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Dr. Jürgen Fisahn | am

Unkräuter im Grünland gezielt bekämpfen

Alle Maßnahmen, die zu einer dichten Grasnarbe führen, wirken vorbeugend gegenüber jeder Verunkrautung. Wenn sie doch auftritt, müssen zur Bekämpfung die Besonderheiten der Unkräuter mitgedacht werden.

Stumpfblättriger und Krauser Ampfer

Stumpfblättriger und Krauser Ampfer verbreiten sich über die zahlreiche Samen. Im Boden bleiben diese Jahrzehnte keimfähig. Erhöhte Konzentrationen an Gerbstoffen, Oxalaten und Harzen sind für den geringen Futterwert der Pflanzen verantwortlich. Ampfer ist ein Platz- und Nährstoffräuber mit starker Wurzelbildung, er siedelt sich schnell in beschädigten Grasnarben an. Dem Beginn der Verunkrautung muss sofort entgegengewirkt werden. Die Samenbildung ist durch eine frühe Mahd oder Nachmahd zu unterbinden.

Der optimale Bekämpfungstermin ist das Rosettenstadium (bis 20 % Blütenstängel geschoben). Die Bekämpfung kann bei geringem Besatz als Einzelpflanzenbehandlung mit Simplex, Ranger oder Glyphosat-haltigen Präparaten erfolgen. Zur Flächenbehandlung können Simplex (2 l/ha), Ranger (2 l/ha), Kinvara (3 l/ha) oder Waran (2 l/ha) empfohlen werden.

Ackerkratzdisteln

Ackerkratzdisteln werden vom Weidevieh gemieden und beeinträchtigen die Aufnahme des mit ihnen durchsetzten Futters. Durch häufigen Schnitt kann die Samenbildung verhindert werden. Die Pflanzenvermehrung wird allerdings stärker durch die vegetativen unterirdischen Triebe (Rhizome) vorangetrieben.

Es ist sinnvoll, die Distelbestände während einer längeren Regenperiode 10 cm über dem Boden abzumähen. Die chemische Bekämpfung sollte im Spätsommer nach mehrmaligem Schnitt (Erschöpfung der Reserven) bei 20 bis 30 cm Wuchshöhe im Blütenknospenstadium erfolgen.

Auf Behandlungen im Frühjahr reagiert die Ackerkratzdistel genauso wie auf ein frühzeitiges Ausmähen nach der ersten Weidenutzung mit vermehrtem Austrieb der Wurzelknospen und Rhizome. Generell sollten Einzelpflanzen frühzeitig mit Simplex oder Glyphosat-haltigen Präparaten (Einsatz gemäß § 3b PflSchAnwV eingeschränkt) ausgeschaltet werden. Im Rahmen der Flächenbehandlung ist Simplex mit 2 l/ha ausgesprochen leistungsstark. Auch von Kinvara (3 l/ha) ist eine gute Distelwirkung zu erwarten.

Brennnesseln

Brennnesseln treten oft horstweise auf, breiten sich schnell aus und zerstören die Narbe. Durch häufige Mahd lassen sich Brennnesseln nur teilweise zurückdrängen. Erfolgt der Schnitt bei Nässe, kommt es wie bei Disteln zum Ausfaulen der hohlen Stängel. Der Herbizideinsatz kann sich auf eine Einzelpflanzen-/Horst-Behandlung mit Simplex beschränken. Der beste Bekämpfungserfolg wird nach mehrmaligem Schnitt bei einer Wuchshöhe von 20 bis 30 cm erzielt. Zur Ganzflächenbehandlung lassen sich mit Ranger (2 l/ha) gute Wirkungsgrade erzielen. Noch besser wird Simplex (2 l/ha) beurteilt. Die Anwendungen können unter Beachtung der Anwendungszeiträume das ganze Jahr über erfolgen. Die entstandenen (großen) Lücken sind umgehend über eine Nachsaat zu schließen.

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Löwenzahn

Löwenzahn wird auf der Weide gerne gefressen und verbessert die Futterqualität, allerdings ist er ertragsschwach und schlecht zu konservieren. Löwenzahn breitet sich über Samen schnell aus. Pflegemaßnahmen wie eine zeitige Mahd noch vor der Blüte und eine anschließende Mähweidenutzung reichen allein oft nicht aus, ihn ausreichend zurückzudrängen.

Wichtig gegen Neuanflug von Samen sind alle Maßnahmen, die einen dichten Narbenschluss gewährleisten. Eine Verätzung des Löwenzahns erfolgt mit einer Perlkalkstickstoffgabe von 3 dt/ha auf das taunasse Grünland. Die Blütenknospen sollten dabei noch in den Blattrosetten stecken. Für Herbizideinsätze eignet sich besonders der Spätsommer, aber auch das Frühjahr vor dem ersten Schnitt. Die Behandlung sollte bei vollständiger Blattentwicklung kurz vor dem Aufbrechen der Blütenknospen erfolgen. Empfohlene Präparate sind Waran (1,5 l/ha), Ranger (1,3 l/ha), Simplex (1,5 l/ha) oder, falls gleichzeitig Spitzwegerich bekämpft werden muss, die Mischung aus U 46 D- und U 46 M-Fluid (je 1 l/ha).

Vogelmiere

Die Vogelmiere breitet sich rasch aus und stellt vor allem in Neuansaaten ein Problem dar. Das Unkraut bleibt auch bei nasskaltem Wetter mit niedrigen Temperaturen noch wachstumsaktiv, selbst dann, wenn sich die Gräser in der Winterruhe befinden. Vor allem in milden Wintern gefährdet die Vogelmiere lückige Grasbestände und gewinnt bis zur Vegetationszeit der Gräser entscheidende Konkurrenzvorteile. Durch Striegeln bzw. scharf gestellte Wieseneggen lässt sich der Vogelmierebesatz mechanisch vermindern. Eine chemische Behandlung (Ranger 1,0 bis 1,3 l/ha) gegen Vogelmiere verspricht bei beginnender Polsterbildung den besten Erfolg, oft sind nur Teilflächenbehandlungen erforderlich. Beim Einsatz von Waran (2 l/ha) gegen Ampfer wird die Vogelmiere mit bekämpft.

Sumpfschachtelhalm (Duwock)

Der Sumpfschachtelhalm (Duwock) zählt zu den gefährlichsten Giftpflanzen auf Grünland und weist auf staunasse Böden hin. Wegen der tief liegenden Rhizome ist diese ausdauernde Pflanze kurzfristig nur schwer zu bekämpfen.

Gegen mechanische Schädigung und Tritt der Weidetiere ist Duwock empfindlich. Durch die Regelung der Wasserverhältnisse kann die Pflanze in Kombination mit einer mechanischen Bekämpfung zurückgedrängt werden. Die mechanische Bekämpfung erfolgt durch mehrmaliges Walzen (Abknicken der spröden Wedel ab Fingerlänge) im Mai bis Juni sowie frühen und häufigen Schnitt. Alternativ kann eine mechanische Unterschneidung der gesamten Fläche in einer Tiefe von 30 bis 40 cm unter Flur durchgeführt werden. Mit der Maßnahme wird eine Wirkungsdauer von 30 Tagen je 10 cm Unterschnitttiefe erzielt. Danach erreichen nachgewachsene Vertikalrhizome erneut die Bodenoberfläche. Damit der Aufwuchs nicht unnötig geschädigt wird, sollte die Unterschneidung erfolgen, sobald die ersten Sprosstriebe des Duwock erscheinen. Einmaliges Unterschneiden führt nicht dazu, dass sich der Duwock erschöpft. Ein Absterben des Rhizoms ist auch durch wiederholtes Unterschneiden nicht zu erwarten. Vorbeugend wird der Duwock durch gute Narbenpflege zurückgedrängt (dichte Grasnarbe anstreben).

Die chemische Bekämpfung mit 2 l/ha U 46 M-Fluid ist aufgrund des weit verzweigten und tief reichenden Wurzelsystems keine dauerhafte Lösung, die ungeschädigten Rhizome treiben immer wieder nach.

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Jakobskreuzkraut

Das Jakobskreuzkraut breitet sich auf extensiv genutzten Weide- und Wiesenflächen aus. Die Pflanzen sind stark giftig und können die Gesundheit von Pferd und Rind sehr gefährden, denn die Pflanzen verlieren in Silage oder Heu ihre geschmackshemmenden Eigenschaften. Da die Giftwirkung erhalten bleibt, ergeben sich durch das eingelagerte Winterfutter größere Risiken als auf Weideflächen. Auf Weideflächen geht die größere Gefährdung von jungen, im Rosettenstadium befindlichen Pflanzen aus, da diese geringere Bitterstoffkonzentrationen aufweisen und unerfahrene Jungtiere eher davon fressen.

Die zweijährige Pflanze bildet im ersten Jahr eine Rosette mit löwenzahnähnlichen gelappten Blättern. Im zweiten Jahr schiebt sie den Blütenstängel mit fiederartigen Blättern. Die margeritenartigen gelben Zungen- und Röhrenblüten sind charakteristisch von 13 gelben Blütenblättern umgeben. Ein günstiger Bekämpfungstermin ist das Rosettenstadium. Blühende Bestände sollten abgemäht (Mähgut verwerfen) und im Nachwuchs behandelt werden.

Jakobskreuzkraut wird sehr gut mit 2 l/ha Simplex bekämpft. Eine einmalige Bekämpfung wird nicht immer ausreichen. Die kurze Wartezeit von sieben Tagen (Simplex) sollte nicht dazu verleiten, die Fläche im Anschluss direkt abzuweiden, denn das Jakobskreuzkraut ist auch nach der Wartezeit noch giftig und wird dann von den Tieren aufgenommen.

Den ausführlichen Fachartikel lesen Sie in unserer digitalen Ausgabe sowie in der LAND & FORST-Ausgabe 10/22.

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