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Dr. Alexandra Wichura, PSA der LWK Niedersachsen | am

Tipps: Spargelfliege wirksam bekämpfen

Seit dem Wegfall des Wirkstoffs Dimethoat im letzten Jahr gibt es kein regulär zugelassenes Insektizid mehr zur Bekämpfung der Spargelfliege. Wir zeigen im Folgenden auf, welche Möglichkeiten der Bekämpfung bleiben.

Die Spargelfliege ist in ganz Deutschland verbreitet und neben dem Spargelhähnchen das häufigste Schadinsekt im Spargel. Der Flugzeitraum der Spargelfliege erstreckt sich in der Regel von der ersten Aprildekade bis Mitte Juli, wobei der Hauptflug zwischen Mitte Mai und Mitte Juni zu beobachten ist.

Aufgrund des bisher sehr kühlen Aprils ist der Flugbeginn in diesem Jahr im Vergleich zum letzten Jahr allerdings deutlich verzögert. Die ersten Spargelfliegen werden erst mit den vorhergesagten wärmeren Temperaturen in der letzten Aprilwoche erwartet, da der Puppenschlupf erst ab 10 °C stattfindet.

Die Fliegen sind aufgrund ihres auffälligen Flügelmusters auf dem Feld einfach zu erkennen. Der Schaden, den die Spargelfliege vorrangig durch das Absterben der befallenen Triebe verursachen kann, hängt von der Flugintensität auf dem Feld, vor allem aber auch vom Alter der Anlage ab. Junge, dünne Triebe einer Neupflanzung oder Junganlage sterben schneller ab als dickere Triebe einer etablierten Ertragsanlage.

Notfallzulassung Benevia

Das Mittel Benevia mit dem Wirkstoff Cyantraniliprole hat zwar auch in diesem Jahr eine Notfallzulassung nach Art. 53 der VO (EU) 1107/2009 zur Bekämpfung der Spargelfliege im Zeitraum vom 14. April bis 9. August 2021 erhalten, doch es ist nur eine Anwendung erlaubt und diese ist mit Auflagen belegt.

Hier ist zu beachten: 

  • Da Benevia als bienengefährlich (B1) eingestuft ist, muss die Anwendung spätestens bis drei Wochen vor zu erwartendem Blühbeginn ausgebracht worden sein. Dies bedeutet in der Praxis, dass die Behandlung nur bis etwa zehn Tage nach dem Durchtrieb möglich ist.
  • In dieser Zeit befindet sich der erste Durchtrieb mit rund 40 bis 50 cm Höhe zwar in einem für die Spargelfliege sehr attraktiven Stadium. Die Behandlung macht jedoch nur Sinn, wenn in diesem Zeitraum auch tatsächlich der Flug oder Zuflug von Spargelfliegen erfolgt. Der Flug sollte deshalb mit grünen Stableimfallen überwacht werden.
  • Zur besseren Aufnahme des Wirkstoffes sollte ein ölhaltiger Zusatzstoff zugesetzt werden.

Wirkung auf adulte Tiere

Zur Testung der Wirksamkeit verschiedener Insektizide auf die adulten Fliegen wurden am Pflanzenschutzamt Versuche in Gazekäfigen durchgeführt. Es zeigte sich, dass von keinem Insektizid eine vollständige Wirkung auf adulte Fliegen zu erwarten ist.

Durch die Insektizide Karate Zeon und Benevia wurden innerhalb von zwei Tagen jeweils rund 50 % der Fliegen abgetötet, während von Mospilan SG in diesem Zeitraum nur etwa 15 % der Tiere starben. Die beobachtete Mortalität innerhalb der ersten zwei Tage in diesen Versuchen wird in etwa vergleichbar mit Freilandbedingungen eingestuft.

Wirkung auf Spargelfliegenlarven

Es wurden auch Versuche zur Wirksamkeit auf die Spargelfliegenlarven durchgeführt.

Die Versuchsergebnisse zeigen, dass Danadim Progress eine sehr gute Wirkung auf die Larven der Spargelfliegen hatte, während weder von Karate Zeon noch von Benevia unter den getesteten Bedingungen eine Wirkung auf die Larven zu beobachten war.

Zwar kann die Aufnahme des Wirkstoffs beim Produkt Benevia durch einen ölhaltigen Zusatzstoff verbessert werden. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass durch die Verwendung des Produktes ohne Zusatzstoff, wie hier im Versuch, eine potenzielle Wirkung komplett ausbliebe. Es muss daher tatsächlich angenommen werden, dass die Bekämpfung der Spargelfliegen mit den zur Verfügung stehenden Produkten hauptsächlich über die Kontaktwirkung auf die adulten Insekten erfolgen muss.

Alternative Mulchen

Aufgrund der nur noch beschränkt zur Verfügung stehenden Insektizide müssen alle alternativen Möglichkeiten zur Bekämpfung ausgenutzt werden. Hierzu wurden verschiedene Versuche bei der LWK Niedersachsen in den letzten Jahren durchgeführt. Die mechanische Bearbeitung im Herbst ist eine dieser alternativen Maßnahmen. Besonders angenehm ist, dass sie ohnehin betriebsübliche Praxis ist.

Zwar hat das Mulchen des Spargelkrautes keinen negativen Effekt auf die Spargelfliegen, wohl aber das nachfolgende Fräsen und das Formen eines Dammes (auch des Winterdammes). Durch das Anhäufeln werden die Puppen tief vergraben. Im nächsten Jahr schaffen es dann weniger Fliegen an die Erdoberfläche.

Zudem konnte nachgewiesen werden, dass sich die Spargelfliege aktiv zwischen Spargelanlagen bewegt. Die viel beschriebene Standorttreue ist somit deutlich zu relativieren. Junganlagen sollten deshalb möglichst in einem Abstand von mindestens 600 m zu Altanlagen angepflanzt werden.

Randlagen behandeln

Der Zuflug in Anlagen und die Hauptaktivität der Fliegen spielt sich am Anlagenrand ab. Die komplette Behandlung einer Fläche ist somit in der Regel nicht notwendig. In Ertragsanlagen werden außerdem nur sehr selten starke Schäden beobachtet. Langjährige Beobachtungen haben gezeigt, dass der Anteil befallener Triebe in einer Ertragsanlage bei durchschnittlich max. 40 % liegt, wobei es kaum zu Triebausfällen kommt.

Nur in Junganlagen und Neupflanzungen mit verhältnismäßig dünnen Stangen wurden regelmäßig Schäden beobachtet, die sich in einem Absterben von Trieben ab Juni äußerten. Auch hier waren die Starkschäden auf den Anlagenrand begrenzt. In den allermeisten Fällen kann man deshalb der Spargelfliege mit Ruhe und Gelassenheit begegnen und muss nur in wenigen Fällen tatsächlich mit Insektiziden eingreifen.

Eine Tabelle mit den aktuell in Spargel zugelassenen Insektizide finden Sie im Internet unter www.lwk-niedersachsen.de.

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