Äpfel
Anne-Maria Revermann | am

Steigende Importe von Obst und Gemüse befürchtet

Obst- und Gemüseanbauer befürchten eine wachsende Abhängigkeit von Importen. Fehlende Pflanzenschutzmittel erschweren den Anbau.

Bei Obst und Gemüse droht Deutschland nach Einschätzung des Bundesausschusses Obst und Gemüse (BOG) und des Industrieverbands Agrar e. V. (IVA) eine wachsende Abhängigkeit von Importen aus dem Ausland.

Grund hierfür sei, dass im Obst- und Gemüseanbau gegen zahlreiche Pflanzenschädlinge hierzulande keine wirksamen Pflanzenschutzmittel mehr zugelassen sind. Oft können die Anbauer nur auf kurzfristige Notfallzulassungen hoffen.

 

Versorgungsgrad liegt unter Bedarf

Der Versorgungsgrad bei Obst und Gemüse liegt in Deutschand weit unter dem inländischen Bedarf. Das gilt nicht nur für Südfrüchte, sondern auch für

  • Äpfel (Selbstversorgungsgrad: 40 Prozent),
  • Möhren (70 Prozent),
  • Kohl (82 Prozent).

Durch eine künftig noch schlechtere Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln zur Kontrolle von Schädlingen, Pilzen und Unkräutern könnte der heimische Anbau durch weiter zurückgedrängt werden.

Kirschen und Steinobst besonders betroffen

Die Achillesferse bei den Sonderkulturen sei in vielen Fällen die schlechte Verfügbarkeit von Insektiziden gegen Schädlinge, die ganze Ernten bedrohen. Gegen Apfelwickler sind künftig im Apfelanbau nur noch zwei Wirkstoffe mit ausreichender Wirksamkeit zugelassen, daneben noch BT-Produkte (Bacillus thuringiensis) mit geringerer Wirksamkeit.

Noch dramatischer stellt sich die Bekämpfungssituation bei Kirschen und anderem Steinobst dar: Die letzten beiden noch verfügbaren chemischen Wirkstoffe werden voraussichtlich wegfallen. Dann stehen nur noch Kali-Seifen oder Rapsöl zu Verfügung. Gegen Schildläuse sind im Anbau von Kirschen und anderem Steinobst gar keine Mittel mehr für Spritzanwendungen zugelassen. Das einzige noch verfügbare Mittel gegen saugende Insekten befindet sich bereits in der Aufbrauchfrist.

Existenzen von Obst- und Gemüseanbauern bedroht

„Der verantwortungsbewusste und fachgerechte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln trägt maßgeblich zur Produktion von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln bei. Will man verhindern, dass ganze Anbaugebiete verschwinden und die Produktion ins Ausland abwandert, muss gehandelt werden. Der massive Verlust an Wirkstoffen fördert nicht nur die Entstehung von Resistenzen, er bedroht die Existenzen der landwirtschaftlichen Unternehmer und somit die Existenz der deutschen Kulturlandschaften“, sagt Jens Stechmann, Vorsitzender des Bundesausschusses Obst und Gemüse und selbst Obstanbauer mit einem Betrieb von 37 Hektar in Jork-Lühe.

Nicht viel optimistischer blicken die Gemüseanbauer auf die Zukunft. Kurzfristige Notfallzulassungen seien auf Dauer keine Lösung für Obst- und Gemüsebauern. Sie benötigen Planungssicherheit und sind auf die ausreichende Verfügbarkeit von Wirkstoffen angewiesen.

So kommt das Obst in die Saft-Flasche

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