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Kristina Wienand | am

Das tun Landwirte gegen die Dürre

Schon jetzt sind die Böden zu trocken, um später reifes, ansprechendes und wohlschmeckendes Gemüse vom heimischen Boden zu ernten. Die Dürre lässt Landwirte kreative Lösungen finden.

Zu kühl und viel zu trocken. Diese Witterung beschäftigt die Landwirte in Niedersachsen, allen voran die Obstbauern. Bauern befürchten negative Auswirkungen auf die Ernte. Dieses Jahr war es bisher nicht regnerisch genug: Zwar war der Start für die Pflanzen gut, doch insgesamt war es zu trocken und die Wasservorräte in den Böden sind nun aufgebraucht.

Ohne Beregnung fehlen den Pflanzen Nährstoffe

Die Folge: Schon seit zwei Wochen wird nach Angaben des Landvolks in einigen Regionen Niedersachsens die Beregnung eingesetzt.

Aufgrund der beschränkten Wassermenge werde mit Bedacht beregnet, sagte der Vorsitzende des Pflanzenbauausschusses beim Landvolk Niedersachsen, Karl-Friedrich Meyer. Ohne Beregnung könnten die Nährstoffe aus dem Boden nicht in die Pflanzen kommen.

Wenig Wasser - verkümmerter Pflanzenwuchs

Auch in anderen Regionen Deutschlands sieht die Lage so aus. Landwirt Martin Steig aus der Vorderpfalz bewässert im Moment einmal die Woche mit 15 bis 20 Litern pro Quadratmeter seine Felder, wie er gegenüber dem SWR schildert. „Sonst hätte ich verkümmerten Pflanzenwuchs, quer durch die Palette, solches Gemüse würde der Handel mir nicht abnehmen, das wäre unvermarktbar“, erklärt der Gemüseanbauer aus Mutterstadt. Zur Bewässerung seines Gemüses verwendet Martin Steig Wasser, das aus einem Altrheinarm bei Speyer kommt.

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Gäbe es Gemüsezüchtungen, die weniger Wasser benötigten - und die vermarktungsfähig wären -, könnte Steig sich gut vorstellen, diese anzubauen. Auch andere Landwirte suchen nach Lösungen, um der Dürre entgegenzuwirken. Einige davon sind nicht neu, aber wirkungsvoll.

Niederschlag besser im Boden speichern

Bio-Bauer Armin Meitzler betreibt in Rheinhessen Acker- und Weinbau – und das in der Regel, ohne seine Felder künstlich zu bewässern. Die Lösung für den Betrieb in Spiesheim ist Begrünung. „Wir müssen den Niederschlag, dann, wenn er fällt, besser im Boden speichern, auch zum Beispiel bei Starkregen. Dafür ist Humusbildung notwendig“, erklärt Meitzler gegenüber dem SWR.

Der Bio-Landwirt begrünt seine Ackerflächen deshalb das ganze Jahr über: Im Winter pflanzt er etwa Roggen und Wicken. Sie werden später nicht geerntet, sondern in den Boden eingearbeitet, der dadurch wiederum mit Nährstoffen versorgt wird. Auch Klee dient Meitzler zum Untergraben.

Alte Sorten haben weniger Trockenstress

Eine weitere Anpassung an zunehmend trockenere Böden: Bio-Bauer Armin Meitzler sät mittlerweile alte Getreidesorten wie Emmer, Dinkel und Einkorn. „Diese Sorten können mit Trockenstress besser umgehen, sind resistenter gegen alle Wetterkapriolen“, erklärt er.

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Mehr Bäume auf die Felder?

Früher war es üblich, dass auf den Feldern auch Bäume standen, berichtet Meitzler: „Vor 100 Jahren gab es das viel häufiger, Bäume auf den Ackerfeldern“, sagt der Bio-Landwirt. „Bevor sie zur Behinderung bei der Bewirtschaftung der Äcker mit großen Maschinen wurden.“ Vor Kurzem hat der Landwirt deshalb rund 500 Bäume und Sträucher auf seinen Äckern gepflanzt – von Johannisbeere bis zu Haselnuss, Apfel und Pflaume.

Die Gewächse haben längere Wurzeln und sollen darüber den Boden das ganze Jahr über mit Nährstoffen versorgen und im Sommer Schatten spenden. Damit auch die Maschinen noch durchfahren können, stehen die Baumreihen mit einem Abstand von 36 Metern. Die jungen Bäume müssen jetzt zwar gewässert werden, aber wenn sie erst größer sind, sei das nicht mehr nötig, erklärt Armin Meitzler. Das Obst kann eine zusätzliche Einnahmequelle sein.

Mit Material von SWR, Tagesschau, dpa

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