Was kann Chia?

Chia-Samen gehören zu der Gruppe der funktionellen Lebensmittel. Ihnen werden gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Unter anderem haben sie einen außergewöhnlich hohen Gehalt an Ballaststoffen, Mineralstoffen, Vitaminen und Antioxidantien, sowie viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-3 und Omega-6) in einem ernährungsphysiologisch guten Verhältnis.

Welche Probleme der Anbau mit sich bringt

Der Anbau hat jedoch seine Tücken, denn die Samen sind anspruchsvoll. Chia ist eine sogenannte "Kurztagspflanze". Um blühen und Samen ausbilden zu können, dürfen die Tage eine gewisse Länge nicht überschreiten. In Deutschland sei dies im Herbst der Fall und damit bereits zu kalt für die kälteempfindliche Pflanze, sagt apl. Prof. Dr. Graeff-Hönniger, Leiterin der Arbeitsgruppe Anbausysteme und Modellierung. Die Suche nach den Samen, die in unseren Gefilden gedeihen können, läuft bereits seit 2015. Im Rahmen des Projekts "BioÖkonomie Chia-Chain ‒ Erzeugung von Chia unter deutschen Bedingungen" erforschten Pflanzenexpertinnen gemeinsam mit Dr. Volker Hahn von der Landessaatzuchtanstalt in Hohenheim, welche Sorten geeignet sein könnten.

Saatzuchtfirmen gesucht

"Um Chia in unserem kälteren Klima anbauen zu können, mussten wir nach Sorten suchen, die an unsere Tageslängengegebenheiten in den wärmeren Sommermonaten angepasst sind. Nur auf diese Weise kann sowohl der Anspruch von Chia an die Tageslänge als auch an die Temperatur erfüllt werden. Es war gut möglich, dass eine Sorte aus Mexiko nicht für uns geeignet war, während eine aus Bolivien genau unseren Anforderungen entsprach. Die Suche nach entsprechend geeignetem genetischen Material war der erste Schritt für einen Anbau in Deutschland", erklärt Samantha Jo Grimes, Projektbearbeiterin und Doktorandin am Institut für Kulturwissenschaften. Eine Suche, die sich gelohnt hat. Mit der Freigabe von "Juana" haben die Forscherinnen und Forscher den Weg freigemacht für Chia-Samen aus Deutschland. Nun suchen sie Saatzuchtfirmen, die die Sorte in ihr Programm aufnehmen und Landwirtinnen und Landwirten zur Verfügung stellen wollen.   

Mit Material von Universität Hohenheim
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