Rapssaatbett

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Kai-Hendrik Howind, LWK Niedersachsen | am

Tipps zur Rapsaussaat

Schwierige Jahre liegen hinter dem Raps. Um jetzt für das kommende Jahr die bestmöglichen Voraussetzungen für den Raps zu schaffen, finden Sie im Folgenden einige praktische Tipps zur Aussaat.

Nach einigen sehr herausfordernden Jahren im Rapsanbau, die geprägt waren von hohem Schädlingsbefall, schwierigen Aussaatbedingungen, geringen Erträgen sowie schwachen Verkaufserlösen, erlebt der Rapsanbau seit letztem Jahr wieder einen deutlichen Zuwachs. Umso entscheidender ist es daher, die pflanzenbaulichen Herausforderungen für die kommende Aussaat zu meistern, um einen wirtschaftlichen Rapsanbau zu ermöglichen.

Schon bei der Fruchtfolge ansetzen

Die Fragen beginnen nicht erst bei der Aussaat oder bei der Bodenbearbeitung, sondern bereits im Vorfeld bei der Anbauplanung mit Blick auf die Fruchtfolge. In einigen Regionen wurde Raps über viele Jahre in dreijähriger Folge gefahren, was zunehmend zu Problemen mit bodenbürtigen Schaderregern wie Kohlhernie oder Sclerotinia geführt hat. Spätestens seit letztem Jahr rückt aber auch Verticillium als ernst zu nehmender Erreger in den Fokus. In allen Fällen bieten sich möglichst weite Folgen des Rapses mit mindestens dreijährigen, besser noch längeren Anbaupausen an. Dabei ist auch auf den möglichen Anbau von Kreuzblütlern in Zwischenfrüchten zu achten. So sollte kein Senf in Rapsfruchtfolgen als Zwischenfrucht genutzt werden.

Integration von Raps in Rübenfruchtfolgen

Die in der Vergangenheit auf vielen Betrieben sehr erfolgreiche Integration von Raps auch in Rübenfruchtfolgen (z. B. Weizen-Raps-Weizen-Rübe) bietet pflanzenbaulich weiterhin viele Vorteile, wird aber durch den drohenden Wegfall des Wirkstoffs Triflusulfuron-Methyl (z. B. Debut) erschwert. Auf Standorten, auf denen keine Rüben wachsen, können alternativ auch der Mais oder Leguminosen die Fruchtfolge erweitern, denn der Wechsel zwischen Blatt- und Halmfrucht ist ein Grundbaustein für erfolgreichen Ackerbau.

Positive Effekte von Raps in der Fruchtfolge

Daher bleibt Raps ein wichtiger Baustein für eine ausgewogene Fruchtfolgegestaltung. So ermöglicht die gute Bodengare, die Raps hinterlässt, zumeist eine bodenschonende Bearbeitung zur Folgekultur. Im Weizen zeigen Versuche nach Raps aufgrund der hohen N-Nachlieferung eine bessere Stickstoffeffizienz als nach Stoppelvorfrucht, was besonders in Zeiten hoher Düngemittelkosten und gesetzlichen Beschränkungen Vorteile bietet. Bezüglich Ackerfuchsschwanz stellt der Raps durch den Einsatz von Propyzamid-haltigen Herbiziden (z. B. Kerb Flo) einen wichtigen Baustein im Resistenzmanagement dar. Mit Blick auf die direkte Vorfrucht des Rapses kommt in aller Regel nur Getreide in Frage. Die Wintergerste bietet hier aufgrund des frühen Erntetermins einen deutlich größeren Zeitraum für Bodenbearbeitung, Kalkung oder (Grund-) Düngemaßnahmen. Bei Winterweizen eignen sich besonders frühreife Sorten. In Einzelfällen kann Raps auch nach Körnerleguminosen angebaut werden. Dies ist hinsichtlich der Stickstoffnachlieferung und der guten Bodengare sehr förderlich für die Herbstentwicklung des Rapses und eine gute Möglichkeit der Stickstoffkonservierung. Als Nachteil ist aber das erhöhte Risiko von Sclerotinia nach Leguminosen zu nennen.

Einsatz vom Striegel

Bereits bei der Ernte der Vorfrucht ist auf eine gute Zerkleinerung und Verteilung der Erntereste sowie bodenschonende Bearbeitung zu achten, damit keine Verdichtungszonen oder Strohmatten die Entwicklung des Rapses behindern. Bei unzureichender Zerkleinerung oder Verteilung des Strohs kann ein zusätzlicher Mulchgang oder die diagonale Arbeit mit Strohstriegel oder mehrbalkigen Grubbern für Verbesserungen sorgen. Scheibeneggen bringen nur wenig Effekt auf die Strohverteilung. Bei Strohbergung werden solche Probleme zumeist ausgeschlossen und die N-Immobilisierung des eingearbeiteten Strohs umgangen. Dies bringt Vorteile für die Jugendentwicklung des Rapses gerade in ungedüngten Beständen, muss jedoch vor dem Hintergrund gestiegener Kosten für Grundnährstoffe sowie dem Humusabbau kritisch hinterfragt und einzelbetrieblich ökonomisch kalkuliert werden.

Grundbodenbearbeitung per Pflug

Die Grundbodenbearbeitung zum Raps kann sowohl klassisch per Pflug als auch konservierend erfolgen. Ertragsunterschiede zwischen den Verfahren sind gering. Das Pflügen sichert besonders bei später Saat eine schnellere Jugendentwicklung ab. Die Mulchsaat hat Vorteile in der Arbeitserledigung und sorgt zudem für eine bessere Ausnutzung der organischen Dünger. Direktsaaten oder Mulchsaaten mit extrem geringer Bearbeitungstiefe sind in Raps anspruchsvoll, da die Gefahr besteht, dass die Samen in einem Stroh/Spelz - Gemisch nicht ausreichend mit Feinerde in Kontakt kommen und nicht auflaufen. Weiterhin muss besonders bei der Direktsaat ein hohes Augenmerk auf die Kontrolle von Schnecken und Mäusen gelegt werden. Raps honoriert eine tiefe Lockerung zumeist mit einer gut ausgebildeten Pfahlwurzel. Vor dem Hintergrund des Wassersparens bei sich abzeichnender Trockenheit, ist jede tiefe oder intensive Bearbeitung hingegen fragwürdig.

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Feuchtigkeit an die Oberfläche holen

Bei vorhandener Restfeuchte kann im Unterboden mittels Pflugfurche oder tiefem Grubbern oftmals genug Feuchtigkeit an die Oberfläche geholt werden. Dies erfordert jedoch ein möglichst kurzes Zeitfenster zwischen Bodenbearbeitung und Aussaat. Im Anschluss besteht auf leichten Böden die Gefahr, dass die jungen Pflanzen dann vertrocknen. Eine etwas tiefere Saat (2-3 cm) kann helfen, die Wasserversorgung zu sichern. Zudem sind eine gute Rückverfestigung und Ablage des Korns auf den festen Boden wichtig.

Dies kann durch Andruckrollen oder zunehmend auch durch den Einsatz von Einzelkornsämaschinen sichergestellt werden. Die exakte Tiefenführung und gute Rückverfestigung dieser Aggregate bietet gerade unter sehr trockenen Bedingungen Vorteile. Die Einzelkornsaat bietet daher eine höhere Sicherheit um gute Feldaufgänge zu erlangen und spart zudem Saatgutkosten; Ertragsvorteile ergeben sich daraus jedoch nicht. Beim Einsatz von Zuckerrübendrillmaschinen muss darüber hinaus nach der Bodenlockerung eine Saatbettbereitung erfolgen, um die Böden ausreichend rückzuverfestigen. Ist absolut keine Feuchtigkeit mehr im Boden vorhanden, sollte mit der Aussaat gewartet werden.

Bodenfeuchte beachten

Die heute oft angebauten Hybridsorten vertragen Saatzeiten mit dann leicht erhöhten Saatstärken (+5-10 Körner/m²) bis zum 10. September problemlos. Sollte dann immer noch kein Niederschlag in Aussicht sein, sollte sich über eine Alternativkultur Gedanken gemacht werden. Der alte Grundsatz „Saatbedingungen vor Saatzeit“ nimmt in dieser Feinsämerei vor dem Hintergrund der Bodenfeuchte einen besonderen Stellenwert ein.

Unkrautbekämpfung durch Bodenbearbeitung

Neben den Auswirkungen auf den Wasserhaushalt kommt der Bodenbearbeitung auch wieder eine wichtigere Rolle bei der Unkrautbekämpfung zu. Durch das bereits erfolgte Verbot von Glyphosat in vielen Schutzgebieten, ist der Einsatz gegen Ausfallgetreide oder Problemunkräuter vor der Rapssaat eingeschränkt.

Da besonders Ausfallgerste im Jugendstadium des Rapses eine starke Konkurrenz unter anderem um Wasser darstellt, ist diese vor der Aussaat unbedingt zu beseitigen. Der reine Tisch des Pfluges bietet hier Vorteile. Bei konservierender Bearbeitung sind besonders nach Gerste unter Umständen mehrerer Arbeitsgänge mit flach aber ganzflächig schneidenden Werkzeugen nötig. Wie bereist angesprochen, besitzen die aktuellen Hybridsorten ein recht breites Aussaatfenster. Abgesehen von extremen Höhenlagen oder sehr kalten Standorten, ist ein Sattzeitpunkt zwischen dem 20.8. und dem 10.9. möglich. Achten Sie auf die Wüchsigkeit der Sorten, um einerseits ein Überwachsen vor dem Winter bei früher Saat zu verhindern und andererseits bei später Saat noch eine ausreichende Vorwinterentwicklung mit 8-10 Laubblättern und einem Wurzelhalsdurchmesser von >10 mm zu erreichen.

Frühsaaten: Achtung Schädlinge

Frühsaaten sichern eine ausreichende Vorwinterentwicklung ab, sind aber anfälliger für den Befall mit kleiner Kohlfliege. Beim Rapserdfloh zeichnet sich kein so eindeutiges Bild ab. Während gut entwickelte Frühsaaten einen Blattfraß deutlich besser überstehen als gerade auflaufende Jungpflanzen, werden große Pflanzen zumeist stärker durch Eiablage und Larvenfraß im Stängelinneren geschädigt. Der jahresspezifische Zuflug ist hierbei entscheidend und wenig vorhersagbar. Die verfügbaren insektiziden Beizen zeigen teilweise eine Wirkung gegen Kohlfliegen, gegenüber dem Erdfloh hingegen ist die Wirksamkeit sehr begrenzt und nicht mit den Wirkungsgraden früherer neonicotinoider Beizen vergleichbar.

Aussaatstärke

Als Aussaatstärke haben sich 40-55 Körner/m² bewährt. Bei Einzelkornsaat muss die Saatstärke auf 25-35 Körner/m² reduziert werden, um eine zu starke Konkurrenz der Pflanzen innerhalb der Reihe zu verhindern. Bei zu großer Reduktion besteht die Gefahr, dass bei Schnecken- oder Mäusefraß schnell Fehlstellen entstehen, in denen in der Vegetationsverlauf vermehrt Unkraut wächst.

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Aussaat von Bei- oder Untersaaten im Raps

Ein neuer Ansatz ist die Aussaat von Bei- oder Untersaaten im Raps. Entweder mit der Rapsaussaat oder einige Tage zuvor werden Mischungen mit zumeist größerem Anteil Leguminosen ausgebracht. Diese entwickeln sich zeitgleich mit dem Raps und sollen einerseits Schädlingsbefall durch Ablenkung reduzieren und andererseits durch die N₂-Fixierung der Leguminosen zur N-Versorgung der Rapspflanzen beitragen.

Über Winter sollen die Begleitpflanzen absterben, um dann im Frühjahr zusätzlichen Stickstoff bereit zu stellen. Das Verfahren stammt aus Frankreich und ist in Deutschland noch in der Erprobung. Sowohl hinsichtlich der optimalen Mischung, der Aussaattechnik als auch hinsichtlich des Nutzens laufen aktuell Versuche. Besonders bei der Herbizidbehandlung sind Einschränkungen zu beachten, um die Untersaaten nicht zu schädigen.

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